Advent, Advent – ein Tyrann fällt

Es fällt auch schwer sich vorzustellen, was für ein Gebäude das war, die Zentrale der ESA. Vielleicht ein schöner Palast, wie die Ljubjanka in Moskau, wie der Sitz der Geheimpolizei in Madrid, oder auch eine Kaserne wie viele andere in den Mittelmeerländern: ein altes Gemäuer mit häßlichen Wartesälen, mit Sesseln mit abgewetztem Lederimitat, schmutzigen Aschenbechern, schmucklosen Büros mit dem Portrait des Tyrannen an der Wand und dem verschwitzten Beamten hinter dem Schreibtisch. Schwarze Fingernägel, überhebliche kleine Schnurrbärte, ölige stumpfe Gesichter, Kaffeetäßchen, die von verängstigten kleinen Soldaten getragen werden, zu Befehl, Herr Kommandant, zu Befehl, Herr Leutnant, und dann die Kellerräume für die Häftlinge und die Sonderräume für die Verhöre.

Oriana Fallaci, Ein Mann

Nun hat es also auch, nach quälend langen, mörderischen 13 Jahren, den langen Lulatsch mit der unheimlichen Bauchrednerpuppenvisage erwischt.

Der Dezember scheint in der jüngeren Geschichte besonders günstig zu sein, das Ende von Despoten zu besiegeln.

Saddam Hussein, der Autokrat von Bagdad, floh im März 2003 aus seinem Palast und wurde im Dezember desselben Jahres bei seiner Geburtsstadt Tikrit mit zerzaustem Bart aus einem Loch gezogen.

Drei Jahre später, kurz vor Silvester 2006 wurde er in einem dreckigen Exekutionskeller von schiitischen Milizen gehängt (Videos davon gab es früher auf Youtube, heute auf der Gore-Seite eures Vertrauens).

Und vor 35 Jahren musste wiederum einen anderen Diktator dran glauben, ebenfalls im Dezember.

Ich kann mich noch an den Winterurlaub in Österreich erinnern und die Fernsehbilder mit dem verknöcherten, starrsinnigen Greis mit seiner dummen Karakulschafmütze auf dem Kopf, der auf einer Tribüne in Bukarest eine seiner stundenlangen, sterbenslangweiligen Ansprachen hielt. Ich kenne den Inhalt der Rede nicht und doch kann ich mit relativ großer Sicherheit wiedergeben, was er von sich gab: die Erfolge des Sozialismus, die jeder sehen könne; nur noch ein wenig Geduld und Hingabe, bis endlich die strahlende Zukunft komme; die unermüdliche Arbeit des Generalsekretärs und der Genossen Minister zur Vervollkommnung des Glücks der Arbeiter und Bauern, die nur durch die konterrevolutionären Aktivitäten der westlichen Imperialisten verhindert würden, bla-bla-bla.

Sein perplexer und ungläubiger Gesichtsausdruck, mit dem er in die Menge starrte, aus der sich Ausrufe des Zorns und der Empörung der verarmten frierenden Menschen erhoben, für die vermutlich diese eine Rede (es hätte auch eine beliebige andere sein können) der sprichwörtliche Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Der gute Nicolae Ceasescu hatte den Schuss nicht gehört: das Niederwalzen mit Panzern der Studenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens, die Flucht der DDR-Bürger über die ungarische Grenze und in die bundesrepublikanischen Botschaften, den Fall der Mauer. Ich habe keine Ahnung, ob er das alles nicht wahrgenommen hatte, nicht wahrhaben wollte oder sich selbst fest im Sattel sitzen sah. Ich kann kein retrospektives Psychogramm anfertigen. Fakt ist: er hatte den Zorn und den Hass auf ihn nicht kommen sehen. Oder geglaubt, dass die allgegenwärtige Furcht größer sei als der Zorn.

Er hatte den Absprung nicht geschafft und war nach einer dreitägigen Flucht geschnappt und ohne große Umstände vor ein Standgericht gestellt worden. Auch wenn das Gericht so einiges hätte aufarbeiten können oder auch müssen, machte es kurzen Prozess und der alte Bastard wurde mitsamt seiner ihm angetrauten Hexe im dreckigen Innenhof einer Kaserne in Tirgoviste an die Wand gestellt und erschossen.

In einem wirklich interessanten Artikel aus dem Spiegel von 2009 (damals als er noch seriös war) wird das Geschehen aus der Sicht eines der Schützen folgendermaßen geschildert:

„Während der letzten Sekunden auf dem Weg zum Hinrichtungsort, einer Mauer im Hof der Kaserne von Tirgoviste, stand er, der Feldwebel, seinem Oberbefehlshaber gegenüber – dem »Genie der Karpaten«, »Erlöser der Erde« und »geliebtesten Sohn des rumänischen Volkes«. Carlan erinnert sich so: »Ceausescu schaute mich an, brach in Tränen aus und rief ‚Tod den Verrätern, die Geschichte wird uns rächen‘. Dann sang er die Internationale. Er und seine Frau wurden zur Mauer geschoben, wir feuerten. Es musste zu Ende gebracht werden.«

Bis vor kurzem gab es auf Youtube noch mehrere Videos, auf dem die Hinrichtung zu sehen war, die zu historischen Zwecken gefilmt wurde. Vermutlich verstößt das jetzt gegen die „Community standards“. Dabei finde ich sollte dieses Video jedem zugänglich gemacht werden: weil es ein historisches Dokument ist, es Teil der Allgemeinbildung ist und außerdem, weil es dem Bürger zur steten Erinnerung seiner Macht und den Politikern als ständige Warnung dient, es nicht zu übertreiben.

Es ist keins der wirklich schlimmen Gore-Videos. Einfach die Hinrichtung von Despoten, wie sie beizeiten vorkommt. Viel zu selten, denn das sollte das Ende jedes Tyrannen sein, der sich Macht, Herrschaft und Gewalt über andere freie Menschen anmaßt.

Es war kein diszipliniertes Erschießungspeloton, sondern ein chaotisches Abknallen mit Dauerfeuer aus Kalaschnikows.

Als sich die Rauchwolke verzogen hatte, eilte die Kamera zu den Verurteilten. Elena Ceasescu lag auf der rechten Seite. Ihr Halstuch bedeckte Gesicht und Kopf, man hörte schwaches Stöhnen, während ein breiter Blutstrom sich von ihrem Kopf entfernte. Der „Conducator“ war nach hinten in den Knien weggeknickt. Er lag auf dem Rücken mit offenen Augen. Seine Lippen schienen sich noch ein letztes Mal zu bewegen, doch vielleicht waren es auch nur noch Reflexe. Sein Gesicht drückte seltsamerweise ein entspanntes Lächeln aus.

Dem ist Bashar Al Assad, der selbsternannte Löwe, der seinen Namen und sein Amt der dynastischen Gewaltherrschaft seines Vaters verdankte, bis jetzt entgangen.

Auf den Gore-Seiten gibt es nur noch wenig Material aus dem Ukrainekrieg. Sehr viel weniger aus noch vor wenigen Monaten.  Seltsamerweise so gut wie keine Enthauptungs- und Häutungsvideos der mexikanischen Kartelle. Den Grund dafür würde ich gerne mal kennen.

Im Winter gibt es keine Stierkampfvideos, bei denen idiotische Spanier sich mit Bullen anlegen, die ihnen mit ihren teuflisch spitzen Hörnern das Gesicht zerfetzen oder den Bauch aufschlitzen, dass die Gedärme heraushängen.

Was man wieder sieht, sind syrische Lynchmobs, die Regimeschergen abknallen, wie vor 12-13 Jahren als der Konflikt begann.

Warum ich das schreibe? Weil ich kein prinzipieller Gegner des Tyrannenmordes bin (den ich von der Todesstrafe unterscheide). Und für all diejenigen, die empört innehalten: wir Deutschen wissen es selbst am besten und haben Schulen und Kasernen nach einem verhinderten Tyrannenmörder benannt.

Ich habe kein Mitleid mit Tyrannen, ihrer Entourage und ihren Folterknechten. Bedauerlicherweise ist es allzu oft so, dass nur letztere als nützlichen Idioten, die aus Überzeugung, Feigheit oder Opportunismus die Drecksarbeit erledigt haben, die Konsequenzen an Stelle ihres Diktators tragen müssen, der klammheimlich verschwindet und sie ihrem Schicksal überlässt. Es gibt bestimmt hundert Gründe, die diese kleinen Regimeknechte vorbringen können, weshalb sie dem Unrecht gedient haben: das sichere Gehalt, die kranke Tochter, die Schule für den Sohn, „ich hatte keine Wahl“ / „ich habe nur Befehle befolgt“, aber auf dieser Welt ist es so beschaffen, dass Entscheidungen und Handlungen Konsequenzen haben und irgendwann ist Zahltag.

Ich hoffe nur, dass es zu nicht allzu vielen Verwechslungen kommt und nicht allzu viele dem Furor zum Opfer fallen und für Taten büßen müssen, die sie nicht begangen haben.

Aber letztendlich geht Syrien jetzt durch eine notwendige Etappe. Der Volkszorn braucht ein Ventil und muss sich an den Verantwortlichen rächen.

Ich denke, dass Gesellschaften, die eine Revolution durchführen, für einen gewissen Zeitraum in einer Zwischenphase sind und eine „Wildcard“ haben, um das Unrecht zu sühnen.

Es wäre aus meiner Sicht heilsam für Deutschland gewesen, wenn man das genauso nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches sowie nach dem Mauerfall getan hätte.

Nach dem Mauerfall hätte es sich meiner Meinung nach angeboten, ein paar Schergen fürs Exempel hinzurichten: die Honeckers, Erich der lispelnde Onanist mit der Eunuchenstimme, Margot die blauhaarige Kräuterhexe, Mielke mit seiner Schläger- und Mördervisage, Krenz, dazu die Leitungsebene von Stasi und Grenztruppen du die Direktoren der Stasi-Gefängnisse.

An die Wand. Kalaschnikow entsichern. Ende.

Ich bin überzeugt, dass die Alliierten nicht interveniert wären und auch ein gewisses Verständnis dafür gezeigt hätten, sind doch schließlich alle Staatswesen der alliierten Besatzungsmächte USA, Frankreich, Großbritannien und Sowjetunion durch Revolutionen entstanden und konstituiert. Wahrscheinlich hätten sie nach einer kurzen Weile das Spiel abgepfiffen, um die Stabilität nicht zu gefährden.

Das ist auch ein wichtiges Signal an den Rest der Gesellschaft und an die nicht zu unterschätzende Anzahl der Mitläufer und Mittäter: es ist aus! Das Regime ist gefallen.

In Deutschland hat man einen verschwindend geringen Bruchteil an Tätern des Dritten Reichs, die „Hauptkriegsverbrecher“ verurteilt. Es gab die „Ärzte-„, die „Juristen-„, die „Einsatzgruppenprozesse“ und noch weitere.

Von den Tätern wurde eine Handvoll hingerichtet. Der Rest bekam lächerliche Freiheitsstrafen, die sie häufig nicht mal voll abgesessen haben. Millionen kleine und große Täter liefen in der Nachkriegszeit frei herum.

Nach 1989 haben sich die SED-Schergen nach einer kurzen Panikattacke in Rekordzeit wieder konstituiert und schrieben dreist die Geschichte um, stellten ihre Forderungen und nahmen eine Täter-Opfer-Umkehr vor.

Heute ist in Thüringen unter Führung einer CDU-Regierung ein ehemaliger Unteroffizier des Stasi-Wachregiments „Felix Dzierzynski“, das an der Niederschlagung des Aufstands vom Juni 1953 beteiligt war, Umweltminister

Ich verstehe dieses Land nicht mehr.

Ich habe auf diesem kleinen Blog schon mehrmals über Syrien geschrieben. Ich bin kein Experte für dieses Land, aber ich war mehrmals dort gewesen und kenne Land und Leute. Schon damals hat mich der absurde stalin-artige Personenkult befremdet.

Zuletzt 2009 als ich für meinen damaligen Arbeitgeber, übrigens meine einzige kurzzeitige Episode als Angestellter, einer Solarfirma (ja, ich schäme mich dafür bis heute) eine PV-Anlage für den Ingenieur-Fachbereich einer Universität aufbaute und vor dem Vize-Energieminister vorstellte.

Mit mehreren meiner Bekanntschaft und Freunden bin ich noch heute in Kontakt, auch wenn sie nach dem Beginn des Aufstands zwischen Frankreich, Deutschland und Österreich verstreut sind.

Auch wenn ich die – fast schon unvermeidliche – Kaperung der Revolution durch Islamisten resigniert zur Kenntnis nehme, fühle ich mit dem syrischen Volk. Einfach, weil ich dort gewesen bin, das Essen gegessen und die Atome der Landschaft in mich aufgenommen habe, was ich nun mal nicht in Myanmar, Ruanda oder Mexiko getan habe.

Mit jedem Sturz eines Diktators kommen die Gräuel ans Tageslicht.

In Rumänien waren es die katastrophale Zerstörung der Umwelt durch die Schwerindustrie, die unbeschreiblichen Zustände in den Kinderheimen von Cighid und die Verbrechen der Securitate (bis heute halten sich übrigens hartnäckig Gerüchte, wonach an der erfolglosen Niederschlagung der Revolution in Rumänien syrische Geheimdienstler beteiligt gewesen sein sollen.

Nun scheint die Welt mit den Bildern aus dem Gefängnis von Saidnaya erst die Grausamkeit des Assad-Regimes zu entdecken.

Siehe auch dieser wirklich sehr krasse Bericht eines Deutschen:

Ich habe oft an Mazen Al-Hamada denken müssen, und was aus ihm geworden sein könnte. Nun wissen wir, dass er in diesem Höllengefängnis ermordet wurde.

Der Mann, der in seinem gemarterten Gesicht den ganzen Schmerz und die Traurigkeit des syrischen Volkes auszudrücken schien, hatte Asyl in den Niederlanden bekommen und hatte für ein Rechercheteam von seinen Folterungen berichtet.

Dann war er auf die wahnwitzige Idee gekommen, wieder zurück nach Syrien zu gehen.

Was der Grund hierfür war? Stockholm Syndrom, „Identifikation mit dem Aggressor“ oder ein anderer Grund, der seine geschundene und gepeinigte Seele dazu gebracht hat, wieder zu seinen Peinigern zurückzukehren? Er hat sein Geheimnis mit ins Grab genommen.

