Filme, Vids und Dokumentationen

Es ist wieder an der Zeit für eine kleine Filmrevue. Ein langer und mehrere Kürzere.

1. Street Trash

Wer ein Fan des dreckigen, schmutzigen New York der Prä-Giuliani-Ära ist, so wie ich, der wird hier auf seine Kosten kommen. Der B-Movie ist die Abschlussarbeit des damals 21-jährigen Jim Muro. Eine sich nur sehr lose an eine Chronologie haltende Farce, deren Storyline sich an den zahlreichen Splatterlementen entlanghangelt. In dem heruntergekommenen Pleitemoloch leben Vagabunden, Obdachlose und andere Vergessene der Reagan-Ära auf einem Schrottplatz, wo ein traumatisierter Vietnamveteran ein Schreckensregiment führt. Ein zwielichtiger Spirituosenhändler lässt sich Flaschen mit einem Schnaps stehlen, die den Unglücklichen, der daraus trinkt, in blauen und rosa Eruptionen explodierten lässt. Es ist ein Trashfilm, der ausschließlich mit Laiendarstellern gedreht wurde. Für mich ein Schmankerl: die Bullen, der Gerichtsmediziner und die Gangster, die in einem breiten Brooklyn-Akzent reden.

Die Spezialeffekte sind teilweise etwas amateurhaft, aber auch oft wirklich gut. Man darf nicht vergessen, dass es eine Abschlussarbeit ist und Jim Muro für das Budget von 850.000 Dollar teilweise auch eine Erbschaft hineingesteckt hat.

Obwohl der Film zum Kultfilm avanciert ist, war es das einzige Werk von Jim Muro, der dem Vernehmen nach als Steadycamer wesentlich mehr Geld verdienen konnte. Zudem hat er später zum Glauben gefunden und distanziert sich als Wiedergeborener Christ heute von seinem eigenen Film. C’est la vie.

Auf Youtube habe ich nur die Originalversion mit portugiesischen Untertiteln.

2. Yukoku (Patriotismus)

Liebe, Sex und Harakiri (und Nationalismus). Ein ziemlich krasser Film nach der Vorlage einer Geschichte von Yukio Mishima, der hier auch die Hauptrolle übernimmt.

Der Kontext um den Film ist der Putschversuch ultra-nationalistischer japanischer Offiziere im Februar 1936, deren Anführer nach dem Scheitern des Staatstreichs Selbstmord in Form der Selbstentleibung begehen.

Der als Stummfilm gedrehte Film schildert die Ereignisse im Anschluss an den Fehlschlag. Der junge Leutnant Takeyama kehrt nach nach Hause zurück. Er eröffnet seiner Frau, dass er Selbstmord begehen wird und sie ihm dabei sekundieren soll. Anschließend soll sie ebenfalls Selbstmord begehen, worin sie einwilligt. So geschieht es, nachdem sie die Liebe genossen haben.

Interessant an dem Film ist, dass Yukio Mishima vier Jahre später selbst mit Getreuen seiner rechtsextremen Miliz Tatenokai das japanische Verteidigungsministerium stürmte, um dem Kaiser wieder zur Macht zur verhelfen. Nach dem Scheitern des Putsches starb Mishima 45-jährig durch Harakiri.

Im Grunde hatte er seinen eigenen Tod kurz vorher filmisch vorweggenommen.

Yukio Mishima, der wegen seiner nationalistischen Ansichten zumindest in Deutschland nur wenig bekannt ist, hat in seinem relativ kurzen Leben ein beindruckend breites schriftstellerisches Werk hinterlassen, das auch heute noch zahlreiche Bewunderer hat. Was nur relativ Wenige wissen ist, dass Mishima ein passionierter Bodybuilder war. Während sich der Otto-Normal-Pumper mit Arnold Schwarzeneggers Kalendersprüchen motiviert, ziehen die gebildeten Freunde der Körperkultur ihre Inspiration aus Mishimas Essay „Sonne und Stahl“.

Auch wenn ich mit Mishimas nationalistischer Einstellung relativ wenig anfangen kann, respektiere ich, dass er in den kurzen 45 Jahren, die er auf dem Antlitz der Erde weilte, nicht zu den „Lauen“ gehörte, die Gott bekanntlich ausspeit, sondern ein mutiges, intensives und vor allem sehr produktives Leben geführt hat.

