Von der Deradikalisierung zum Notfallmanagement

Von allen europäischen Ländern sind Belgien und Frankreich am stärksten vom Phänomen des Dschihadismus betroffen. Proportional zur Bevölkerung strömen aus keinem anderen Land so viele Kämpfer zum Islamischen Staat wie aus Belgien. Bezogen auf die Anzahl der Kämpfer hat Frankreich das größte Problem, etwa 1200 radikalisierte Islamisten kämpfen in den Reihen von Daesh in Syrien und im Irak.

Die Französische Regierung hat zu Beginn des vergangenen Jahres ein Deradikalisierungsprogramm initiiert, das zum einen Dschihad-Rückkehrer nach Möglichkeit eine Brücke zurück in die Gesellschaft bauen soll, aber vor allem eine Radikalisierung und eine Ausreise nach Syrien verhindern soll.

 

Dieses Video wird die radikalisiertesten Elemente, die schon zum Kampf und zur Ausreise entschlossen sind, wohl kaum davon abhalten können. Interessant wäre es, herauszufinden, wie viele potentielle Dschihad-Kandidaten durch dieses Video tatsächlich von einer terroristischen Tat oder einer Ausreise nach Syrien abgehalten worden sind. Eine Frage, die wahrscheinlich zukünftige Soziologen und Historiker beantworten werden.

In der Zwischenzeit hat sich nach den Anschlägen vom 13. November in Paris die Priorität komplett verändert. Es geht nicht mehr vordringlich darum, radikale Islamisten an der Ausreise zu hindern oder zu resozialisieren. Es geht um die akute Herausforderung, terroristische Attentate zu überleben. Die französische Regierung hat daher ein neues Video mit Instruktionen für den Fall eines Terroranschlags bereitgestellt.

 

Besonders apart finde ich die Anweisung, beim Zusammentreffen mit Polizeikräften, die Hände offen und sichtbar über den Kopf zu halten und keine hektischen Bewegungen zu machen.

In Deutschland, das den Schlaf der Gerechten schläft, wird man vermutlich erst einen Anschlag abwarten müssen, bis solche Anweisungen bekannt gemacht werden, die im Ernstfall helfen können, nicht nur das eigene Leben, sondern auch das von anderen zu retten. Für ein Land das so große Stücke auf seine Solidarität hält ist das meiner Meinung nach eher widersprüchlich.

Bis dahin gilt die Devise des Innenministers Thomas de Maizière: Es dürfen keine Informationen publik gemacht werden, die die Bevölkerung verunsichern könnten.

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