Was auch nach jedem Diktatorensturz immer wieder klar wird: wie grotesk und lächerlich doch Tyrannen sind.

Von Baschar zirkulieren cringy Bilder von ihm in engen Slips und Unterhemden und wie er linkisch auf der Couch lümmelt. (Auch wenn natürlich nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, dass die Bilder teilweise KI generiert sein können).

Hier jedenfalls ein Bild von Bashar mit seinem Cousin Ihab Makhlouf, der ein interessantes T-Shirt trägt:

Bei Honecker fand man in seiner verlassenen Villa in Wandlitz Softpornos mit Titeln wie „Black Emmanuelle“ oder „Schwarze Nymphomanin“, was sehr viel mehr Aufschluss über seine Persönlichkeit gibt, als seine Reden oder mögliche therapeutische Explorationen.

Man fragt sich, wie es diesen Witzfiguren gelungen ist, eine jahrzehntelange Terror- und Schreckensherrschaft zu errichten.

Und all jenen, die dieses Regime als „nicht perfekt, aber die bessere Alternative“ hinstellen, meist eine Querfront aus AfD-lern und der woken Palästinamischpoke, die sich von der der Mischung aus Sozialismus, Antiimperialismus und Antisem… ähm Antizionismus angesprochen fühlen, also die grünhaarige Non-Binäre Post-Kolonialismus-Studentin und ihre männlichen Cucks mit Vokuhila-Frisur, Schnurrbart, Ohrhängern und Brille mit durchsichtiger Fassung, sei gesagt, dass es eins der schlimmsten Regime auf Erden war. Verantwortlich (in Teilen) für die Bildung von ISIS und die schlimmste Migrationswelle nach Europa, die ohne historisches Beispiel ist.

Die Gründungskader des ISIS waren Kader von Saddams angeblich sozialistischer/laizistischer Baath-Partei.

Dieses Regime hatte noch nicht mal das Verdienst der „Stabilität“, das manche den Diktaturen zuschreiben wollen.

Der Dschihadismus ist eine Vogelscheuche, die von arabischen Autokraten vor den Augen der Westler geschüttelt wird, um sie in Angst zu versetzen. Botschaft: das ist die Alternative, die ihr bekommt, wenn ihr uns stürzt. Stabilität oder Chaos, wählt!

Dabei hat Bashar zu Beginn des Aufstands Islamisten aus den Gefängnissen befreit, um die Protestierer als Extremisten labeln zu können und besser die Revolution diskreditieren zu können.

Die Moukhabarat, die allwissenden und allmächtigen Geheimdienste stehen auch im Verdacht, den amerikanischen Reporter Austin Tice entführt (und vielleicht ermordet) zu haben, der 2012 in Syrien verschwunden ist.

Ein Video zeigt ihn, wie er mit einer Augenbinde von „Dschihadisten“ in ein Auto verfrachtet wird. Nur dass es im Anschluss weder Lösegeldforderungen, Bekennervideos oder ein sonstiges Lebenszeichen gab.

Die Indizien deuten darauf hin, dass es keine Dschihadisten waren, sondern Regimeschergen, die ihn entführt und auf Nimmerwiedersehen in eins der zahllosen Verliese (s.o.) gesteckt haben.

Vor ein paar Tagen wurde ein weiterer Amerikaner, Travis Timmerman, im Zuge der Gefängnisbefreiungen aus einem Verlies geholt, der zunächst für Austin Tice gehalten wurde.

All das sind für mich kleine Mosaiksteinchen in der Überzeugung, die ich insgeheim gehegt hatte, dass Islamisten von ISIS vom Assad-Regime unterwandert, wenn nicht gar aktiv gesteuert waren.

Bashar ist vorerst seiner gerechten Strafe entkommen. Aber wer weiß, wenn sein Geld zur Neige geht und er für seine russischen Gastgeber nicht mehr von Nutzen ist, wird es vielleicht doch einmal tragisch enden, und wenn er sich noch so viel Mühe gibt, sich von offenstehenden Fenstern fernzuhalten.

Das Jahr endet gut.

Jetzt fehlen nur noch die bärtigen Schweinepriester im Iran. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.

Addendum:

Jake Hanrahan ist mittlerweile auch am Start.

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Eine Stadt sucht einen Mörder

Da ich heute krank bin und auch ein Selbständiger manchmal zu platt ist, um ins Büro zu gehen, gibt es heute noch einen Crime-Artikel, um wieder zu den Ursprüngen dieses Blogs zurückzukehren.

Die Berliner Polizei, das BKA und Interpol suchen den Mörder einer unbekannten Frau, die 1988 im Spandauer Forst gefunden wurde.

Interpol hat unlängst eine Kampagne gestartet, um ungeklärte Morde an Frauen aufzuklären.

Die Tote wurde in der Niederneuendorfer Allee in Berlin, nahe der damaligen DDR-Grenze im Norden gefunden.

Ich zitiere den Text aus der BKA-Fahndung:

„Am 08.11.1988 wurde gegen 13:45 Uhr im Spandauer Stadtforst in einer offenbar durch Tiere geöffneten Erdgrube eine weibliche, teilskelettierte Leiche aufgefunden. Die Frau war offensichtlich Opfer eines Tötungsdeliktes geworden. Der Leichnam war in einem Jutesack verpackt. Um den Hals waren zwei kurze Kunststofftaue (Seile) verknotet, die üblicherweise im Wasserssport Verwendung finden. Dabei handelt es sich um ein einfaches gelbes Tauende und ein weiteres aus hochwertigem Material, das als „Reffbändsel“ verwendet worden sein könnte. Bei dem Opfer wurde ein abgerissenes Stück Papier mit dem Stempelaufdruck des Gesundheitsamts des Bezirksamts Schöneberg, Beratungsstelle – Geschlechtskrankheiten, aufgefunden.“

Da ich nicht weiß, ob es auch bei Fahndungsaufrufen irgendwelche Urheberrechts-Issues mit Bildern gibt, verweise ich auf die Fahndungen von BKA und Interpol.

Interessant ist das Papier für die Beratungsstelle Geschlechtskrankheiten beim Bezirksamt Schöneberg, könnte das doch auf einen Bezug des Opfers in das Prostitutionsmilieu hindeuten.

Die Durchführung einer Isotopenanalyse des Zahnschmelzes bei dem Opfer wurde auf meine Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft Berlin verneint.

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Throwback Thursday

Neulich musste ich an eine Band denken, die ich in meiner Jugend gern und oft gehört habe: die schwarze Punkband Bad Brains.

Es gibt nicht viele Gelegenheiten, bei denen man sich diese Musik anhören kann. Sie ist zu krass für alles. Man kann bei dieser Musik nicht nebenher arbeiten, lesen oder kochen.

Die Musik eignet sich nur dazu, die Band live zu erleben (was ich leider nie hinbekommen habe), dabei Basketball zu spielen oder wie meistens, sie als Begleitmusik an einem müßigen, zerquatschten Nachmittag, bei dem man bei Freunden auf der Couch oder dem Bett sitzt, Zigaretten raucht und dummes Zeug redet, laufen zu lassen.

Man muss sich nur den leicht irren Sänger H.R. ansehen, wie er auf der Bühne tobt, vom kreischenden, stakkatohaften Falsett zu melodischem Reggae wechselt.

Hier eine schöner Konzertmitschnitt aus dem CBGB’s, dem legendären Punkschuppen in der Lower East Side von 1982.

Witzig bei etwa Minute 6:50 ein höchstens 12-jähriger Junge, den seine basierten Eltern auf ein Punkkonzert mitgenommen haben.

Ich mag diese Stimmung, die dort herrscht. Schwarze und weiße New Yorker Kids, die gemeinsam Spaß haben, auf der Bühne pogen und wie die Gestörten in die Menge springen.

Damals als Punk das kollektive Jugendgefühl ausdrückte, bevor Ende der 80er Jahre HipHop kam und doch eine merkliche Trennung zwischen weißer und schwarzer Jugendkultur herbeiführte.

Es dauerte nur wenige Jahre bis Public Enemy und N.W.A. Bekanntheit erlangten. Im selben Jahr, an dem das obige Konzert stattfand, wurde auch ein Stück veröffentlicht, das allgemein als erster Rap-Song gilt (es gibt darüber sicherlich Streit, ich jedenfalls bin kein Dogmatiker, außerdem ist es mir völlig gleichgültig).

Ich mag auch dieses Video, zeigt es doch das dreckige Pleite-New York der 70er und 80er Jahre, bevor Bürgermeister Rudolph Giuliani in der Stadt aufräumte.

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Rocker, Kugeln, Serienkiller

Einer der ganz Großen ist vor Kurzem abgetreten.

Ich hatte schon vor einer Weile ein paar Notizen zu Yan Morvan gesammelt, der Ende September im Alter von 70 Jahren gestorben ist, für einen späteren Zeitpunkt, an welchem die Aktualität eine Gelegenheit für einen Artikel bieten würde.

Nun ist es ein Nachruf, den ich auf Yan Morvan schreibe. Nachruf klingt sehr pompös, da ich nie die Ehre hatte, ihn kennenzulernen, sondern nur von Ferne sein Werk, seine Energie und seinen Mut bewundert habe. Und seiner wirklich unterhaltsamen Facebook-Seite gefolgt bin, auf der er viele interessante, amüsante und skurrile Fotos, die er geschossen hatte, teilte, die von seinen Kollegen und seinem Boomer-Freundeskreis ironisch und lustig kommentiert wurden.

Nun kommt also die Zeit, in der die Erben Robert Capas nach und nach vom Sensenmann geholt werden. Patrick Chauvel ist noch immer pumperlgesund, zumindest hört man nichts Gegenteiliges, aber für die Garde der alten Haudegen wird es langsam Zeit.

Yan Morvan stammte von väterlicher Seite aus wohlhabenden Verhältnissen. Die Scheidung der Eltern führte allerdings zu einem graduellen Abstieg. Der Vater hinterließ der Mutter als Unterhalt einen großzügigen Pauschalbetrag, der allerdings irgendwann aufgebraucht war. Nach seinem Schulabschluss stellte der Vater seinen Sohn vor die Wahl: entweder ein voll bezahltes Ingenieurstudium an der Polytechnique oder keinen Centime mehr.

Yan Morvans rebellisches Temperament ließ ihn die zweite Option wählen.

Eine Weile lang vegetierte Yan Morvan als Schmuckverkäufer auf der Place du Tertre in Montmartre vor sich hin, in der Kluft der Situationisten: Nickelbrille und Armeeparka, bis er einen komplett in schwarzes Leder gekleideten Biker kennenlernte, der ihm einen Totenkopfring abkaufte und ihn in die Subkultur der Rocker und Biker einführt.

Yan Morvan ließ seinen Schmuckstand stehen, kaufte sich eine Kamera und begann zu fotografieren. Auch wenn er ab und zu kommerzielle Aufträge annehmen musste, um die Rechnungen zu bezahlen (er schoss beispielsweise das ikonische Foto von Lady Di in ihrer Kutsche am Tag ihrer Hochzeit mit Prinz (jetzt: König) Charles), fühlte er sich immer von den Rändern der Gesellschaft angezogen.

Auch wenn diese Passion für die Subkultur es mit sich brachte, dass er mehrfach zusammengeschlagen wurde.

Dann kam der für seine Fotografengeneration prägende libanesische Bürgerkrieg (seine Fotos hatte ich in dem Artikel über Paul Marchand gepostet).

Er war auch der Fotograf des berühmten Fotos, auf dem man nach dem Doppelanschlag der Hisbollah auf amerikanische und französische Soldaten der multinationalen Kämpfe einen Soldaten sieht, der einem sterbenden Kameraden unter den Trümmern die Hand hält.

Dort wurde er während der Geiselkrise von islamistischen Fanatikern entführt und vor die Wahl gestellt, entweder zum Islam zu konvertieren oder erschossen zu werden. Die Fanatiker kleideten ihn in weiße Gewänder und besprühten ihn mit Patchouli, ein Ritual, das bei Märtyrern angewandt wird. Morvan entschloss sich zum Schein, zum Islam zu konvertieren, murmelte dreimal die Schahada und wurde dann freigelassen.

Es bleibt unklar, ob die Kämpfer ihn tatsächlich exekutiert hätten oder ob das nur eine Form der Kopffickerei war, mit der Islamisten ihren psychologischen Krieg führen.

Nach einer depressiven (vielleicht posttraumatischen) Episode zog Morvan für ein Jahr nach Bangkok, wo er die Welt der Rotlichtviertel und Barmädchen fotografierte.

Es folgten Bilder der „Troubles“ in Nordirland von Punks und Mods in London.

Es war eine Phase, die viel Adrenalin und Spannung produzierte, aber dennoch prekär war. Morvan schilderte in seiner Autobiographie „Reporter de guerre“, wie er eine schwere Infektion erlitt, weiterarbeitete und schließlich halb tot ins Krankenhaus eingeliefert wurde, das er nach einem tagelangen Aufenthalt durch einen Seitenausgang verließ, weil er die Rechnung nicht bezahlen konnte.

Gibt es heute noch Menschen, die ihren Beruf mit einer ähnlichen Leidenschaft ausüben?

Die finanzielle Lage besserte sich und Morvan beginnt Seitenprojekte zu verfolgen: die Subkultur des Sado-Maso, die Teilnehmer der ersten Burning-Man-Festivals, als es noch ein paar Hände voll Spinner waren und noch nicht ein Mode-Event für Instagram-Influencer, und alle möglichen Freaks mit den absonderlichsten sexuellen Fetischen.

Er kehrte allerdings immer wieder zu seinem ursprünglichen Thema zurück: den Gangs in Paris und seinem Umland.

Dies brachte ihn in eine äußerst brenzlige Situation, und das kam so: das Unterhaltungsmagazin „Paris Match“ plante Mitte der 90er eine Reportage über die Gang-Gewalt in den Pariser Banlieues, die mehr und mehr mit Schusswaffen ausgetragen wurde. Da Yan Morvan schon reichlich zu diesem Thema beigetragen hatte, lag es nahe ihn zu beauftragen.