Es gibt von dem Film auf Youtube unterschiedliche Versionen bezüglich der Musikuntermalung. Der Originalfilm hat eine dramatische Filmmusik (ich glaube „Tristan und Isolde“ von Wagner); ich finde, dass die Version mit einer Art sphärischen Ambient-Musik viel besser passt, so dass ich diese ausgewählt habe.

Ein starker, drastischer, poetischer und sehr intensiver Film.

3. Other Side

Ein Amateur-Youtuber interviewt Junkies auf den Straßen von Miami. Hört sich nach nicht viel an, aber ich finde, dass der Interviewer die richtigen Worte und Fragen findet und sehr viel Raum für die Antworten lässt, so dass man viel über die Personen erfährt. Ich würde bewusst nicht den Begriff „Sozialreportage“ wählen, weil sich das nach 70er-Jahren und SPD-Ortsverband anhört, aber ich finde schon, dass man im Lauf der Videos abgesehen von den individuellen Schicksalen viel über unsere gegenwärtige Gesellschaft erfährt.

4. The Report

Ein Kurzfilm, den ich vor ewigen Zeiten nachts beim Nachhausekommen auf MTV gesehen habe. Die Bilder sind von Philipp Virus und die Musik erstaunlicherweise von Alec Empire, Mitglied von Atari Teenage Riot. Ganz untypisch hat er als Sideprojekt bizarre Ambient-Musik produziert. Ich habe immer mal wieder an den Film gedacht und vor allem an die Musik, konnte mich aber nicht mehr an den Titel erinnern, bis ich ihn nach einer längeren Googelei wiedergefunden habe.

5. Och joh (Badesalz) – In der Humorschule

Zum Schluss noch was Witziges. Aus der Reihe: Humor, der heute nicht mehr im Fernsehen laufen würde und schon gar nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Es ist immer gut, sich immer mal wieder zu vergewissern, was noch so vor circa dreißig Jahren zur Primetime lief. Das Jüngeren wahrscheinlich unbekannte Comedy-Duo Badesalz aus Frankfurt hatte neben ihrer Musik und ihren Shows Anfang der 90er in der ARD eine kleine Sketch-Reihe am Laufen. Heute würde ein solches Konzept wegen Sexismus, Rassismus, kultureller Aneignung und was weiß ich noch alles, noch nicht mal die Schwelle des Vorzimmers überschreiten.

Ich weiß noch, wie ich mich als Jugendlicher gekringelt habe. Besonders über Gerd Knebel mit seinen Verkleidungen und seiner dreckigen Lache.

Bon visionnage!

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Kollateralschäden der Trans-Ideologie

Ein packendes Interview, das nicht in den öffentlich-rechtlichen Sendern, weder in Deutschland, noch in Frankreich (wo die ÖR-Sender aus Steuermitteln finanziert werden) laufen wird.

Der Youtube-Channel „Femelliste“ der beiden transkritischen Aktivistinnen Marguerite Stern und Dora Moutot, die ich hier bereits vorgestellt habe, bietet eine sehr interessante Auswahl an Gesprächen und Interviews zum Thema Transgenderismus und Transidentität.

Die Interviews, die in einer sehr ruhigen Atmosphäre und ohne Unterbrechung des Gesprächspartners stattfinden, laufen ab wie weiland bei Günter Gaus, bei denen man nur den Interviewgast sieht aber nicht die Fragestellerin (hier glaube ich an der Stimme Dora Moutot zu erkennen).

Der Interviewgast, der sich Lithès nennt, erzählt eine Geschichte, die eigentlich kaum zu fassen ist, nämlich wie er sich in eine sehr schöne Frau verliebt und erst nach einer eineinhalbjährigen Beziehung begriffen hat, dass es sich dabei um eine Transfrau, also einen umoperierten  Mann gehandelt hat.

Er war beim anderen Geschlecht nicht unerfahren und die zahlreichen erforderlichen Operationen waren so gut ausgeführt, dass ihm nichts aufgefallen ist. Nur durch verschiedene Ungereimheiten in ihrem Verhalten und kleinen wachsenden Zweifeln ist Lithès seiner Geliebten auf die Spur gekommen und hat darüber ein Buch geschrieben (Titel: „Lucie au troisième degré“).

