Wurde dem „Riesen“ die Maske vom Gesicht gerissen?

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32 Jahre nach dem Ende der mysteriösen Mordserie um die Mörder mit den Karnevalsmasken, die Belgien bis heute nicht zur Ruhe kommen lässt, geraten die Ermittlungen erneut in Bewegung.

Erst 2014 hatte ein falsches Geständnis zunächst für Hoffnung gesorgt, das Rätsel um die Morde ohne Motiv lösen zu können und die Täter zur Rechenschaft ziehen zu können. Leider hat sich die Spur als das angeberische Schwadronieren eines Wichtigtuers herausgestellt und sich in Luft aufgelöst.

Auch der neue Verdächtige ist problematisch: er ist nämlich seit zwei Jahren tot.

Im Jahr 2015 soll er seinem Bruder auf dem Sterbebett gebeichtet haben, er sei einer Haupttäter der berüchtigten „Mörder von Brabant“ und zwar der sogenannte „Riese“, der auf dem Phantombild mit der Nummer 19 gezeigt wird.

Géant

Trotz der Pleite, die die Polizei vor kaum drei Jahren erlebt hat, geraten nicht nur sie, sondern auch die Medien in eine Art Frenesie.  Sogar Arte, der Sender für den hohen geistigen Anspruch, begibt sich in die Niederungen der Kriminalberichterstattung und bringt ein kurzes Feature.

Der Grund? Der Verdächtige war ein Gendarm. Und damit gibt die Geschichte wiederum all denen Nahrung, die die Mordserie von Brabant von Beginn an als „Inside Job“ oder „False Flag-„ oder „Gladio-Operation“ bezeichneten. Die Überfälle sollten wahlweise dem Ziel dienen, den belgischen Staat zu destabilisieren oder durch die Schaffung einer konstanten Bedrohungssituation , die belgische Regierung zur Verschärfung der Sicherheitspolitik bewegen (Strategie der Spannung) oder etwas prosaischer, der Gendarmerie und der Polizei bessere Ausrüstung, modernere Fahrzeuge und neuere Waffen zu verschaffen.

War der Mann bis dahin nur als das Phantombild mit der Nummer 19 bekannt, hat er heute möglicherweise einen Namen: Christiaan Bonkoffsky, ein ehemaliger Gendarm der Spezialeinheit „Diane“.

Zwei Merkmale des Verstorbenen stimmen nach der bisherigen Berichterstattung anscheinend mit dem unbekannten Täter überein, die Größe und die antiquiert wirkende Hornbrille

Er war in Alost auf Posten, wo am 9. November 1985 der Anschlag mit dem höchsten Blutzoll verübt wurde. Auch war er während der Überfälle der „2. Angriffswelle“ am 27. September 1985 und 9. November 1985 – nach jetzigem Ermittlungsstand – nicht im Dienst, da er krank geschrieben war.

Seltsamer noch: angeblich wurde er von einem Opfer, das wegen der Anschläge eine Aussage machen wollte, in der Gendarmeriekaserne erkannt. Es gibt in der Tat einen Bericht, dass ein Opfer, Bozidar Djuroski, dessen Vater bei dem Überfall auf den Delhaize-Supermarkt am 27. September 1985 erschossen worden war, während er neben ihm im Auto saß, im Jahr 1999 einen der Täter auf einer Gendarmerie- oder Polizeiwache unter den anwesenden Beamten erkannt haben will. Unklar bleibt, ob dies tatsächlich weiterverfolgt wurde und ob es sich dabei tatsächlich um Bonkoffsky handelte.

Seltsam ist außerdem, dass von Bonkoffsky im Jahr 1999 Fingerabdrücke und eine Speichelprobe genommen wurden, wie ‚Le Soir“ meldet. Die Fingerabdrücke wurden unmittelbar nach Abnahme  ohne Ergebnis abgeglichen. Die DNA-Probe jedoch erst 2016. Auch hier ohne einen Treffer in der Datenbank.

Diese erneute Wende in dem an Überraschungen nicht armen Fall bringt erneut Mitglieder der Gendarmerie in den Fokus.

Schon nach den ersten Taten waren Ermittler und Journalisten erstaunt über die überraschend professionelle Handhabung der verschiedenen Waffen und das kommandoartige Vorgehen bei den Überfällen.

Neben der Rechtsextremismus-Spur in der Gendarmerie gibt es auch eine Spur, die ins kriminelle Milieu führt, und zwar genauer in das von korrupten Ex-Gendarmen, die auf die Seite des Verbrechens gewechselt waren.

Immer wieder tauchen in diesem Zusammenhang die Namen Madani Bouhouche und Robert Beijer auf. Zwei Ex-Gendarmen, die nach verschiedenen im Dienst begangenen Straftaten entlassen wurden und anschließend eine Privatdetektei mit Namen ARI (Agence de recherches et d’informations) gründeten.

Beide wurden schon relativ früh als Mitglieder dieser Bande verdächtigt, schon allein weil eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Bouhouche, der immer eine große Pilotenbrille trug, und dem Phantombild mit der Nummer 17 bestand.

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Robert Beijer wiederum gleicht der Person auf dem Phantombild Nr. 9 bzw. 9 b.

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Bouhouche war lange Zeit verdächtigt worden, Juan Mendez, einen Ingenieur und Südamerika-Repräsentanten der belgischen Waffenschmiede FN Herstal, ermordet zu haben, um seine Waffensammlung stehlen zu können. Mendez war am 7. Januar 1986 auf einer Autobahnauffahrt erschossen in seinem Auto aufgefunden worden. Er wurde mit mehreren Schüssen getötet: einem Schuss ins linke Auge, drei in das rechte Ohr und zwei in den Oberkörper. Es wurden nur fünf Hülsen gefunden. Der Schalthebel befand sich im Leerlauf, die Handbremse war angezogen. Insbesondere die Schüsse in das Ohr sind ein auffälliges Begehungsmerkmal der Mörder von Brabant. Diese hatten schon im Dezember 1982 den Hauswirtschafter José Vanden Eynde mit Schüssen um das Ohr und im Januar 1983 den  Taxifahrer Constantin Angelou auf identische Weise umgebracht.

Beijer und Bouhouche waren auch in den Todesfall eines libanesischen Diamantenhändlers in Antwerpen 1989 verwickelt, der nach einem Handgemenge durch einen Schuss aus Bouhouches Waffe getötet wurde.

Beijer setzte sich ins Ausland ab und wurde 1991 von Thailand an Belgien ausgeliefert. 1995 wurde Beijer zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, von denen er unter Anrechnung der Untersuchungshaft 8 Absaß. 1999 wurde er entlassen und wanderte nach Thailand aus, wo er auch heute noch lebt.

Sein Partner im Verbrechen Bouhouche erhielt 20 Jahre. Er wurde im Jahr 2000 entlassen und hielt sich danach sehr bedeckt. Er zog in das kleine Pyrenäendorf Fougax, wo er 2006 bei einem mysteriösen Unfall mit einer Motorsäge ums Leben kam. Angeblich hat er sich selbst enthauptet.

Ich gebe zu, dass ich der neuen Entwicklung eher skeptisch gegenüberstehe, solange ich außer  gewagten Interpretationen von Geschichten vom Hörensagen keine objektiven Beweise sehe.

Nachdem durch ein Parlamentsgesetz die dreißigjährige Verjährungsfrist für die Morde, die eigentlich im November 2015 auslief, um weitere 10 Jahre verlängert wurde, hat die Polizei noch ein wenig Zeit, den Spuren nachzugehen.

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