Auch wenn die Gewalt noch nicht die Ausmaße von heute erreicht hatte, war es für Fremde nicht möglich, gewisse „cités sensibles“ zu betreten. Vielleicht drohte nicht unbedingt Lebensgefahr, doch man riskierte auf jeden Fall, übel zusammengeschlagen und ausgeraubt zu werden.

Die Illustrierte engagierte daher wie in einem Kriegsgebiet einen „Fixer“, d.h. einen jungen Mann, der in den Banlieues aufgewachsen war, die Menschen dort kannte, mit ihnen reden konnte und somit ermöglichen konnte, dass Journalisten ihre Fragen stellen und Fotografen ihre Bilder schießen konnten.

Es handelte sich hierbei um einen aufstrebenden, ehrgeizigen jungen Mann, namens Omar Guendouz, der um jeden Preis Journalist werden wollte. Bei den damaligen Pariser Hauptstadtmedien vor den ganzen Diversitätskampagnen für einen Nobody aus der Banlieue kein einfaches Unterfangen. Er bot sich daher zahlreichen Medien als Fixer an und suchte den Kontakt zu sozialistischen Politikern.

So führte Guendouz Yan Morvan mehrmals in die Banlieues und gab vor, ihn mit Waffenhändlern in Verbindung zu bringen. Yan Morvan begriff schnell, dass alles relativ aufgebauscht war. Zwar gab es Waffen, aber es war kein Massenphänomen, wie ihm Omar weismachen wollte.

Begleitet war Omar Guendouz oft von einem Faktotum names „Jo“ einem athletischen Schwarzen, von dem Morvan nicht genau wusste, was er machte und wovon er lebte.

Von Natur aus neugierig folgte er „Jo“ in seine Behausung in der Rue Saint-Sauveur in der Innenstadt von Paris und in ein besetztes Haus in der Rue Didot (gar nicht weit von meiner Wohnung in Paris entfernt), fotografierte seinen Alltag. Dabei fiel ihm seine Manie auf, immer sein Gesicht zu verdecken, wenn er ihn fotografieren wollte.

Irgendwann wurden die beiden Kumpane immer drängender bis sie Morvan rundheraus erpressten. Sie holten ihn jeden Morgen ab, schlugen ihn zusammen und fuhren zu einem Geldautomaten, wo Morvan gezwungen wurde, Geld abzuheben und an sie herauszugeben. Sie drohten Morvan damit, seine Frau und Kinder mit Säure zu übergießen, wenn er nicht kooperiere. Dass sie dazu durchaus fähig waren, davon hatte er sich während seiner Reportage überzeugen können.

Nach drei Wochen, bei denen seine ganzen Ersparnisse draufgegangen waren und sein Körper von blauen Flecken übersät war, zog er die Reißleine, verschwand mit seiner Familie nach Südfrankreich und zeigte beide bei der Polizei an.

Während der Ermittlungen erlebte er eine Überraschung. Nach der Verhaftung vom „Jo“, dem Handlanger, am 26. März 1998 stellte sich heraus, dass es sich bei diesem um den seit Jahren gesuchten Serienmörder und -vergewaltiger Guy Georges handelte, der berüchtigte Killer des Pariser Ostens, der mindestens sieben Frauen ermordet und noch eine weitaus größere Anzahl vergewaltigt hatte. (Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich einen Artikel über diesen äußerst spannenden Fall, der zum Anlass genommen wurde, eine DNA-Datenbank für Verbrechen in Frankreich einzurichten).

Morvan wollte sich lieber nicht vorstellen, wie die Sache geendet wäre, hätte ihn die Polizei nicht festgenommen.

Omar Guendouz wurde wenige Zeit darauf in einen obskuren Mordfall verwickelt, bei dem er gemeinsam mit einem Komplizen einen Autofahrer wegen einer Bagatelle zu Tode geprügelt hatte.

Guy Georges sitzt nach wie vor seine lebenslängliche Freiheitsstrafe im Gefängnis von Ensisheim ab, wo er, wie alle Serienkiller, ausgedehnte Korrespondenzen mit zahlreichen weiblichen Bewunderinnen führt.

Zuletzt hatte sich Yan Morvan einem Projekt gewidmet, alle Schauplätze großer Schlachten – von den Thermopylen über Waterloo bis Stalingrad – fotografisch zu dokumentieren.

Regelmäßig fotografierte er auch den Ukrainekrieg, und zwar, weil er immer alles etwas anders machen wollte, auf Seiten der russischen Separatisten im Donbass.

Er war vor kurzem Gast bei Guillaume Pley in dem Interview-Format „Legend“, wo er erklärte, dass aus seiner Sicht, Russland den Krieg gegen die Ukraine gewinnen werde. Hochinteressantes und spannendes Interview.

Ein weiterer Haudegen ist also abgetreten. Da ich bekanntlich eine sehr große Bewunderung für Kriegsreporter und Abenteurer hege, frage ich mich, wer wohl die Nachfolge antritt. Ich sehe keinen, der dieses Format hätte. Vielleicht ist auch die große Zeit der Robert Capas, Lee Millers und James Nachtweys vorbei.

Patrick Chauvel, der ungefähr das gleiche Alter wie Yan Morvan hat, sprach von einer zunehmenden Uberisierung des Berufs.

Wichtige Zeitzeugen, die es vollbringen, komplexe Konfliktsituationen, von denen es von Jahr zu Jahr mehr zu geben und die sich Europa immer mehr zu nähern scheinen, zu kontextualisieren und sich überhaupt in sie hineinzuwagen, scheint es nicht mehr zu geben.

Ein Original hat die Welt verlassen. Yan Morvan war ein Besessener, gleichzeitig gebildet und, wenn man seiner Facebook-Seite zum Zeugen nehmen kann, ein Lebemann und guter Freund. In heutigen Zeiten seltene Eigenschaften.

Auch wenn ich Atheist bin, schließe ich mit dem jüdischen Segensformel: Möge seine Erinnerung ein Segen sein!

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Die Lager in unseren Köpfen

„Who is listening to this in 2024?”. Diesen Kommentar – garniert mit vielen fröhlichen Likes aus aller Welt – kann man häufig unter Musikvideos auf Youtube lesen, egal, ob es sich um Bluesmusiker aus Mississippi von 1920 handelt oder den letzten Hit von Taylor Swift.

Wer beschäftigt sich heute noch mit dem Faschismus und seinen Ursachen und weshalb er die Gehirne der Deutschen befallen und sie in eiskalte oder blutrünstige Bestien verwandelt hat, für die ein Menschenleben nicht mehr den geringsten Wert hatte?

Die Beschäftigung mit dem Faschismus in Deutschland nach dem Ende des „Dritten Reiches“ ist (bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar) immer heikel gewesen. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die den Mut aufgebracht haben, sich wirklich den Tatsachen zu stellen, ihrer Familiengeschichte oder vielleicht auch ihren eigenen Verbrechen nachzuspüren, den Knacks den das Selbstbild erhält auszuhalten, ehrliche Reue zu empfinden und Verantwortung zu übernehmen.

Allzu oft glich die Befassung einer pflichtbewussten Fleißarbeit, um ja dem Anpassungsdruck zu entsprechen oder aber einem wohlfeilen Tribunal gegen die Eltern. Zum großen Glück für die Deutschen machte Europa nach 1945 einen wirtschaftlichen Aufschwung durch, die europäischen Nachbarn waren nicht so rachsüchtig, wie sie es angesichts der Verbrechen hätten sein können, und nicht zuletzt hielten die Amerikaner ihre schützende Hand über sie. Und dann kam 1968. Die Deutschen (die Westdeutschen zumindest) waren davongekommen und konnten sich sogar ein wenig Leichtigkeit erlauben und die Verbrechen verdrängen.

Die 90er Jahre waren die Ära der Ironie und Harald Schmidt war ihr Prophet. Allerdings muss man in Deutschland den Begriff „Ironie“ äußerst großzügig auslegen.

Ein Vierteljahrhundert später ist ein neuer verbissener Rigorismus und ein Hypermoralismus eingezogen, die für Humor und Ironie keinen Platz lässt.

Führt das zu einer ehrlicheren Beschäftigung mit Faschismus und Holocaust? Wer beschäftigt sich heute in Deutschland abgesehen von Fachzirkeln mit dem Thema? Der biodeutsche Diskurs gleitet auf dem Abhang der Verdummung mit zunehmender Geschwindigkeit dahin.

Wer dominiert die Schlagzeilen? Cora Schumacher, Oliver Pocher, die kleine miese Type und aktuell ist sogar der von den Toten der Fernsehlandschaft auferstandene Zombie Stefan Raab wieder da, auch wenn er nun zum dritten Mal von einer 51 kg schweren 1,60 m Frau den Arsch versohlt bekommen hat.

Vielleicht lässt er es zum Segen aller endlich sein, zieht sich zurück, zählt sein Geld, spielt auf seiner dummen Ukulele oder macht sonst was, Hauptsache ich muss diesen grinsenden Pavianarsch (danke für diesen Ausdruck an die Synchro von „Scarface“ mit Al Pacino) nicht mehr sehen.

Also? Wer im Jahr 2024?

Die einzigen, die sich damit beschäftigen sind die Palästinenser-Unterstützer, die das Thema für eigene Zwecke instrumentalisieren („Weil ihr Deutschen den Holocaust verübt habt, sind die Juden bei uns in ‚Palästina‘“). Der Palästina-Kult, die Nazi-Ideologie des 21. Jahrhunderts der islamischen Welt.

Ich persönlich beschäftige mich schon immer mal wieder damit. Nicht nur aus historischem Interesse oder morbider Neugier.

Es gibt noch einen anderen Grund und man möge mir nicht vorschnell Schamlosigkeit oder Respektlosigkeit vorwerfen. Ich lese Tatsachenberichte von Überlebenden deshalb gern, weil sie die Dinge in die richtige Perspektive bringen. Alles, wirklich alles, die kleinen Sorgen und Ärgernisse des Alltags, die Nickeligkeiten, alter Groll und Zwistigkeiten verblassen und werden nichtig im Vergleich zu dem, was andere Menschen erduldet und durchgemacht haben.

Es gibt drei Bücher, die mir spontan einfallen, wenn ich mutlos oder ärgerlich bin, die mir in den Sinn kommen und mich wie eine innere Peitsche disziplinieren, mich ja nicht zu beklagen und nur ja nicht zu jammern.

Nacht von Edgar Hilsenrath

Den Schriftsteller Edgar Hilsenrath habe ich über einen Umweg kennengelernt.

Vor schon über zwanzig Jahren war ich gemeinsam mit meinem armenischen Vereinskollegen Vlad H. unterwegs zum Gasshuku in irgendeiner gottverlassenen Kleinstadt (Troisdorf?). Ein Gasshuku ist eine einwöchige Zusammenkunft japanischer und europäischer Karate-Senseis, die die normalsterblichen Karatekas an ihrem Wissen teilhaben lassen, so dass man ein paar neue Sachen lernt, besser auf dem Wege des Karate wird oder vielleicht einfach die nächste Gürtelprüfung besteht. (Gerade sehe ich, dass der südafrikanische Sensei Ken Wittstock, bei dem ich aufgrund seines freundlichen Wesens – im Gegensatz zu den sehr strengen Japanern – und seiner unkonventionellen Trainingsmethoden gern trainiert habe, vor kurzem verstorben ist; die Zeit rast unaufhaltsam auf das schwarze Nichts zu).

Vlad und ich schliefen in einem Zelt auf dem Sportplatz vor der Halle. Wir waren mittellose Studenten. Abends las er ein Buch „Das Märchen von letzten Gedanken“, das vom Genozid an den Armeniern handelt. Es ist eins der beiden großen Epen in deutscher Sprache, die sich mit dem türkischen Völkermord an den Armeniern befassen.

Das andere ist das, wie ich finde, sehr viel eindringlichere und sprachmächtigere Werk „Die 40 Tage des Musa Dagh“ von Franz Werfel. Fürwahr eins der Bücher, die ich ohne zu zögern in die Top-10-Liste der besten deutschen Bücher aufnehmen würde. Ein großes Stück deutsche Literatur (Leseempfehlung!). Franz Werfel gehört zu den Schriftstellern, bei denen jeder angehende Schriftsteller was sprachliche Präzision, Konstruktion der Geschichte, Zeichnung der Figuren und ihrer Charaktere Minderwertigkeitskomplexe bekommt. In seiner Liga spielt meiner Meinung nach nur noch Joseph Roth.

Vlad erzählte mir Hilsenraths Roman und auch, dass er und Werfel in Armenien als eine Art Nationalhelden verehrt werden, weil sie die Katastrophe des Genozids durch ihre Werke dem Vergessen entrissen haben.

Vom Genozid abgesehen wusste ich von all dem damals rein gar nichts. Und gerade das gefällt mir, nämlich dass jemand das typisch deutsche Gesprächsthemen-Trifecta („Fußball, Autos, Geld“) beiseitelässt und mir etwas Interessantes erzählt, was ich noch nicht weiß.

Ich las dann auch „Das Märchen vom letzten Gedanken“. Ein erschütterndes Buch, das mich aber nicht so wirklich mitgerissen hat. Was auch schwer ist, wenn man vorher die „40 Tage“ gelesen hat.

Aber bei der Beschäftigung mit dem Autor dämmerte mir, dass ich den Namen schon mal gehört hatte, sogar viele Male gesehen hatte. Im vollgepackten Bücherregal meines Vaters im Flur der Wohnung meiner Eltern, standen zwei Bücher: „Der Nazi und der Friseur“ und „Nacht“ von Edgar Hilsenrath, herausgegeben im kurzlebigen Braun Verlag. Jahrelang, jahrzehntelang war ich achtlos an dem Buchrücken vorbeigelaufen.

Es ist schwer zu beschreiben, welchen Wirkung die Lektüre dieses Buch auf mich ausübte. Eine Mischung aus Sog und nuklearer Explosion.

Es gibt in dem Buch keine historisch-philosophischen Verschnörkelungen, nur die reine Gewalt des Überlebenskampfes.

Hilsenrath schildert anhand des Protagonisten Ranek seine eigenen Erlebnisse im Ghetto von Mogiliev-Podolsk im Gouvernement Transnistrien, das mit der heutigen abtrünnigen Republik Transnistrien nicht deckungsgleich und zu unterscheiden ist.