Ein wirklich irre Geschichte, die er sehr eloquent und reflektiert erzählt und sehr ruhig (trotz seiner traurigen Augen) auf die gestellten Fragen antwortet.

Eine Ruhe, die nur oberflächlich gewesen sein kann, denn Lithès hat sich kurz nach Veröffentlichung des Videos das Leben genommen.

Das Video wurde dann kurzzeitig heruntergenommen und erst als Lithès‘ Familie ihr Einverständnis erteilt hatte, kann dieses unerhörte Dokument wieder der Öffentlichkeit dargeboten werden.

Ich stehe noch unter dem Eindruck des Gesehenen. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit Transpersonen und respektiere ihre Lebensweise, auch wenn ich mich nicht zwingen lassen werde, biologische Tatsachen, die durch Chromosomen festgelegt werden, zu leugnen.

Für mich ist das Verhalten von „Lucie“ allerdings eine emotionale, psychische und auch physische Vergewaltigung des ahnungslosen Mannes. Als ich mir bei Anschauen des Videos den Titel für diesen Artikel überlegt habe, wusste ich noch nicht, dass Lithès am Schluss genau diese Worte wählen würde.

Leider sind die Untertitel bisher nur auf Französisch verfügbar. Englisch wird vielleicht bald dazukommen.

Ein sehr krasses Interview und das interessanteste Gespräch, das ich seit langer Zeit gesehen habe.

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London

Mein erster Besuch in England seit dem Brexit brachte die gewöhnungsbedürftige Situation mit sich, tatsächlich mit einer Grenzkontrolle konfrontiert zu werden und mit Grenzbeamten, die ihre Aufgabe wirklich ernst nehmen.

Ob es an meinem verdächtigen Aussehen lag oder nicht, es gab das volle Programm: was ich hier will, wohin ich will, wie lange ich bleiben will usw.

Das sind die Gelegenheiten, bei denen der Austritt eines Landes aus der EU nicht nur abstrakt und intellektuell registriert wird, sondern einem materiell klar wird.

Nun ja, es gibt Schlimmeres.                                 

Ich erinnere mich an einen Aufenthalt vor ziemlich langer Zeit als ich in London war und mich kurz zuvor von meiner ersten großen Liebe getrennt hatte.

Der Zufall wollte es, dass gerade kurz zuvor Lady Di in einem Tunnel in Paris tragisch verunglückt war.

Eine sehr seltsame Stimmung lag über der spätsommerlichen Stadt, die vor Trauer wie von einem starken Narkotikum betäubt schien.

Doch vielleicht war das auch nur meine eigene getrübte Wahrnehmung.

Es schien als würde sich die Trauer der Londoner über die tote Prinzessin und meine eigene Trauer über die unmögliche Liebe zu einem brennenden Magma des Schmerzes vermischen, wobei quälende Gedanken an die Endgültigkeit und Unumkehrbarkeit und das Wissen, dass sie schon einen neuen Freund hatte, mich wie eine Traube von Teufeln mit glühenden Spießen zu umschwirren schien, die noch eine weitere Schicht an glühendem Schmerz hinzufügten.

Ich hatte keine Augen und keine Aufmerksamkeit für die Berge an Chrysanthemen und anderen Blumen, die sich – in meiner Erinnerung meterhoch – am Zaun von Buckingham Palace auftürmten.

Der Schmerz um meine verlorene Liebe war übermächtig, überlagerte, erdrückte alles andere.

Mehr als ein Vierteljahrhundert später flaniere ich mit meinen Kindern und meiner Frau durch die Stadt, an die ich so eine quälende Erinnerung habe.

Das einzige gute Andenken habe ich an meine damalige Unterkunft an einem wirklich seltsamen Ort. Es war ein Karate-Dojo/Box-Gym/Jugendclub für gefährdete Jugendliche in der Judd Street in der Nähe der King’s Cross Station. Tonbridge Club hieß er, wenn ich mich richtig erinnere. Die Übernachtung kostete 5 Pfund.

