Bevor ich zu den Dokus komme, die ich in der letzten Zeit sehenswert fand, möchte ich noch auf den kurz vor Weihnachten 2025 verstorbenen Regisseur Rosa von Praunheim eingehen.
Die Nachrufe und die Würdigung seines Werks fielen recht dürftig aus für einen der prägenden Regisseure der Bundesrepublik.
Zwar war die Thematik seiner Filme eher auf Homosexualität zentriert, aber dennoch in einer Weise, dass sie auch Zuschauer außerhalb der „Szene“ interessieren konnte.
Früher liefen diese Filme im Abendprogramm und in den „Dritten“ des ÖRR als die Darbietungen gerne auch sperrig und kontrovers sein durften und nicht geglättet, konformistisch und auf einen Massengeschmack ausgerichtet (nicht zu vergessen, schön billig produziert, damit die Damen und Herren Kleptokraten sich von dem geraubten Geld ihre obszönen Gehälter auszahlen können).
Rosa von Praunheim ist der Kultfilm „Die Bettwurst“ mit Dietmar Kracht und Praunheims Tante Luzi Kryn zu verdanken. Es war die Zeit, die von Faßbinder maßgeblich beeinflusst wurde, in der er mit halb-professionellen oder auch Laiendarstellen seine Filme bestritt.
Was haben wir uns in der Schule über die Performance von Dietmar Kracht mit seinem Helmut-Kohl-mäßigen Ludwigshafener Dialekt kaputtgelacht und die völlig überkandidelte Performance von Luzi Kryn („Dietmar, ich liiiiieeeebe dich!“). Leider nur hier am Ende des Trailers zu sehen.
Rosa von Praunheim hat auch den für die Anerkennung der deutschen Schwulenszene wegweisenden Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ gedreht. Wie er diesen Titel beim Verleih durchbekommen hat, bleibt sein Geheimnis.
Der halb-dokumentarische Film beleuchtet in verschiedenen paradigmatischen Episoden das schwule Leben im Deutschland der 70er Jahre zwischen Hedonismus, Anpassung und Heimlichtuerei. Durchgehend mit einer eigenartigen, unfreiwilligen Komik, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das als bewusstes Stilmittel eingesetzt wurde.
Wichtiger Referenzpunkt in der damaligen Zeit: die sogenannten „Klappe“. Heute in Zeiten von Grindr, Tinder uns sonstigen Dating-Apps so obsolet und unbegreiflich wie Wählscheibentelefon oder 56k-Modem.
In „Rote Liebe“ hat er die Hauptrolle mit dem Berliner Original Helga Goetze besetzt. Wer schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, dem ist sie vielleicht ein Begriff. In den 70er Jahren war sie ein Gesellschaftsphänomen. Ende der 90er Jahre konnte man sie noch auf dem Breitscheidplatz sehen, wo sie ihre Ein-Frau-Demo/Mahnwache abhielt und ihre Parolen kreischte oder vor der TU. Dort bin ich ihr häufig begegnet, weil ich dort zum Lernen in die Bibliothek ging. Sie hatte so eine Häkelmütze auf, auf der Stand „Ficken ist Frieden“ (wäre das nicht ein toller Wahlkampfslogan?) und hatte ein Schild, auf dem sinngemäß stand „Wer lindert die sexuelle Not der jungen Männer und der älteren Frauen“.
Als ich noch nicht berufstätig war und keine Kinder hatte, habe ich noch genug Zeit und Muße gehabt, mich ernsthaft und konzentriert mit diese Filmen zu beschäftigen, die auch mich als Heterosexuellen als Kulturgut und als neugierigen Menschen interessiert haben.
2. Wernuschiewsja – Die Rückkehrer
Journalisten der einzigen (noch) als oppositionell zu bezeichnenden russischen Zeitung „Nowaja Gazeta“ haben Veteranen der „Speziellen Militäroperation“ über ihre Erlebnisse und ihre Sichtweise über den Krieg befragt.
Gegen Zensur und Selbstzensur ist ihnen ein eindringlicher Film gelungen, der wie alle gesellschafts- oder regierungskritischen Filme nur auf Youtube erscheinen kann.
Die Journalisten haben hunderte Rückkehrer aus dem Krieg gebeten, ihre Erlebnisse zu beschreiben, von diesen haben sich nur wenige bereiterklärt und die Handvoll, die in dem Film zu Wort kommt, sind der Rest, der tatsächlich den Mut aufgebracht hat, es zu tun. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie den Krieg gegen die Ukraine für ungerechtfertigt hielten. Die meisten würden wieder an dem Krieg teilnehmen, wenn sie die Zeit zurückdrehen und sich erneut entscheiden könnten. Manche würden auch wieder an die Front gehen, wenn die Verwundungen abgeheilt sind.
Ich habe erst durch den Dokumentarfilm die russische Sichtweise verstanden. Aus russischer Perspektive ist die Ukraine eine Art Bundesland der großen russischen Nation, das durch die erratischen Entscheidungen seiner Politiker aus der Herde ausgeschert ist und nun zurückgeholt werden muss. So als würde Markus Söder Bayern aus der föderalen Struktur der Bundesrepublik herauslösen, um sein eigenes Ding zu machen und Fritze Merz die Bundeswehr schicken, um den Freistaat wieder heim ins Reich zu holen.
Wenn man so drüber nachdenkt, könnte das unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten für Bayern keine so schlechte Idee sein. Und die Bundeswehr in ihrer derzeitigen Verfassung würde jedenfalls an dem militärischen Auftrag scheitern.
Von den Männern, die in dem Film zu Wort kommen, sagt nur einer, dass nach dem Ende des Konflikts, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssen.
Ich denke, dass die russische Gesellschaft auf die Rückkehr hunderttausender, brutalisierter, traumatisierter und an Gewalt gewöhnte Männer nicht vorbereitet ist. Die ukrainische Gesellschaft, die vor demselben Problem steht, im Übrigen ebenso wenig.
Die automatisch generierten englischen Untertitel funktionieren recht gut, außer bei den Wortbeiträgen derjenigen, die Nuscheln, weil man ihnen das halbe Gesicht weggeschossen hat.
3. Claire Geronimi
Ein sehr eindringliches Gespräch mit Claire Geronimi, die vor zwei Jahren von einem ausreisepflichtigen Migranten im Durchgang zu ihrem Haus brutal vergewaltigt wurde und in deren Folge ihr bisheriges Leben nach diesem Ereignis mit einem Schlag aufgehört hat zu existieren: Aufgabe ihres Studiums, Unmöglichkeit zu arbeiten, Trennung von ihrem Freund.
Ich bin sehr beeindruckt von ihrer Kraft und Resilienz. Der Rassemblement National hat nach der Tat versucht, sie zu vereinnahmen, was sie abgelehnt hat. Sie engagiert sich in der konservativen Bewegung „Union des droites“. Ihr könnt ihr auf LinkedIn folgen oder ihr Projekt „Eclats de femme“ unterstützen.
4. Klara Sjöberg
Zuguterletzt nach der schweren Kost dieses kleine cineastische Meisterwerk, das von der X-Shitpost-Königin Klara Sjöberg geteilt wurde. Keine Ahnung, wo sie dieses Zeug immer ausgräbt, aber ich habe gelacht.