Hilsenrath war in Leipzig aufgewachsen und hatte sich bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu seinen Großeltern in der Bukowina geflüchtet. Die mit den Deutschen verbündeten Rumänen deportierten alle Juden in Ghettos so auch Hilsenrath, seinen Bruder und seine Mutter.

Das Ghetto gleicht in gewisser Weise diesen südamerikanischen Gefängnissen, die wie kleine, von Mauern umgebene Städte sind, in die sich die Gefängniswärter niemals hineinbegeben, sondern nur von außen auf den Wachtürmen bewachen. Innerhalb des Gefängnisses jedoch herrscht das Faustrecht des Stärkeren. In dem Ghetto gibt es weder Nahrung noch ausreichend Wohnraum. Gleichzeitig werden immer mehr Menschen hineingetrieben. Wer zu fliehen versucht, wird erschossen.

Etwas zu essen bringen nur die Menschen mit, die frisch in das Ghetto getrieben werden und dessen sie sofort entledigt werden. Nur die in solchen Soziotopen immer anzutreffenden Hehler und Geschäftemacher leben gut.

Hilsenrath schildert, wie zivilisierte, gebildete Menschen sich innerhalb kürzester Zeit in wilde Tiere verwandeln und alles tun, um ein Stück Brot oder eine Schale Suppe zu bekommen.

Es ist ein Buch, dass eine unbeschreibliche Faszination ausgeübt hat. Ich habe damals als junger Anwalt sogar meine Pflichten verletzt, weil ich bis spät in der Nacht las und am nächsten Morgen bis elf Uhr vormittags vollkommen gefesselt das Buch weiterlesen musste und erst gegen Mittag im Büro erschien.

Zum Glück hatte ich das Buch schnell fertiggelesen.

Ein ultra-brutaler autobiographischer Tatsachenroman, der mir den Atem geraubt hat.

Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész

Wie ich schon an anderer Stelle schrieb, lasse ich mich gern von Kafkas Aphorismus leiten, wonach man nur Bücher lesen solle, die „beißen und stechen“.

Solch ein Buch ist der – ebenfalls autobiographische – „Roman eines Schicksallosen“ von Imre Kertész.

Kertész war, wie die seine gesamte Familie, in die Vernichtungslager deportiert worden. Sein Vater war schon einer Weile zuvor einer polizeilichen Aufforderung in sein Verderben gefolgt und war in einen Transport gestiegen.

Kertész, Jahrgang 1929, war im Jahre 1944 gerade 14 Jahre alt, als er geschnappt und nach Auschwitz transportiert wurde, wo der Hauptanteil der ungarischen Juden ermordet wurde.

(das Bild ist für mich die Essenz des Faschismus: wie viele Kinder in dem Alter oder auch jünger gab es dort, ohne ihre Eltern, verängstigt und allein, die an diesem Höllenort elendig verreckt sind?)

In einer eindringlichen Szene beschreibt er, wie sich nach mehrtägiger Fahrt die Türen des Viehwaggons öffnen und Häftlinge die Passagiere hinaus auf die berüchtigte Rampe zerren. Als sie den schmächtigen Jungen erblicken, packen sie ihn an der Schulter und versuchen ihm auf Jiddisch, einer Sprache, die Kertész nicht versteht, begreiflich zu machen, er solle, nach seinem Alter gefragt, auf jeden Fall antworten, er sei schon sechzehn („Seschzejn!“, Seschzejn!“).

Kertész schildert, wie er, der blonde und blauäugige Junge, vor Ekel vor den kahlrasierten Häftlingen zurückprallt, bei denen Ohren und Nase nur umso deutlicher hervortreten. Für den Jungen aus einer atheistischen Familie, die Religion verachtet hat, sehen sie aus wie die fleischgewordenen antisemitischen Karikaturen von Juden, mit denen er, nach eigenem Empfinden, nicht das Geringste zu tun hat.

Daran schließt sich die nächste extravagante Szene an, die man nur als einen stilistischen Kunstgriff des Romanciers auffassen kann, um dem Grauen eine literarische Form zu geben:

Nachdem er den Ratschlag der Häftlinge befolgt hat und auf die „richtige“ Seite selektiert wurde, die nicht in die Gaskammer führt, setzt er sich gelassen mit den anderen in seiner Gruppe auf einen Grasflecken und versucht, die Entscheidung des selektierenden SS-Manns bei den nachfolgenden Personen aus dem Transport vorauszusehen. Er freut sich, wenn der SS-Mann wie in einem heimlichen Einverständnis mit seiner Entscheidung übereinstimmt und einen kräftigen Mann in seine Gruppe lotst, bedauert wenn eine alte Frau leider zwangsläufig auf in die Todesgruppe kommt. Manchmal ärgert er sich, wenn der SS-Mann eine falsche Entscheidung trifft und einen schwachen, keuchenden Mann, der sich kaum noch auf den Beinen halten kann, dennoch in die „starke“ Gruppe winkt.

Kertész ist überrascht, wie rüde er, der doch in der „guten Gruppe“ ist, behandelt wird, als er mit Schlägen und Knüppelhieben unter die Dusche getrieben, kahlgeschoren und in eine gestreifte Häftlingskluft gesteckt wird. Erst am Abend, als er am Nachthimmel die „bengalischen Feuer“ über den Schornsteinen der Krematorien von Auschwitz-Birkenau betrachtet, begreift er, wo er gelandet ist.

Kertész bleibt nicht lange in Auschwitz, sondern wird weiter nach Buchenwald transportiert und von dort, wie die meisten Häftlinge, weiter zu einem Außenkommando verschubt. Er landet im Außenlager Wille, einem Hydrierwerk der BRABAG, in dem Braunkohle zu Benzin verarbeitet wird.

Dort beschreibt Kertész die spezifische Form des Raubtierkapitalismus in seiner faschistischen Ausprägung. Der minimale Einsatz von Personal und Mitteln zur Betreibung des Konzentrationslagers. Überwachung und Lenkung der Häftlinge geschehen nur in den wenigsten Fällen durch die SS direkt, sondern durch Kapos, die für Ordnung und Disziplin sorgen, und durch sogenannte Funktionshäftlinge.

Kapos waren niemals politische Häftlinge, sondern in der Regel deutsche Kriminelle (manchmal auch von anderer Nationalität). Sie trugen das grüne Dreieck.

Sie setzten die Disziplin auftragsgemäß brutal und oft auch sadistisch durch. Viele von ihnen war genauso verhasst die SS-Belegschaft und einige von ihnen wurden nach der Befreiung der Konzentrationslager von den Überlebenden gelyncht.

Trotz allem muss man mit einem Urteil vorsichtig sein, denn in einem Universum, in dem einem in jeder Sekunde der Tod bedroht, wird der Mensch alles tun, um zu überleben. Und wenn er einen weiteren Blechnapf Suppe und ein zusätzliches Stück Brot bekommt, dann wird er seinen Leidensgenossen ohne zu zögern Fußtritte und Schläge mit einem Gummiknüppel aus einem Kautschukrohr verpassen.

Kertész beschreibt einen solchen Funktionshäftling, den bei allen Häftlingen verhassten Hans Wolf, seines Zeichens Lagerältester im Außenlager Wille.

Nach den biographischen Daten, die über ihn verfügbar sind, ein Raubmörder und homosexueller Zigeuner, ein sogenannter „Asozialer“, der das schwarze Dreieck trug.

Im Lager trug er eine schwarze Uniform und eine Reitpeitsche, mit der er Mithäftlinge traktierte.

Während der Arbeit im Außenlager Wille wird Kertész schwer krank. Von der SS wird er zum Sterben nach Buchenwald zurückgebracht. Dort wird er von französischen, kommunistischen Häftlingen, unter denen es Ärzte gab, gerettet.

Nach der Befreiung nach Budapest zurückgekehrt wird er wiederum von anderen Kommunisten in Ungarn drangsaliert und mit mehrjährigem Schreibverbot belegt.

Das sind die Widersprüche des Lebens.

Ein wirklich erstaunliches Buch, das in seiner Form von der alleinigen Schilderung der Gräuel abweicht.

Das Menschengeschlecht von Robert Antelme

Als Robert Antelme 1944 von der Gestapo in Paris verhaftet wurde, geschah es nicht, weil er Jude war, sondern weil er sich als gläubiger Christ der Résistance angeschlossen hatte.

Die Entscheidung hierzu lag nicht von Anfang an auf der Hand. Zuvor hatte der junge Jurist (Jahrgang 1917) für den Pariser Polizeipräfekten gearbeitet, einen eingefleischten Kollaborateur der Nazi-Besatzer. Für diese, wenn auch kurze Tätigkeit hat sich Antelme für den Rest seines Lebens geschämt.

Gemeinsam mit seiner Schwester Marie-Louise, seiner Frau, der Schriftstellerin Marguerite Duras und ihrem gemeinsamen Studienfreund, dem späteren französischen Staatspräsidenten François Mitterand, hatten sie beschlossen, den Widerstand zu unterstützen.

Die Gruppe wurde verraten, Robert Antelme wurde am 1. Juni 1944, wenige Tage vor der Landung der Alliierten in der Normandie, in der konspirativen Wohnung in der Rue Dupin verhaftet und in das Gefängnis von Fresnes gebracht, wo er mehrere Monate verbrachte, bevor er im Oktober 1944 nach Buchenwald deportiert wurde.

Bevor ich fortfahre, möchte ich noch einige Worte zu seiner Frau Marguerite Duras verlieren. Ich sehe im Augenblick keinen Artikel, in dem ich etwas über sie schreiben könnte, deswegen nehme ich die sich bietende Gelegenheit wahr, vor allem, weil sie eine wirklich faszinierende Persönlichkeit mit einer interessanten Familiengeschichte ist.

Marguerite Donnadieu, so ihr wirklicher Name (den Künstlernamen Duras hat sie sich später nach dem Landsitz der Familie ihres Vaters im Südwesten Frankreichs gegeben), wird 1914 in dem kleinen Städtchen Gia Dinh in der nördlichen Peripherie von Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt) im damaligen französischen Indochina geboren. Ihre Eltern waren Lehrer. Der Vater starb am Tropenfieber als Marguerite sieben Jahre als war.

Schon bei ihrer Geburt wurde gemunkelt, dass sie und der jüngere Bruder aufgrund ihrer leicht eurasischen Gesichtszüge Mischlingskinder seien. Die Mutter wurde verdächtigt, mit einem „Annamiten“ gesündigt zu haben. Heute glauben die Biographen eher, dass der Vater ein Verhältnis mit dem schönen vietnamesischen Hausmädchen hatte und die beiden letztgeborenen Kinder aus dieser Beziehung stammten.

Ich persönlich muss gestehen, dass es mir überhaupt nicht aufgefallen wäre, wenn das nicht verschiedentlich thematisiert worden wäre.

Wie ihr späterer Ehemann Robert Antelme hatte sie keine geradlinigen Überzeugungen, die sie von vornherein zur Résistance prädestiniert hätte. Nach dem Abschluss an der juristischen Fakultät, arbeitete sie zuerst im Kolonialministerium und später, schon unter der deutschen Besatzung, im Amt für die Rationierung von Papier, einer Schlüsselstelle, bei der unter dem Vorwand des Papiermangels Zensur geübt werden konnte. Erst nach und nach – vielleicht auch unter dem Einfluss des Kreises um François Mitterand, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband -, unterstützte sie den französischen Widerstand.

Im reifen Alter von 70 Jahren hatte sie einen Skandalerfolg mit ihrem autobiographischen Roman „Der Liebhaber“, für den sie im Jahr 1984 den höchsten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt, erhielt.

Duras erzählt die Geschichte ihrer wilden und verwahrlosten Jugend als frühreife Göre, die mit ihrer halbverrückten Mutter und ihren beiden Brüdern in großer Armut lebte, nachdem sich die Mutter beim Kauf von Reisfeldern im heutigen Kambodscha von einem schlitzohrigen einheimischen Reisbauern übers Ohr hauen ließ.

Ihr älterer Bruder Pierre war ein drogensüchtiger Krimineller, Sadist und Zuhälter, der Duras und seinen jüngeren Bruder verprügelte.

Dort beginnt sie als Vierzehnjährige eine Beziehung zu einem sehr viel älteren Chinesen aus wohlhabender Familie.

Ihre Familie lehnt ihn ab, sein Geld jedoch nehmen sie gern an, weil die Mutter es dringend braucht und auch damit der Bruder seine Opiumschulden zurückzahlen kann.

Der schöne Bild von Marguerite Duras auf dem Roman ähnelt dem hypnotischen Blick von Christiane F. auf dem Buchcover von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

Ein starkes Buch über eine Liebe, die aufgrund des Alters-, Klassen- und Rassenunterschieds. von vornherein zum Scheitern verurteilt war, authentisch, voller Emotionen und brennend vor sinnlicher Gewalt.

Der Regisseur Jean-Jacques Annaud hat daraus einen sehr schönen und stimmungsvollen Film gemacht mit der britischen Schauspielerin Jane March als Marguerite Duras, die nicht die Görenhaftigkeit von Duras hat, sondern das Mädchen lasziv und voller Sinnlichkeit spielt. Der chinesische Liebhaber wird von Tony Leung gespielt Er ist in Hong Kong ein Filmstar wie Brad Pitt. Jane March konnte leider nie an diesen Erfolg anknüpfen. Sie drehte noch eine Softporno mit Bruce Willis, „Color of Night“. Was schade ist, denn in „Der Liebhaber“ hat sie gezeigt, dass sie alles geben kann und die Energie für eine richtig große Schauspielerin hatte.

Normalerweise mag ich absolut keine Liebesschnulzen, aber dieser Film trifft irgendeinen Nerv. Es ist ein wunderschöner und zugleich todtrauriger Film über eine unmögliche Liebe.

Das Erscheinungsdatum von „Der Liebhaber“ jährt sich heuer übrigens zum 40. Mal. Vielleicht eine gute Gelegenheit es zu lesen. Man kann es an einem Nachmittag durchlesen.

Nach dem Krieg haben sich Duras und Antelme dessen christlicher Glauben durch die Lagererfahrung empfindlich erschüttert wurde, dem Kommunismus zugewand.

Duras hat Robert Antelme übrigens kurz nach dem Krieg nach nur wenigen Jahren Ehe für einen anderen Mann verlassen.

(Marguerite Duras mit Robert Antelme (re.) und ihrem Liebhaber und späteren Ehemann Dionys Mascolo (li.)