Man musste früh ankommen, um einen Platz zu bekommen wie in einem Obdachlosenasyl. Es ging in ein Untergeschoss, wo man auf einer großen Kampffläche seinen Schlafsack ausrollen konnte. Es war wie bei einem Festival oder beim Biwak in der Grundausbildung. Damals gab es kein AirBnB und auch keine fancy Hostels. Es gab Jugendherbergen oder solche obskuren Quartiere. In einer Ecke standen alte Sandsäcke, richtig oldschool aus braunem, gegerbtem Leder, die Milliarden von Jabs, Punches und Leberhaken eingesteckt hatten und schön nach altem Leder rochen.

Man traf dort Touristen mit schmalem Budget, Interrailer, Traveller aber auch Praktikanten. Ich schlief neben einem tschechischen Eishockeyspieler, der in London nach Arbeit suchte. Es waren eine Menge Franzosen dort. Kaum älter als ich, aber sie hatten schon ihr Studium beendet und waren in London für ein Praktikum. Sie waren sympathisch und spendabel. Abends saßen wir zusammen und tranken Dosenbier und eine Flasche Rotwein. Morgens in aller Frühe, wenn die 100 oder mehr Leute schnell einpacken mussten, damit die Karatekas und Boxer ihr Training beginnen konnten, rasierten sich die Franzosen in den Waschbecken der Umkleiden, zogen ihre Anzüge an, die sie feinsäuberlich in Kleiderhüllen an den Sprossenwänden oder am Geländer aufgehängt hatten, banden sich ihre Krawatten um und verschwanden zu ihrem Praktikum in einer Bank oder weiß Gott wo hin.

Erinnerungen.

Ich suche mit meinen Kindern Orte auf, die ein wenig Unterhaltung versprechen, wie zum Beispiel Speaker’s Corner im Hyde Park.

Ich habe ein Faible für Exzentriker und Spinner und habe darauf geachtet, meinen Kindern zu vermitteln, ihnen mit Mitgefühl und Menschlichkeit zu begegnen und sie nicht von vornherein abzulehnen. Normalerweise amüsieren sich meine Kinder über etwas komische und bekloppte Leute ebenso wie ich.

Ich erinnere mich, wie ich damals in der Ecke bei dem kleinen Pavillon saß und mir die Tränen über das Gesicht liefen, während die religiösen Fanatiker in ihrem Wahn krakeelten.

Denn wenn sich der Unbedarfte vorstellt, dass bei Speaker’s Corner der typische, leicht verschrobene Brite (vor meinem inneren Auge erscheint der Bauer aus Shaun das Schaf), sich auf seine kleine Klappleiter stellt und eine witzige, kluge mit britischem Humor gewürzte Rede hält, um dann mit den Umstehenden zu debattieren, dürfte enttäuscht werden.

Auf dem kleinen Areal geben sich Psychos, religiöse Fanatiker und sonstige Verhaltensauffällige ein Stelldichein und vor allem jede Menge Islamisten, die gegen Israel hetzen. Mir kommt es so vor, als währen es mehr als bei letzten Mal, aber das kann auch an dem Überfall von 7. Oktober und der Vergeltungsaktion der Israelis liegen.

Ich amüsiere mich jedenfalls, während ich die Eiferer beobachte, die wie taubstumme deklamieren, monologisieren, brüllen, gestikulieren und sich in geschriene Dialoge verstricken, bei dem niemand dem anderen zuhört und auf seine Argumente eingeht.

Aber ich merke, dass meine Kinder hier keinen Spaß haben, sondern eher von den Verrückten und Monomanen eingeschüchtert sind und ihnen die Heftigkeit der Begegnung mit dem Wahn Angst macht.

Wir verlassen den Park und spazieren weiter.

Ich habe jetzt eine Familie. Eine richtige Familie mit Kindern, sinniere ich, während ich später an der Themse sitze und in ganz kleinen Schlucken einen Cappuccino trinke. Das Wetter ist nicht zu heiß, bedeckt und es weht ein angenehm kräftiger Wind.

Während ich so die Szenerie beobachte, bemerke ich, dass die Gezeiten auch Einfluss auf die Themse haben und sich der Fluss bei Ebbe um mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Breite vom Ufer zurückzieht und einen breiten Kiesstrand freigibt. Habe ich vorher nicht gewusst. Was ist mir sonst noch entgangen als ich in London war?

