Dokumentarfilm – Mythos und Tradition: die französische Fremdenlegion

Die französische Fremdenlegion übt auf viele eine eigenartige Faszination aus.

Wer sich einmal die Militärparade am 14. Juli in Paris angeschaut hat, kann in der Menge, in der sich viele Touristen befinden, eine eigentümliche Ungeduld und Erwartung spüren. Die Leute warten auf das Highlight der Parade: die Pionierbataillone der Legion, die aufgrund des langsamen Wüstenschrittempos ganz am Ende der Parade marschieren.

Männer wie Frauen betrachten die verwegenen und exotischen Kerle mit den langen Bärten, Lederschürze, der Axt auf der Schulter und dem traditionellen weißen Képi, die beim Marschieren, die getragenen, kehligen Lieder der Legion anstimmen, wie Wesen von einem anderen Stern.

Seit fast 200 Jahren gibt die Fremdenlegion jungen Männern einen Beruf, die Chance auf einen Neubeginn und die Möglichkeit, sich durch Mut und Tapferkeit im Gefecht zu bewähren und sich Achtung und Respekt zu erwerben, die sie in den Zivilgesellschaften ihrer jeweiligen Länger nicht erlangen können.

Was auch immer die Beweggründe sein mögen, in die Legion einzutreten –  Abenteuerlust, die Perspektive auf die französische Staatsbürgerschaft, Midlife-crisis oder der Wunsch nach Freundschaft, Solidarität und Kameradschaft, die es in der heutigen (Zivil-) Gesellschaft nicht mehr gibt – sie ist für viele Männer die ultimative eskapistische Zuflucht, wenn man den Chef, seinen Schreibtisch oder die eigene Familie nicht mehr ertragen kann.

Zu manchen Zeiten polemisch als Kriminellenarmee verschrien, ist die Legion schon lange kein Refugium mehr für Verbrecher, was sie auch nie gewesen ist.

Die Legion drückt bei kleineren Vergehen ein Auge zu, aber Mörder, Vergewaltiger und Drogendealer haben in ihr keinen Platz.

Die Rekrutierer der Legion suchen auch keine Bluthunde, Sadisten oder Psychopathen, sondern gesunde, körperliche fitte und mental ausgeglichene junge Männer, die – auch durch Training –  in der Lage sind, sich im Gefecht nicht von Hass, Angst oder Grausamkeit überwältigen lassen.

Nach einigen Fehlreaktionen in früheren Jahrzehnten hat der französische Generalstab in den 80er Jahren einen Ehrenkodex mit sieben einfachen Regeln für das Verhalten des Legionärs als Soldat und als Mann herausgegeben, der von jedem Legionär auswendig gelernt werden muss.

Eine Vorschrift davon lautet, im Gefecht ohne Hass oder Leidenschaft zu handeln und den besiegten Feind zu respektieren („Au combat, tu agis sans passion et sans haine, tu respectes les ennemis vaincus,…“).

Waren Deutsche in der Legion seit ihrer Gründung über 150 Jahre traditionell überrepräsentiert dominieren nach dem Zusammenbruch des Ostblocks die Osteuropäer.

Wie stark die französischen Offiziere und Kommandeure darauf achten, dass diese Prinzipien eingehalten werden, zeigt der Dokumentarfilm von France Télévisions.

Er zeigt das Auswahlverfahren und die Ausbildung der frischen Rekruten und den Einsatz verschiedener Einheiten in Afghanistan.

Die Ausbildung legt einen sehr großen Wert auf die Vermittlung von Tradition, aber auch von Zusammenhalt und Kohäsion der Soldaten. Auffällig ist der immer wiederkehrende Topos der Legion als Familie. Es ist im Übrigen eine beeindruckende, auch kulturelle, Leistung, Männer unterschiedlichster geographischer und intellektueller Herkunft zu einer auf dem Schlachtfeld funktionierenden Einheit professioneller Soldaten zu schmieden.

Die harte Ausbildung, die stellenweise auch arg improvisiert wirkt, wie zum Beispiel die etwas abenteuerliche Versorgung von Verletzten, wird allerdings gemildert durch die Elemente französischer Kultur, wie dem stets vorhandenen Champagner bei Festivitäten.

Den Machern des Films merkt man den Respekt vor der Tradition und der Leistung der Männer an, auch wenn sie sich da und dort ein kleines ironisches Augenzwinkern nicht verkneifen können.

Ich habe den Film mit Untertiteln versehen, was doch mehr Arbeit war als ich anfangs gedacht hatte. Wenn es gefallen hat, gebt auch dem Video einen Daumen nach oben.

 

 

 

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