Doch nun „Exkurs Ende!“ (wie es in den Skripten eines großen juristischen Repetitoriums heißt) und back to the point:

Antelme wurde nach Buchenwald deportiert und von dort (wie Kertész) zu einem Außenkommando, in dem sich hauptsächlich Franzosen, aber auch Polen, Russen und Italiener befinden. Antelme landete in Bad Gandersheim in Niedersachsen, wo die Häftlinge für die Werkzeugfabrik Carl Bruns, einem Zuliefererbetrieb für die Heinkel-Werke, Flugzeugrümpfe zusammenbauen müssen.

Arbeitskommando hört sich harmlos an. Die Realität ist, dass sie im beginnenden Herbst in einer kalten Kirche auf Stroh schlafen müssen (dem Kloster Brunshausen, das heute eine Gedenkstätte beherbergt). Dann werden die Häftlinge aufgeteilt: die Häftlinge mit nutzbaren Fertigkeiten (Dreher, Fräser, technische Zeichner usw.) werden in der Fabrik eingesetzt. Die anderen, „nutzlosen“ Häftlinge, zu denen Antelme gehört, werden dem „Zaunkommando“ zugeteilt und müssen in der Kälte des Winters die Holzbaracken auf der Fläche vor der Fabrik errichten, in die die Häftlinge umziehen sollen.

Läuse, Kälte, Verletzungen und vor allem der unmenschliche Hunger quälen die Häftlinge. Sie bekommen nur morgens ein Stück Brot und mittags einen Napf Suppe.

Wie bei Imre Kertész wird das faschistische Ziel deutlich: die maximale Ausbeutung der Arbeitskraft bei gleichzeitig verfolgtem „idealen“ Ziel, die Häftlinge auszuhungern.

Dazu noch die Kapos, die mit einem Kautschukschlauch auf die ausgehungerten Häftlinge einprügeln, wenn sie bei der Essensausgabe drängelten.

Dabei wird den Häftlingen im Verlauf ihrer Gefangenschaft immer klarer, dass die Fabrik nur ein Drückposten für die Belegschaft ist. Eine Produktion wurde nur simuliert. Der Stammsitz der Heinkel-Werke in Rostock war schon zerbombt. Die potemkinsche Fabrik in Gandersheim war für die Ingenieure und Meister ein Alibi, um nicht in den letzten Kriegsmonaten noch an die Front eingezogen zu werden.

Im Gegensatz zu den Häftlingen, die von allen Nachrichten abgeschnitten waren und nur vage Gerüchte hörten, waren sich die Deutschen über die Lage vollkommen im Klaren.

Schließlich kommt unweigerlich im März 1945 der Zusammenbruch. Die Hoffnung, nun endlich freigelassen zu werden, wird schnell enttäuscht. Keiner der Häftlinge darf entkommen. Das ist der grauenhafteste und auch spannendste Teil des Berichts.

Die nicht gehfähigen Häftlinge im Krankenrevier werden im nahen Wald von den Kapos, denen man Waffen gegeben hat, erschossen.

Dies, lieber Leser, sind die kleinen verbrecherischen Ereignisse, die sich in jedem kleinen deutschen Städtchen oder Dorf ereignet haben, deren Einwohner später behaupteten, nichts von „Vernichtungslagern“ gewusst zu haben. Nichts Spektakuläres, keine Leichenberge, nur 20 oder 30 geschwächte, „nutzlose und überflüssige“ Menschen, die abgeknallt wurden.

Die übrigen, etwa 450 Häftlinge müssen den SS-Männern und Kapos in ihrer Flucht vor den sich nähernden Amerikanern anschließen. Dabei müssen sie einen schweren Karren mit dem Gepäck der SS-Männer ziehen. Wer nicht mehr weitergehen kann, wird erschossen.

Teilweise werden auch Häftlinge willkürlich erschossen. Antelme schildert diese entsetzliche Szene, als ein SS-Mann einen jungen Medizinstudenten aus Bologna aus der Kolonne ruft und für die Erschießung ausgewählt. Als der Unglückliche sich umdreht und feststellt, dass tatsächlich er gemeint ist, tritt er aus dem Glied und errötet vor Verlegenheit. Das ist das letzte Bild, das sich von ihm in Antelmes Gedächtnis eingebrannt hat.

Dasselbe Schicksal ereilt auch Antelme beinahe zweimal, als er bei einer Pause auf einem Abhang stolpert und seine kraftlosen Arme es nicht mehr schaffen, ihn hochzuziehen. Der SS-Mann hatte schon das Gewehr von der Schulter genommen, als ihn im letzten Augenblick Kameraden hochhelfen.

Dann müssen sie in einen Zug steigen, der sie und andere Kolonnen nach Dachau bringt. Anscheinend gab es den Befehl, angesichts der aus dem Westen vorrückenden US-Armee und aus dem Osten vorrückenden Roten Armee, alle noch vorhandenen KZ-Häftlinge in Dachau zu konzentrieren. Niemand durfte entkommen.

Nach einer fast zweiwöchigen Zugfahrt in einem Viehwaggon, bei der zahlreiche Häftlinge an Hunger und Entkräftung sterben kommen sie in Dachau an.

Antelme schildert einen Zug mit Häftlingen, in denen sich verwesenden Leichen befinden.

Als zwei Tage später Einheiten der 42. und 45. US-Infanteriedivisionen das KZ Dachau betreten und den Todeszug entdeckten, haben sie Teile der SS-Wachmannschaften kurzerhand an die Wand gestellt und direkt an Ort und Stelle erschossen (was bis heute von Rechtsextremen als Kriegsverbrechen denunziert wird).

Bis zur Lektüre des Buches hatte ich das nicht gewusst. Ich erinnerte mich an eine Filmszene, die ich zuerst fälschlicherweise bei „The Big Red One“ mit Lee Marvin verortete. Doch nachdem ich ein bißchen im Gedächnis gekramt hatte, kam ich darauf, dass die Szene in dem Psycho-Thriller „Shutter Island“ spielt (übrigens ein ziemlich guter Film mit Leonardo DiCaprio mit einer spannenden Geschichte, Bonus: Regie führte Martin Scorsese, deswegen habe ich mir den Film damals angesehen).

Ich habe die Erschießung der SS-Männer als einer Art „poetic justice“ zu Hollywood-Zwecken angesehen, bis ich bei der Lektüre des Wikipedia-Artikels zur Befreiung von Dachau gelesen habe, dass es tatsächlich so passiert ist.

War Antelme Teil des Todeszugs oder war es ein anderer Zug? Antelme beschreibt jedenfalls, dass der Zug bei der Ankunft in Dachau sehr viel länger war als bei der Abfahrt. Der Todeszug aus Buchenwald fuhr am 7. April in Buchenwald los und kam am 28. April in Dachau an. Antelme schreibt, dass er am 14. April 1945 in Bitterfeld den Zug bestiegen hat und am 27. April 1945 in Dachau angekommen ist. Also wahrscheinlich nicht.

Von der Erschießung der SS-Wachmanschaft schreibt Antelme nichts; er war halbverhungert und dem Tode näher als dem Leben. Als ihn François Mitterand fand, wog er bei 1,77 m Körpergröße gerade noch 38 kg.

Was sagen uns diese Bücher heute?

Als jemand, der qua seines französischen Biographieanteils die Deutschen ein wenig von außen betrachten kann, fallen mir im Verhalten und im Denken Relikte auf, die ich so in keiner anderen Nation gesehen habe:

Das dumpf-affektlose in den zwischenmenschlichen (vor allem zwischengeschlechtlichen) Beziehungen.

Die Intoleranz, die Humorlosigkeit, die pathologische Ironieunfähigkeit

Die Härte und Direktheit in Diskussionen, die weder durch Höflichkeit noch durch Diplomatie geglättet werden.

Ist es möglich, dass sich solche Zustände wiederholen? Ich will es nicht ausschließen.

Auch (scheinbar) stabile Gesellschaften können kippen.

Nennt mich paranoid aber, die ersten Ausläufer bekommen wir bereits zu spüren.

Und die Faschisten sind beim nächsten Mal vielleicht nicht diejenigen, von denen man es denkt.

Vielleicht tragen sie diesmal keine braune Uniform mit Hakenkreuz, vielleicht keine Springerstiefel und Bomberjacke, sondern vielleicht Bart und Palituch, aufgerichteten Zeigefinger mit einer prononcierten Aversion gegen Konzerte und Musikfestivals.

Oder vielleicht – da sich Geschichte immer als Farce wiederholt – lila Haare und Septum-Piercing.

Ich gehe stark davon aus, das es eine Allianz aus beiden geben wird.

Reminder:

Der Kreis der reinen, genuinen Faschisten wird – wie immer – relativ begrenzt sein. Aber es wird auf jeden Fall jede Menge Opportunisten und Sadisten geben, die nichts lieber tun werden, als sich ihnen anzudienen und sich an ihrer neugewonnenen Macht zu berauschen, die sie sonst nie bekommen hätten.

Doch nun genug des Sermons: bonne lecture!

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Filme, Vids und Dokumentationen

Es ist wieder an der Zeit für eine kleine Filmrevue. Ein langer und mehrere Kürzere.

1. Street Trash

Wer ein Fan des dreckigen, schmutzigen New York der Prä-Giuliani-Ära ist, so wie ich, der wird hier auf seine Kosten kommen. Der B-Movie ist die Abschlussarbeit des damals 21-jährigen Jim Muro. Eine sich nur sehr lose an eine Chronologie haltende Farce, deren Storyline sich an den zahlreichen Splatterlementen entlanghangelt. In dem heruntergekommenen Pleitemoloch leben Vagabunden, Obdachlose und andere Vergessene der Reagan-Ära auf einem Schrottplatz, wo ein traumatisierter Vietnamveteran ein Schreckensregiment führt. Ein zwielichtiger Spirituosenhändler lässt sich Flaschen mit einem Schnaps stehlen, die den Unglücklichen, der daraus trinkt, in blauen und rosa Eruptionen explodierten lässt. Es ist ein Trashfilm, der ausschließlich mit Laiendarstellern gedreht wurde. Für mich ein Schmankerl: die Bullen, der Gerichtsmediziner und die Gangster, die in einem breiten Brooklyn-Akzent reden.

Die Spezialeffekte sind teilweise etwas amateurhaft, aber auch oft wirklich gut. Man darf nicht vergessen, dass es eine Abschlussarbeit ist und Jim Muro für das Budget von 850.000 Dollar teilweise auch eine Erbschaft hineingesteckt hat.

Obwohl der Film zum Kultfilm avanciert ist, war es das einzige Werk von Jim Muro, der dem Vernehmen nach als Steadycamer wesentlich mehr Geld verdienen konnte. Zudem hat er später zum Glauben gefunden und distanziert sich als Wiedergeborener Christ heute von seinem eigenen Film. C’est la vie.

Auf Youtube habe ich nur die Originalversion mit portugiesischen Untertiteln.

2. Yukoku (Patriotismus)

Liebe, Sex und Harakiri (und Nationalismus). Ein ziemlich krasser Film nach der Vorlage einer Geschichte von Yukio Mishima, der hier auch die Hauptrolle übernimmt.

Der Kontext um den Film ist der Putschversuch ultra-nationalistischer japanischer Offiziere im Februar 1936, deren Anführer nach dem Scheitern des Staatstreichs Selbstmord in Form der Selbstentleibung begehen.

Der als Stummfilm gedrehte Film schildert die Ereignisse im Anschluss an den Fehlschlag. Der junge Leutnant Takeyama kehrt nach nach Hause zurück. Er eröffnet seiner Frau, dass er Selbstmord begehen wird und sie ihm dabei sekundieren soll. Anschließend soll sie ebenfalls Selbstmord begehen, worin sie einwilligt. So geschieht es, nachdem sie die Liebe genossen haben.

Interessant an dem Film ist, dass Yukio Mishima vier Jahre später selbst mit Getreuen seiner rechtsextremen Miliz Tatenokai das japanische Verteidigungsministerium stürmte, um dem Kaiser wieder zur Macht zur verhelfen. Nach dem Scheitern des Putsches starb Mishima 45-jährig durch Harakiri.

Im Grunde hatte er seinen eigenen Tod kurz vorher filmisch vorweggenommen.

Yukio Mishima, der wegen seiner nationalistischen Ansichten zumindest in Deutschland nur wenig bekannt ist, hat in seinem relativ kurzen Leben ein beindruckend breites schriftstellerisches Werk hinterlassen, das auch heute noch zahlreiche Bewunderer hat. Was nur relativ Wenige wissen ist, dass Mishima ein passionierter Bodybuilder war. Während sich der Otto-Normal-Pumper mit Arnold Schwarzeneggers Kalendersprüchen motiviert, ziehen die gebildeten Freunde der Körperkultur ihre Inspiration aus Mishimas Essay „Sonne und Stahl“.

Auch wenn ich mit Mishimas nationalistischer Einstellung relativ wenig anfangen kann, respektiere ich, dass er in den kurzen 45 Jahren, die er auf dem Antlitz der Erde weilte, nicht zu den „Lauen“ gehörte, die Gott bekanntlich ausspeit, sondern ein mutiges, intensives und vor allem sehr produktives Leben geführt hat.

Es gibt von dem Film auf Youtube unterschiedliche Versionen bezüglich der Musikuntermalung. Der Originalfilm hat eine dramatische Filmmusik (ich glaube „Tristan und Isolde“ von Wagner); ich finde, dass die Version mit einer Art sphärischen Ambient-Musik viel besser passt, so dass ich diese ausgewählt habe.

Ein starker, drastischer, poetischer und sehr intensiver Film.

3. Other Side

Ein Amateur-Youtuber interviewt Junkies auf den Straßen von Miami. Hört sich nach nicht viel an, aber ich finde, dass der Interviewer die richtigen Worte und Fragen findet und sehr viel Raum für die Antworten lässt, so dass man viel über die Personen erfährt. Ich würde bewusst nicht den Begriff „Sozialreportage“ wählen, weil sich das nach 70er-Jahren und SPD-Ortsverband anhört, aber ich finde schon, dass man im Lauf der Videos abgesehen von den individuellen Schicksalen viel über unsere gegenwärtige Gesellschaft erfährt.

