Cold Case der Mörder von Brabant vor der Auflösung?

Es wäre eine überraschende Wendung in dem fast 40 Jahre alten Cold Case um gewalttätige Serienmorde einer Mörderbande im Belgien der 80er Jahre, über die ich in den vergangenen Jahren schon berichtet habe.

Seit dem vergangenen Jahr verfolgen die Ermittler eine neue Spur. Die neue Spur ist ein Brüderpaar, das in den 70er und 80er Jahren im Städtchen Charleville-Mézières, unmittelbar an der belgischen Grenze, sein Unwesen trieb.

Die Brüder Thierry und Xavier Sliman waren dort für Gewaltakte und Überfälle bekannt.

Thierry Sliman

Xavier Sliman, der als Waffennarr galt, wurde von einem anonymen Tippgeber als Täter bei dem Überfall auf das Waffengeschäft Dekaize bezichtigt.

Tueurs du Brabant Wallon
Xavier Sliman et son portrait robot

Auf der Spur der Brüder kamen die Ermittler über eine Frau, Véronique Laurent, deren Name jahrzehntelang in den zig-tausenden Seiten der Ermittlungsakten geschlummert hatte und nun bei der erneuten Fallanalyse aufgefallen ist.

Tueurs du Brabant Wallon – Michel Piro

Sie hatte im Jahr 1996 Thierry Sliman beauftragt, ihren Mann Michel Piro, Inhaber eines Restaurants im belgischen Charleroi und Zuhälter von Véronique Laurent, umzubringen.

Véronique Laurent wurde in einem Indizienprozess wegen Anstiftung zum Mord von einem belgischen Gericht zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Thierry Sliman und sein Komplize wurden hingegen von einem französischen Gericht in Reims freigesprochen.

Das ist ziemlich kurios, denn nicht nur das Recht, sondern auch die Gesetze der Logik erfordern bei einer Verurteilung wegen Anstiftung eine vorsätzliche, rechtswidrige Haupttat.

Ein Anstifter zum Mord kann an sich nur verurteilt werden, wenn tatsächlich ein Mord verübt worden war. Der Mord an dem Restaurantinhaber hat zweifelsohne stattgefunden, allerdings wurden die der Tat Beschuldigten, die von der verurteilten Ehefrau angeblich Angestifteten, freigesprochen. Auf welche Indizien sich die belgischen Richter sonst gestützt haben, wird in der Berichterstattung nicht klar.

Die Verbindung zwischen Véronique Laurent, den Sliman-Brüdern und den bislang unbekannten Massenmördern kam durch ein Passfoto zustande, dass in einem Haufen Brandschutt im Wald „Bois de la Houssière“ in der Nähe von Braine-le-Comte gefunden wurde, wo die Mörder Beweismittel durch ein Feuer vernichtet hatten.

Die verdächtige Frau kann also durch Indizien mit zwei Gewaltverbrechen in Verbindung gebracht werden.

Die beiden Sliman-Brüder sind allerdings schon seit mehreren Jahren tot. Xavier wurde kremiert, so dass aus seinen sterblichen Überresten keine DNA gewonnen werden kann.

Derzeit werden Vorkehrungen getroffen, um die Mutter der beiden Kriminellen zu exhumieren, um eine DNA-Probe zu nehmen und eine Beteiligung der Brüder an den mysteriösen Verbrechen entweder zu bestätigen oder auszuschließen.

Dies ist eine interessante Spur, aber die Medien und Ermittler haben in den mittlerweile 40 Jahren schon so manches Mal angekündigt, die Mörder dieses Mal ganz sicher identifiziert und das Geheimnis gelüftet zu haben. Ich bleibe skeptisch und warte ab.

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