4. The Report

Ein Kurzfilm, den ich vor ewigen Zeiten nachts beim Nachhausekommen auf MTV gesehen habe. Die Bilder sind von Philipp Virus und die Musik erstaunlicherweise von Alec Empire, Mitglied von Atari Teenage Riot. Ganz untypisch hat er als Sideprojekt bizarre Ambient-Musik produziert. Ich habe immer mal wieder an den Film gedacht und vor allem an die Musik, konnte mich aber nicht mehr an den Titel erinnern, bis ich ihn nach einer längeren Googelei wiedergefunden habe.

5. Och joh (Badesalz) – In der Humorschule

Zum Schluss noch was Witziges. Aus der Reihe: Humor, der heute nicht mehr im Fernsehen laufen würde und schon gar nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Es ist immer gut, sich immer mal wieder zu vergewissern, was noch so vor circa dreißig Jahren zur Primetime lief. Das Jüngeren wahrscheinlich unbekannte Comedy-Duo Badesalz aus Frankfurt hatte neben ihrer Musik und ihren Shows Anfang der 90er in der ARD eine kleine Sketch-Reihe am Laufen. Heute würde ein solches Konzept wegen Sexismus, Rassismus, kultureller Aneignung und was weiß ich noch alles, noch nicht mal die Schwelle des Vorzimmers überschreiten.

Ich weiß noch, wie ich mich als Jugendlicher gekringelt habe. Besonders über Gerd Knebel mit seinen Verkleidungen und seiner dreckigen Lache.

Bon visionnage!

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Kollateralschäden der Trans-Ideologie

Ein packendes Interview, das nicht in den öffentlich-rechtlichen Sendern, weder in Deutschland, noch in Frankreich (wo die ÖR-Sender aus Steuermitteln finanziert werden) laufen wird.

Der Youtube-Channel „Femelliste“ der beiden transkritischen Aktivistinnen Marguerite Stern und Dora Moutot, die ich hier bereits vorgestellt habe, bietet eine sehr interessante Auswahl an Gesprächen und Interviews zum Thema Transgenderismus und Transidentität.

Die Interviews, die in einer sehr ruhigen Atmosphäre und ohne Unterbrechung des Gesprächspartners stattfinden, laufen ab wie weiland bei Günter Gaus, bei denen man nur den Interviewgast sieht aber nicht die Fragestellerin (hier glaube ich an der Stimme Dora Moutot zu erkennen).

Der Interviewgast, der sich Lithès nennt, erzählt eine Geschichte, die eigentlich kaum zu fassen ist, nämlich wie er sich in eine sehr schöne Frau verliebt und erst nach einer eineinhalbjährigen Beziehung begriffen hat, dass es sich dabei um eine Transfrau, also einen umoperierten  Mann gehandelt hat.

Er war beim anderen Geschlecht nicht unerfahren und die zahlreichen erforderlichen Operationen waren so gut ausgeführt, dass ihm nichts aufgefallen ist. Nur durch verschiedene Ungereimheiten in ihrem Verhalten und kleinen wachsenden Zweifeln ist Lithès seiner Geliebten auf die Spur gekommen und hat darüber ein Buch geschrieben (Titel: „Lucie au troisième degré“).

Ein wirklich irre Geschichte, die er sehr eloquent und reflektiert erzählt und sehr ruhig (trotz seiner traurigen Augen) auf die gestellten Fragen antwortet.

Eine Ruhe, die nur oberflächlich gewesen sein kann, denn Lithès hat sich kurz nach Veröffentlichung des Videos das Leben genommen.

Das Video wurde dann kurzzeitig heruntergenommen und erst als Lithès‘ Familie ihr Einverständnis erteilt hatte, kann dieses unerhörte Dokument wieder der Öffentlichkeit dargeboten werden.

Ich stehe noch unter dem Eindruck des Gesehenen. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit Transpersonen und respektiere ihre Lebensweise, auch wenn ich mich nicht zwingen lassen werde, biologische Tatsachen, die durch Chromosomen festgelegt werden, zu leugnen.

Für mich ist das Verhalten von „Lucie“ allerdings eine emotionale, psychische und auch physische Vergewaltigung des ahnungslosen Mannes. Als ich mir bei Anschauen des Videos den Titel für diesen Artikel überlegt habe, wusste ich noch nicht, dass Lithès am Schluss genau diese Worte wählen würde.

Leider sind die Untertitel bisher nur auf Französisch verfügbar. Englisch wird vielleicht bald dazukommen.

Ein sehr krasses Interview und das interessanteste Gespräch, das ich seit langer Zeit gesehen habe.

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London

Mein erster Besuch in England seit dem Brexit brachte die gewöhnungsbedürftige Situation mit sich, tatsächlich mit einer Grenzkontrolle konfrontiert zu werden und mit Grenzbeamten, die ihre Aufgabe wirklich ernst nehmen.

Ob es an meinem verdächtigen Aussehen lag oder nicht, es gab das volle Programm: was ich hier will, wohin ich will, wie lange ich bleiben will usw.

Das sind die Gelegenheiten, bei denen der Austritt eines Landes aus der EU nicht nur abstrakt und intellektuell registriert wird, sondern einem materiell klar wird.

Nun ja, es gibt Schlimmeres.                                 

Ich erinnere mich an einen Aufenthalt vor ziemlich langer Zeit als ich in London war und mich kurz zuvor von meiner ersten großen Liebe getrennt hatte.

Der Zufall wollte es, dass gerade kurz zuvor Lady Di in einem Tunnel in Paris tragisch verunglückt war.

Eine sehr seltsame Stimmung lag über der spätsommerlichen Stadt, die vor Trauer wie von einem starken Narkotikum betäubt schien.

Doch vielleicht war das auch nur meine eigene getrübte Wahrnehmung.

Es schien als würde sich die Trauer der Londoner über die tote Prinzessin und meine eigene Trauer über die unmögliche Liebe zu einem brennenden Magma des Schmerzes vermischen, wobei quälende Gedanken an die Endgültigkeit und Unumkehrbarkeit und das Wissen, dass sie schon einen neuen Freund hatte, mich wie eine Traube von Teufeln mit glühenden Spießen zu umschwirren schien, die noch eine weitere Schicht an glühendem Schmerz hinzufügten.

Ich hatte keine Augen und keine Aufmerksamkeit für die Berge an Chrysanthemen und anderen Blumen, die sich – in meiner Erinnerung meterhoch – am Zaun von Buckingham Palace auftürmten.

Der Schmerz um meine verlorene Liebe war übermächtig, überlagerte, erdrückte alles andere.

Mehr als ein Vierteljahrhundert später flaniere ich mit meinen Kindern und meiner Frau durch die Stadt, an die ich so eine quälende Erinnerung habe.

Das einzige gute Andenken habe ich an meine damalige Unterkunft an einem wirklich seltsamen Ort. Es war ein Karate-Dojo/Box-Gym/Jugendclub für gefährdete Jugendliche in der Judd Street in der Nähe der King’s Cross Station. Tonbridge Club hieß er, wenn ich mich richtig erinnere. Die Übernachtung kostete 5 Pfund.

Man musste früh ankommen, um einen Platz zu bekommen wie in einem Obdachlosenasyl. Es ging in ein Untergeschoss, wo man auf einer großen Kampffläche seinen Schlafsack ausrollen konnte. Es war wie bei einem Festival oder beim Biwak in der Grundausbildung. Damals gab es kein AirBnB und auch keine fancy Hostels. Es gab Jugendherbergen oder solche obskuren Quartiere. In einer Ecke standen alte Sandsäcke, richtig oldschool aus braunem, gegerbtem Leder, die Milliarden von Jabs, Punches und Leberhaken eingesteckt hatten und schön nach altem Leder rochen.

Man traf dort Touristen mit schmalem Budget, Interrailer, Traveller aber auch Praktikanten. Ich schlief neben einem tschechischen Eishockeyspieler, der in London nach Arbeit suchte. Es waren eine Menge Franzosen dort. Kaum älter als ich, aber sie hatten schon ihr Studium beendet und waren in London für ein Praktikum. Sie waren sympathisch und spendabel. Abends saßen wir zusammen und tranken Dosenbier und eine Flasche Rotwein. Morgens in aller Frühe, wenn die 100 oder mehr Leute schnell einpacken mussten, damit die Karatekas und Boxer ihr Training beginnen konnten, rasierten sich die Franzosen in den Waschbecken der Umkleiden, zogen ihre Anzüge an, die sie feinsäuberlich in Kleiderhüllen an den Sprossenwänden oder am Geländer aufgehängt hatten, banden sich ihre Krawatten um und verschwanden zu ihrem Praktikum in einer Bank oder weiß Gott wo hin.

Erinnerungen.

Ich suche mit meinen Kindern Orte auf, die ein wenig Unterhaltung versprechen, wie zum Beispiel Speaker’s Corner im Hyde Park.

Ich habe ein Faible für Exzentriker und Spinner und habe darauf geachtet, meinen Kindern zu vermitteln, ihnen mit Mitgefühl und Menschlichkeit zu begegnen und sie nicht von vornherein abzulehnen. Normalerweise amüsieren sich meine Kinder über etwas komische und bekloppte Leute ebenso wie ich.

Ich erinnere mich, wie ich damals in der Ecke bei dem kleinen Pavillon saß und mir die Tränen über das Gesicht liefen, während die religiösen Fanatiker in ihrem Wahn krakeelten.

Denn wenn sich der Unbedarfte vorstellt, dass bei Speaker’s Corner der typische, leicht verschrobene Brite (vor meinem inneren Auge erscheint der Bauer aus Shaun das Schaf), sich auf seine kleine Klappleiter stellt und eine witzige, kluge mit britischem Humor gewürzte Rede hält, um dann mit den Umstehenden zu debattieren, dürfte enttäuscht werden.

Auf dem kleinen Areal geben sich Psychos, religiöse Fanatiker und sonstige Verhaltensauffällige ein Stelldichein und vor allem jede Menge Islamisten, die gegen Israel hetzen. Mir kommt es so vor, als währen es mehr als bei letzten Mal, aber das kann auch an dem Überfall von 7. Oktober und der Vergeltungsaktion der Israelis liegen.

Ich amüsiere mich jedenfalls, während ich die Eiferer beobachte, die wie taubstumme deklamieren, monologisieren, brüllen, gestikulieren und sich in geschriene Dialoge verstricken, bei dem niemand dem anderen zuhört und auf seine Argumente eingeht.

Aber ich merke, dass meine Kinder hier keinen Spaß haben, sondern eher von den Verrückten und Monomanen eingeschüchtert sind und ihnen die Heftigkeit der Begegnung mit dem Wahn Angst macht.

Wir verlassen den Park und spazieren weiter.

Ich habe jetzt eine Familie. Eine richtige Familie mit Kindern, sinniere ich, während ich später an der Themse sitze und in ganz kleinen Schlucken einen Cappuccino trinke. Das Wetter ist nicht zu heiß, bedeckt und es weht ein angenehm kräftiger Wind.

Während ich so die Szenerie beobachte, bemerke ich, dass die Gezeiten auch Einfluss auf die Themse haben und sich der Fluss bei Ebbe um mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Breite vom Ufer zurückzieht und einen breiten Kiesstrand freigibt. Habe ich vorher nicht gewusst. Was ist mir sonst noch entgangen als ich in London war?

Der Schmerz, von dem ich dachte, er würde mich umbringen, ist vergangen, auch wenn er nur schläft. Ich rühre lieber nicht daran.

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Der Flug der Drohne

Was Gore-Videos angeht, bin ich mittlerweile schon ziemlich abgestumpft. (Wobei ich mir bewusst bin, dass das wahrscheinlich keine positive Entwicklung ist).

Nur bei mexikanischen Kartell-Videos muss ich manchmal passen. Diese elaborierte Grausamkeit und absolute Dehumanisierung in einem Land, in dem kein (offizieller) Krieg herrscht, ist nochmal auf einem anderen Level.

Man spricht von der »tierischen« Grausamkeit des Menschen. Aber das ist sehr ungerecht und für die Tiere wirklich beleidigend: Ein Tier kann niemals so grausam sein wie der Mensch, so ausgeklügelt, so kunstvoll grausam.“  Das lässt Fjodor Dostojweski seinen Protagonisten Iwan Karamasow sagen.

Was in der Ukraine passiert, ist aber ein Krieg. In Europa. Und im Gegensatz zu früher sieht man in HD, was in so einem Krieg vor sich geht. Das soll nichts rechtfertigen und man kann mich ruhig dafür verurteilen. Aber: it is what it is!

Man sieht übrigens kaum noch Videos von russischer Seite. Vielleicht gibt es die auf Telegram-Kanälen, die ich nicht kenne.

Die Video-editing-Skill der Kids heutzutage sind schon was Spezielles.

Ich kann mir nicht helfen, aber die Titel sind schon, naja, ich muss es sagen: witzig: „Drone assisted swimming course“, „Failing Reactive Meat Armour“, „Zedophile Tree Hugger Vaccinated against Putinism“, „Russian Space Program“, „Active cardio workout of the occupier with a fatal outcome. New episode“ aber auch: „Aesthetic Drone Gore“ oder „Relaxing Orc Barbecue“.

Manchmal gibt es auch längere Kommentare wie „Here’s this russian Nazi garbage who thought he’d go into Ukraine to commit genocide for a paycheck. He got a right spanking, Zigger disassembly & proper Denazification.“

Klar, auf diesen Seiten treiben sich – neben „Normalos“ – die internationalen gestörten Incel-Brigaden herum, die ihren Nihilismus zu einem Lebensgefühl erheben und sich in zynischen Kommentaren überbieten und das ganze jeweils mit Musik untermalen, wie gesagt, Metal, Techno oder auch „The End“ von The Doors.

Ich habe teilweise sogar echt gute Musik entdeckt wie das neue Album von Thurston Moore (Ex-Sonic Youth).

Die Ukrainer sind schon längst ein westliches Land, auch wenn sie noch nicht in der EU sind, sie kennen unsere Musik, unsere Kultur und memen sogar besser als wir Europäer oder Amerikaner. Der „Shooting Stars“-Video-Meme mit der Musik von den Bag Raiders sieht schon auf jeden Fall krasser aus, wenn es keine fette Frau ist, die auf die Fresse fällt, sondern ein russischer Soldat, der aus einem explodierenden Panzer geschleudert wird.

Die Russen hingegen sehen in ihrer armseligen Ausstattung wie die zurückgebliebenen Sklaven aus, die sie in Wirklichkeit sind.

Der Hass ist gigantisch und wird auch noch mehrere Generationen fortdauern, denke ich.

Die Rückkehr Deutschlands in den Kreis der zivilisierten Nationen und die Versöhnung konnten nur Beginnen, weil die Akteure des Dritten Reiches gestürzt und vollständig entmachtet waren und das Land jahrzehntelang besetzt war. Wer soll ein so ungeheuer großes Land wie Russland besetzen und es De-Putinisieren, De-Nazifizieren?

Trotz aller Abstumpfung und Gewöhnung fühle ich mit. Auch und sogar mit den Russen, die da so elendig verrecken. Das ist so übel, dass man das seinem schlimmsten Feind nicht wünscht, die abgerissenen Gliedmaßen, die Verbrennungen.

Selbst ohne direkten Treffer bohren sich Metallsplitter in das weiche menschliche Gewebe, zerfetzen Organe, Lunge, Herz.

Das konvulsivische Atmen im Sterbeprozess, das aussieht wie Schluchzen, ist schauderhaft anzusehen.

Ich frage mich außerdem, wie man in künftigen Konflikten, die zwangsläufig kommen werden, den Drohnen beikommen will. Es scheint kein Mittel gegen sie zu geben. Und ich sehe auch voraus, dass Terroristen diese billigen, einfach zu bedienenden Waffen einsetzen werden.

Das ist überhaupt das Schlimmste: die Drohne, die lauernd, wie ein bösartiges Insekt über einem schwebt. Die Todesangst, die man in so einem Augenblick empfinden muss, ist unvorstellbar.

Auf Twitter habe ich ein Video aus der Perspektive von Soldaten entdeckt, die sich in einem kleinen Hain verstecken, während die Drohne mit jaulendem Sirren über ihnen schwebt. Ein Alptraum.

ACHTUNG: DARSTELLUNG VON GEWALT UND TOD

via @TheDeadDistrict

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Filmmusik

Wenn man noch sehr jung ist, dann wirken Eindrücke sehr viel stärker auf uns als später, wenn wir – mal früher, mal später – in der Welt der Erwachsenen angekommen sind.

Die Gefühlregungen fallen sehr viel heftiger aus. Es gibt keine Mäßigung. Man liebt oder man hasst.

Wenn wir verknallt sind, trägt uns die Liebe in stratosphärische Höhen; Schriftsteller, die mit ein paar klugen Sätzen das Gefühl erzeugen, endlich Worte für das eigenen Empfinden gefunden zu haben, werden zu geistigen Vorbildern; Bands deren Texte und Musik nur für uns geschrieben zu sein scheinen, werden zu Aposteln und Schutzengeln, die wir in allen Lebenslagen und Situationen zitieren.

Manchmal sind es auch Filme, die auf eine unerklärliche Weise in uns nachwirken. Und bisweilen kommt es auch vor, dass einen wie aus heiterem Himmel eine Melodie anfällt, bei der man sich verflixt nochmal fragt, woher sie kommt.

Und dann erinnert man sich: aus einem Film, den man vor langer Zeit gesehen hat und der über die seltsamen Wege der Synapsen und Hirnwindungen des Hippocampus wieder den Weg ins Hier und Jetzt gefunden hat.

Es geht in diesem Text nicht um olle Kamellen wie den abgelutschten Soundtrack von „Pulp Fiction“, der in den 90er Jahren auf Partys von Leuten ohne Musikgeschmack lief.

Es geht um Filmmusik aus den 70er und 80er, teilweise auch aus den 90er Jahren, bei denen die Komponisten mit viel Liebe und Exzentrizität versucht haben, die spezielle Stimmung eines Films zu untermalen und nicht dem Publikum zu gefallen oder mit ihrer Musik noch als Nebenprodukt Geld zu verdienen.

Ich habe früher unwahrscheinlich viele Filme gesehen. Die meisten von ihnen liefen tatsächlich im Abend- und Nachtprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. Ja, tatsächlich. Heute sehe ich überhaupt kein Fernsehen mehr (tut das heute überhaupt noch jemand? In meinem Bekanntenkreis jedenfalls niemand). Ich besitze seit fast 20 Jahren kein „Fernsehendgerät“ mehr, ist beim vor-vor-letzten Umzug auf dem Sperrmüll gelandet (ich weiß, Leute, die das von sich geben, rufen eine Genervtheit hervor, wie Veganer, die einem ihre Ernährungsweise bei erstbester Gelegenheit unter die Nase reiben, aber so ist das nunmal). Henryk Broder hat es mal treffend auf den Punkt gebracht: „Drei Viertel dessen, was Tagesschau und ZDF Heute senden ist Regierungspropaganda – der Rest Schrott“.

Ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal im Kino war. Wahrscheinlich irgendwas mit den Kids? Kung Fu Panda?

Die hier vorgestellten Stücke folgen keiner besonderen Reihenfolge, sondern nur der ungeordneten Folge meiner Notizen

  1. Der Mieter

Ein sehr mysteriöser Film von und mit Roman Polanski (der Verfemte) nach einer Geschichte von Roland Topor. Ein einsamer Mann zieht in eine düstere Wohnung, die Nachbarn sind feindselig. Als er im Zimmer herumstöbert, findet er einen Zahn in einer Aushöhlung der Wand.

Eine bizarre, kafkaeske Geschichte, die in keinem größeren Kontrast zur Persönlichkeit des Autors der Vorlage stehen.

Roland Topor, der 1997 viel zu früh an den Folgen eines Sturzes gestorben ist, stammte von polnischen Juden ab. Während der Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg war sein Vater im französischen KZ Pithiviers interniert. Topor selbst überlebte versteckt bei einer Familie in Savoyen.

Wie schon Marcel Gotlib hat er es nicht zugelassen, dass ihn diese Ereignisse definieren. Er hat sich eine überbordende Phantasie und eine gigantische Schaffenskraft bewahrt: er war Zeichner, Schriftsteller, Entwickler von Fernsehsendungen, u.a. Téléchat (in einer Epoche, in der das Fernsehen in Frankreich ein Reich der Anarchie mit unglaublichen Freiheiten war).

Bekannt war er vor allem für sein unnachahmliches Lachen. Er nahm gern Journalisten auf die Schippe. Dieses Exemplar macht das Spiel mit einer gespielten Ernsthaftigkeit mit:

https://www.facebook.com/watch/?v=2916661908610938

Manchmal denke ich an diese fremdartige Musik zurück die mit den Rändern von Wassergläsern erzeugt wurde. Ein schräger aber guter Film.

  • Angel Heart

Einer meiner Lieblingsfilme und meiner Meinung nach der beste mit Mickey Rourke. Dem coolsten Schauspieler seiner Generation, bevor er es sich durch seinen schwierigen Charakter bei den Studiobossen in Hollywood verscherzt hatte (angeblich hat er Angebote für „Platoon“ und „Top Gun“ ausgeschlagen, um sich auf irgendeinen drittklassigen Boxkampf vorzubereiten) und durch seine verhunzten Schönheitsoperationen jede Rückkehr ins Filmgeschäft verbaut hat.

Tragisch. Er war einer der Besten und hatte ein Riesenpotential.

Ein Neo-Noir-Krimi um den Detektiv Harry Angel, der auf der Suche nach einem verschollenen Soldaten, die ihn von New York nach New Orleans verschlägt: düstere Hinterhöfe, Voodoo, Sex.

  • Freitag der 13.

Der Klassiker der Slasher-Filme.

Ich muss oft an diesen Film und seine Musik denken. Vor allem an das charakteristische, von dem Komponisten Harry Manfredini höchstselbst bedrohlich geflüsterte „Ki-ki-ki, Ma-ma-ma“.

Das ist bei uns ein Running Gag: wenn ich am Mittagstisch leise „ki-ki-ki-ma-ma-ma“ flüstere, verdrehen meine Töchter die Augen und sagen: Oh, Papa, du nervst.

Nur mein Sohn findet es lustig und lacht mit.

  • Akira von Katsuhiro Otomo

Weniger die Musik hat einen Eindruck bei mir hinterlassen als die allererste Szene mit der explodierenden Atombombe, die die ganze Leinwand ausfüllt.

Ein Thema das bis heute in Japan im öffentlichen Diskurs vollständig tabuisiert ist und nur in künstlerischer Form angegangen werden kann.

Ich erinnere mich, wie ich den Film leicht bekifft im alten Filmforum Höchst gesehen habe und vollkommen überwältigt, um nicht zu sagen überfordert von den visuellen Eindrücken war.

  • Southern Comfort

Eine wirklich geile Filmeröffnung: die Sümpfe Louisianas mit der entspannten Musik von Ry Cooder.

Noch besser, wenn die Geschichte gut ist: Soldaten der Nationalgarde müssen eine Reservistenübung in den Sümpfen Louisianas absolvieren. Eine Patrouille verirrt sich in den Wäldern, verärgert die einheimischen Cajuns, die einen Soldaten nach dem anderen brutal ermorden. Ein harter, spannender Gewalt-Thriller, wie es die Spezialität des Regisseurs Walter Hill ist.

Solche Filme liefen früher, d.h. in den 1990er Jahren im Spätprogramm der ARD und ZDF, später dann in (für die Zwecke der Werbung) gekürzten Versionen auf SAT1 oder Pro7.

Was haben wir heute? Nutzlose Talkshows und lahmarschige Krimis. Das ganze durch die Ansprüche des Wokismus völlig ungenießbar. Ein kleines Detail nur, aber vielleicht nicht mal das unwesentlichste: dass auf Bedürfnisse von Männern keine Rücksicht genommen wird.

Innerhalb des Film auch eine sehr schöne Szene mit der Cajun-Musik, das Stück „Parlez-nous à boire“ gespielt von Dewey Balfa und seiner Band und vorgetragen in dem amerikanisch verschliffenen französischen Kauderwelsch der Cajuns.

Viele Betrachter fasziniert von der fremdartigen Cajun Musik, die mit den traditionellen Instrumenten Geige, Gitarre, Akkordeon, Triangel und Löffel vorgetragen wird. Die Bezeichnung Cajuns ist eine Verballhornung des Wortes Acadiens, Französische Siedler, die während des Great Upheaval aus Neuschottland im heutigen Kanada in die Sümpfe Louisianas vertrieben worden waren.

In dem Film werden die Cajuns für die Zwecke der Dramaturgie als zurückgebliebene, opossumfressende, – siehe hier Steve-O von Jackass bei den Cajuns –

 – inzuchtgezeichnete Hinterwäldler mit Flanellhemden und Wollmützen auf dem Kopf dargestellt, die ein unverständliches französisches Kauderwelsch sprechen und alle dieselbe Handvoll an Nachnamen trägt: Broussard, Thibodeaux, Landry, Leblanc, Fontenot, Boudreaux.

Die Balfa Brothers haben auch ein altes französisches Kinderlied in ihrem Repertoire, das meine Mutter mir und meinen Kindern oft vorgesungen hat: „J’ai vu le loup, le renard et la belette.“ Es ist irgendwie strange dieses Lied in einer Cajun-Version mit dieser verschliffenen Grammatik zu hören.

  • Les Valseuses (deutscher Titel: „Die Ausgebufften“)

Einer meiner Lieblingsfilme, an den ich sehr oft denken muss (die zugehörige Szene wurde von Youtube gelöscht, zeigt sie doch einen Dreier zweier erwachsener Männer mit einer Minderjährigen).

Einer der emblematischen französischen Kultfilme mit den beiden besten ihrer Generation: Gérard Depardieu und Patrick Dewaere als zwei Tunichtgute, die sich durch ein Post-68er Frankreich treiben lassen, stehlen, Unsinn anstellen, Frauen betatschen und dabei Gedichte rezitieren einer anderen im Zug an den Brüsten saugen. Damals ein Skandal-, heute ein Kultfilm.

Von meiner Seite eine absolute Sehempfehlung.

Für beide, Depardieu und Dewaere, ist es leider nicht gut ausgegangen: Gérard Depardieu stand damals ganz am Anfang seiner Karriere, jung und mit urwüchsiger Kraft und Spielwut. Der ehemalige Superstar ist heute ein grotesk verfetteter Ochse. Teils auch wegen der fehlenden Anerkennung hat er sich von Frankreich abgewandt, die russische Staatsbürgerschaft angenommen und spielt den Hofnarr für Putin und Kadyrow.

Patrick Dewaere hat sich ein einem heißen Sommertag im Juli 1982 mitten in einer häßlichen Scheidung steckend mit einem Gewehr das Gehirn rausgepustet.

Zwei traurige Fälle von verpfuschten glänzend begonnenen Karrieren.

  • The Hateful Eight

Quentin Tarantino war zu Beginn seiner Karriere als Regisseur dafür bekannt, nicht nur mit seinen Filmen, sondern auch der zugehörigen Musikauswahl Erfolg zu haben.

Nicht umsonst werden die Soundtracks von „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“ oder „Jackie Brown“ immer noch gern gespielt.

Diese Manie hatte sich irgendwann totgelaufen, so dass er es irgendwann hat bleiben lassen.

Nur das Sample von Quincy Jones in „Kill Bill“ wird heute gern im ironischen Kontext genutzt:

In „The Hateful Eight“ hat Tarantino den bewährten Fahrensmann der Italo-Westernmusik, Ennio Morricone, engagiert. Und die Eröffnungsszene mit der Musik ist meiner Meinung nach phänomenal und führt schon auf die düster-brutale Geschichte hin:

Nachdem ich von „Inglorious Basterds“ und „Django Unchained“ persönlich enttäuscht war (kann schwer erklären warum, die typischen Dialoge harmonierten irgendwie nicht mit der Geschichte, die mich nicht gefesselt hat), war „The Hateful Eight“ wieder ein geiler Tarantino-esker Film.

Man sieht wieder die bekannten Gesichter, die man in den Filmen von Tarantino seit „Pulp Fiction“ und „Reservoir Dogs“ kennt: Samuel L. Jackson, Tim Roth, Michael Madsen, Kurt Russel. Was mir an Tarantino gefällt ist, dass er gerne vergessene Schauspieler wieder ins Rampenlicht stellt, deren Karriere ins Stocken geraten ist, wie Pam Grier in „Jackie Brown“ und auch Samuel L. Jackson wäre heute eins der zahllosen Crack-Opfer, hätte ihm Tarantino 1994 keine Rolle in „Pulp Fiction“ gegeben.

Anyways: Eine sehr blutige, brutale und dabei wirklich lustige Geschichte.

Bei „Kill Bill Vol. 1“ gibt es aber noch diesen sehr artistischen Schwertkampf in dem schneebedeckten japanischen Garten zwischen „der Braut“ (Uma Thurman) und O-Ren Ishii (wirklich sehr hübsch: Lucy Liu), bei dem Tarantino wirklich an jedes Detail gedacht hat, wie den in regelmäßigen Abständen klappernden Shishi-odoshi-Brunnen. Seltsamerweise ist der Kampf mit „Don’t let me be misunderstood“ unterlegt, warum auch immer.

  • Marathon Man

Ein Film, der vor ewigen Zeiten oft im Nachtprogramm lief. Ein wirklich spannender Thriller mit den Stars der damaligen Zeit: Dustin Hoffmann, Roy Scheider, bekannt als Polizeichef Martin Brody aus „Der weiße Hai“ und Laurence Olivier als KZ-Arzt Dr. Szell.

Eine Geschichte, die ich gar nicht mal unbedingt für sehr fiktional halte: Dustin Hoffman ist der verträumte und verpeilte Geschichtsstudent Babe Levy, dessen Vater fälschlicherweise während der McCarthy-Ära des Kommunismus verdächtigt wurde und Selbstmord begangen hat. Sein Bruder Doc (Roy Scheider) arbeitet offiziell für ein Erdölunternehmen. Was Babe nicht weiß, ist das Doc für eine Abteilung der CIA arbeitet, die für die ganz schmutzigen Geschäfte zuständig ist. Er hat mit dem ehemaligen KZ-Arzt Dr. Szell, der inkognito im südamerikanischen Dschungel lebt, einen Deal: er lässt ihn in Ruhe sein Rentnerdasein genießen, wenn er ihm ein paar andere Nazis ans Messer liefert.

Das geht so lange gut, bis der Bruder des KZ-Arztes, der für ihn seine Geschäfte und das Finanzielle geregelt hatte, nämlich Geld schickt, das er aus dem Zahngold der KZ-Häftlinge in Diamanten umgewandelt hat, bei einem Unfall stirbt.

Szell muss sich nun selbst um die Diamanten kümmern und das wird blutig und mörderisch.

Diese seltsame, typisch 70er-Jahre-mäßige Musik kommt mir immer wieder in den Sinn.

Sehr stark auch die Szene in der Dr.Szell, Beiname „der weiße Engel“, der natürlich die fiktionalisierte Person von Josef Mengele ist, im Diamantendistrikt von New York von ehemaligen Häftlingen erkannt wird.

Ein typischer Film des „New Hollywood“, einer Ära, in der die Regisseure mit dem damals üblichen Storytelling brachen (einen Helden aufbauen, auf jeden Fall ein Happy End). Die Geschichten waren jetzt düster und beleuchteten die dunklen Seiten der amerikanischen Politik.

Es war eine Zeit der Paranoia, in der die die Amerikaner ihren Exekutivorganen so ziemlich alles zutrauten. (typische Filme dieser Zeit „Die drei Tage des Condor“, „Der Dialog“).

Das Eingeständnis der Niederlage im Vietnamkrieg, die Missetaten von Richard Nixon und schließlich das Aufdecken der zahlreichen Verwicklungen der CIA in Verbrechen und Staatsstreiche, waren für die für US-Amerikaner, die sich so viel auf ihre demokratischen Werte einbildeten, ein regelrechter Schock, der das Vertrauen in die Institutionen nachhaltig erschütterte.

Stück für Stück kamen die Beteiligung am Sturz von Mossadegh im Iran und von Allende in Chile zu Tage oder die Ausbildung der übelsten Schlächter und Folterknechte der südamerikanischen antikommunistischen Todesschwadronen an der School of the Americas. Wie beispielsweise Efraín Ríos Montt, Ex-Präsident von Guatemala, der Menschen bei lebendigem Leib häuten und zur Warnung an Bäumen aufhängen ließ (die Iran-Contra-Affaire war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt). Übrigens wurde Ríos Montt wegen Völkermordes an seinem eigenen Volk verurteilt.

Ich halte es für gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass Altnazis, die auf den Rattenlinien nach Südamerika geflohen waren, als eingefleischte Antibolschewisten dort weiter wirkten und die CIA Kontakt zu ihnen hatte.

Selbst die Prominentesten lebten dort ungestört wie Fische im Wasser: der erwähnte Josef Mengele in Brasilien.

Klaus Barbie alias „der Schlächter von Lyon“ alias Klaus Altmann lebte in Bolivien, wo er den Autokraten Hugo Banzer unterstützte. Oder Walter Rauff, Erfinder der mobilen Gaskammern. Er lebte unbehelligt in Chile. KZ-Arzt Aribert Heim lebte in Ägypten und Judenjäger Alois Brunner brachte den syrischen Geheimdienstlern die Tricks und Kniffe der Folter bei (bis ihn Stasi-Leute dabei ablösten).

Ich glaube, dass es mit dem Teufel zugehen müsste, wenn die CIA in ihrem antikommunistischen Kampf nicht ab und zu bei einem netten Glas Hochprozentigem gelegentlich nach dem Sachstand fragte.

Das Buch mit der Romanvorlage ist ebenfalls wirklich lesenswert. Ich habe es damals im Libanon im „Orange House“ in Mansourieh mitgehen lassen. Ich hatte es mir aus der Bibliothek der Hausherrin ausgeborgt, in einer der Nächte, in denen der Strom ausgefallen war und sich die Ventilatoren nicht mehr drehten und es so unerträglich heiß war, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Weil ich es bei der Abreise noch nicht fertiggelesen hatte, habe ich es eingesteckt (sorry, Mona!).

  • Warriors

Kein spektakulärer Film. Hier geht es eher um Stimmungen und Erinnerung an meine Jugend. Der Film steht wegen der Schlägereien heute noch auf dem Index der Bundesprüfstelle (ein Witz!). Korrektur laut Wikipedia: „Die Warriors erhielt bei der Kinoerstaufführung eine FSK-Freigabe „nicht unter 18 Jahren“. Im Jahr 1983 stellte die Bundesprüfstelle eine Jugendgefährdung fest und indizierte den Film. Im Juni 2001 wurde der Film vorzeitig vom Index gestrichen und erhielt bei einer Neuprüfung 2013 eine FSK-Freigabe „ab 12“. 🤡

Wenn ich die Anfangsszene sehe, in der die nächtliche U-Bahn am Riesenrad von Coney Island vorbeifährt, erscheint die Schulzeit vor meinem Auge.

Die vertrödelten Nachmittage bei Freunden, der Reiz des verbotenen Films und die zigfach kopierte Videokassette, das Basketballtraining.

  1. O Brother where art thou

Ein netter Film von den Coen-Brüdern mit dieser sehr schönen Szene von den drei Hobos, die aus dem Gefängnis ausgebrochen sind und nun am Lagerfeuer zusammensitzen, mit dem Lied „Hard Time Killin‘ Floor Blues“ von Chris Thomas King.

Ich mag diese Hobo-Romantik. Vielleicht bin ich aber auch zu sehr von Romanen von Jack London beeinflusst.

  1. Leben und Sterben in L.A.

Auch einer meiner Lieblingsfilme mit der Musik der britischen Synth-Band Wang Chung. Ein actiongeladener, aber auch ziemlich brutaler Film mit einer der geilsten Autoverfolgungsjagden der Filmgeschichte.

Bonus: ein sehr junger und damals noch gutaussehender Willem Dafoe und wahrscheinlich der erste Auftritt von William L. Peterson, noch eine ganze Weile vor seinem Durchbruch als Dr. Grissom in C.S.I. Vegas.

  1. Permanent Vacation

Stimmungen. Stimmungen.

Jugend. Schule. Nachtprogramm im „Dritten“. Jim Jarmusch.

  1. From Dusk till dawn

Ein wirklich saugeiler, lustiger Film. Meiner Meinung nach der beste Film mit George Clooney.

Er fängt als Gangster-Roadmovie and und endet als Vampir-Slasher-Film. Großartige Unterhaltung. Da darf natürlich die Szene mit Salma Hayek nicht fehlen.

Bonus: Harvey Keitel, Quentin Tarantino, Juliette Lewis und vor allem Cheech Marin als Ansager vor dem „Titty Twister“.

Cheech, der wie ein perfekter Doppelgänger meines ehemaligen bulgarischen Karatetrainers Vladimir J. aussieht, hat mehrere kleinere Szenen in dem Film.

Und wo wir gerade bei Cheech Marin sind: bei dieser Szene aus „Noch mehr Rauch um überhaupt nichts“ kann ich mich nur wegschmeißen:

  1. Wild at heart

Ein seltsamer Film, aber wenn man davon ausgeht, dass David Lynch Regie geführt hat, ist er noch einer zugänglicheren.

Ein nettes Road-Movie mit Laura Dern und einem jungen gutaussehenden Nicolas Cage, der bizarrerweise in der deutschen Version von Rolf Zacher synchronisiert wird (wtf?).

Nicolas Cage ist auch selbst mit einigen Stücken, unter anderem „Love me tender“ auf dem Soundtrack zu hören (hier gibt es, glaube ich, geteilte Meinungen über das Niveau).

Eine der geilsten Szenen für Willem Dafoe als Gangster Bobby Peru mit ekelhaften, verfaulten Zähnen. Krass, aber auch zugleich lustig:

  1. Borat

Natürlich darf die kasachische Hymne von Borat nicht fehlen.

Chad!

  1. Die üblichen Verdächtigen

Wieder ein Knüller aus den 90er mit den Stars der damaligen Zeit: Gabriel Byrne, Benicio del Toro und natürlich eine der großen Rollen für den in Ungnade gefallenen Kevin Spacey.

Ein netter, witziger Thriller mit guten Schauspielern und einer überraschenden Geschichte (Kayzer Söze!)

Um Kevin Spacey tut es mir wirklich leid. Nachdem er die höchsten Ehren als Präsident Francis Underwood wurde er mit Vorwürfen von sexuellen Mißbrauchs konfrontiert. Er wurde von allen Vorwürfen freigesprochen, musste jedoch mit den Tränen kämpfen, als der zugeben musste, dass er sein Haus verkaufen und ausziehen muss, um die Anwaltsrechnungen bezahlen zu können.

Ein wirklich schwer anzusehenden Interview, das nur durch die britische Zurückhaltung und Selbstbeherrschung von Piers Morgen erträglich bleibt.

  1. Delicatessen

Dieser Film soll den Reigen beschließen.

Ein mit viel Witz und Liebe zum Detail gedrehter französischer Film, dessen Ästhetik man anmerkt, dass der Regisseur Jean-Pierre Jeunet zu Beginn seiner Karriere Musikvideos und Werbespots gedreht hat.

  • Fear and Loathing in Las Vegas

Einen habe ich noch vergessen. Die großartige Drogen-Epopöe mit Johnny Depp als Hunter S. Thompson und Benicio del Toro als Dr. Gonzo.

Der Banger „Down on the Streets“ von den Stooges geht auch heute noch hart auf jeder Party:

Die Kommentare meines Bloggerkollegen Andreas Moser und insbesondere der Hinweis auf South Park haben mir noch ein paar gute Songs aus Cartoons in Erinnerung gerufen.

Wie die einsame Riesenschnecke Schnarchlock aus einer Folge von „Adventure Time, der es mit einer Kombination aus Beatboxen und Schwertkampf gelingt, für weibliche Schnecken attraktiv zu werden.

Eine wirklich super lustige, erstaunliche, nie vorhersehbare, psychedelische Serie.

Auch noch vergessen: der Narcocorrido aus der Serie Breaking Bad:

Noch ein paar Nachzügler:

Taxi Driver mit der schönen Filmmusik von Bernard Herrmann mit Robert De Niro als Taxifahrer und späterer verhinderter Präsidentenattentäter Travis Bickle. Hier mit seinem Monolog während er durch das komplett heruntergekommene New York der 1970er Jahre fährt. In meinen Top-Ten-Filmen.

Rumble Fish

Der zweitbeste Film mit Mickey Rourke und anderen aufstrebenden Talenten wie Matt Dillon und Nicoas Cage und sogar Tom Waits, wobei der schon damals eine Legende war. Ein schöner Film, der untypischerweise von Francis Ford Coppola gedreht wurde. Music von Stewart Copeland von The Police. Sehempfehlung.

Good Fellas

Das große Mafia-Epos gleich nach der „Paten“-Trilogie mit so illustren Schauspielern wie Robert DeNiro, Joe Pesci („Wie bin ich komisch?“) und Ray Liotta in seiner leider einzigen großen Rolle unter der wie gewohnt versierten Regie von Martin Scorsese. Hier eine schöne Szene mit Eric Claptons „Layla“:

Deliverance (deutscher Titel: Beim Sterben ist jeder der erste)

Ein Film, der den Natur-Hype der 2000er Jahre vorwegnimmt: drei Städter wollen in einer abgelegenen Gegend eine Kanutour auf einem Fluss machen. Die Einheimischen begegnen ihnen mit Feindseligkeit. Legendär ist der Film für eine unerwartete, sehr brutale Vergewaltigungsszene an einem der Naturenthusiasten durch einen Hillbilly. Ansonsten ist auch dieses Banjo-Duell sehr berühmt:

Es muss an geistiger Umnachtung liegen, dass ich diese Szene bis jetzt nicht hier aufgenommen habe. Die berühmte Szene aus „Apocalypse Now“ mit dem Hubschrauberangriff auf ein vietnamesisches Dorf, während dessen Lt. Col Kilgore den „Walkürenritt“ von Richard Wagner abspielen lässt.

Noch ein Nachzügler: Die Tiefseetaucher. Ein unheimlich lustiger Film von Wes Craven um den exzentrischen Meeresforscher Steve Zissou (Bill Muray), der mit einer wild zusammengewürfelten Crew, die alle blaue Trainingsanzüge und rote Mützen tragen müssen, auf eine Expedition fährt, um den Jaguar-Hai zu finden. Darunter auch Seu Jorge, der alle Hits von David Bowie auf portugiesisch singt:

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