Der Schmerz, von dem ich dachte, er würde mich umbringen, ist vergangen, auch wenn er nur schläft. Ich rühre lieber nicht daran.

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Der Flug der Drohne

Was Gore-Videos angeht, bin ich mittlerweile schon ziemlich abgestumpft. (Wobei ich mir bewusst bin, dass das wahrscheinlich keine positive Entwicklung ist).

Nur bei mexikanischen Kartell-Videos muss ich manchmal passen. Diese elaborierte Grausamkeit und absolute Dehumanisierung in einem Land, in dem kein (offizieller) Krieg herrscht, ist nochmal auf einem anderen Level.

Man spricht von der »tierischen« Grausamkeit des Menschen. Aber das ist sehr ungerecht und für die Tiere wirklich beleidigend: Ein Tier kann niemals so grausam sein wie der Mensch, so ausgeklügelt, so kunstvoll grausam.“  Das lässt Fjodor Dostojweski seinen Protagonisten Iwan Karamasow sagen.

Was in der Ukraine passiert, ist aber ein Krieg. In Europa. Und im Gegensatz zu früher sieht man in HD, was in so einem Krieg vor sich geht. Das soll nichts rechtfertigen und man kann mich ruhig dafür verurteilen. Aber: it is what it is!

Man sieht übrigens kaum noch Videos von russischer Seite. Vielleicht gibt es die auf Telegram-Kanälen, die ich nicht kenne.

Die Video-editing-Skill der Kids heutzutage sind schon was Spezielles.

Ich kann mir nicht helfen, aber die Titel sind schon, naja, ich muss es sagen: witzig: „Drone assisted swimming course“, „Failing Reactive Meat Armour“, „Zedophile Tree Hugger Vaccinated against Putinism“, „Russian Space Program“, „Active cardio workout of the occupier with a fatal outcome. New episode“ aber auch: „Aesthetic Drone Gore“ oder „Relaxing Orc Barbecue“.

Manchmal gibt es auch längere Kommentare wie „Here’s this russian Nazi garbage who thought he’d go into Ukraine to commit genocide for a paycheck. He got a right spanking, Zigger disassembly & proper Denazification.“

Klar, auf diesen Seiten treiben sich – neben „Normalos“ – die internationalen gestörten Incel-Brigaden herum, die ihren Nihilismus zu einem Lebensgefühl erheben und sich in zynischen Kommentaren überbieten und das ganze jeweils mit Musik untermalen, wie gesagt, Metal, Techno oder auch „The End“ von The Doors.

Ich habe teilweise sogar echt gute Musik entdeckt wie das neue Album von Thurston Moore (Ex-Sonic Youth).

Die Ukrainer sind schon längst ein westliches Land, auch wenn sie noch nicht in der EU sind, sie kennen unsere Musik, unsere Kultur und memen sogar besser als wir Europäer oder Amerikaner. Der „Shooting Stars“-Video-Meme mit der Musik von den Bag Raiders sieht schon auf jeden Fall krasser aus, wenn es keine fette Frau ist, die auf die Fresse fällt, sondern ein russischer Soldat, der aus einem explodierenden Panzer geschleudert wird.

Die Russen hingegen sehen in ihrer armseligen Ausstattung wie die zurückgebliebenen Sklaven aus, die sie in Wirklichkeit sind.

Der Hass ist gigantisch und wird auch noch mehrere Generationen fortdauern, denke ich.

Die Rückkehr Deutschlands in den Kreis der zivilisierten Nationen und die Versöhnung konnten nur Beginnen, weil die Akteure des Dritten Reiches gestürzt und vollständig entmachtet waren und das Land jahrzehntelang besetzt war. Wer soll ein so ungeheuer großes Land wie Russland besetzen und es De-Putinisieren, De-Nazifizieren?

Trotz aller Abstumpfung und Gewöhnung fühle ich mit. Auch und sogar mit den Russen, die da so elendig verrecken. Das ist so übel, dass man das seinem schlimmsten Feind nicht wünscht, die abgerissenen Gliedmaßen, die Verbrennungen.

Selbst ohne direkten Treffer bohren sich Metallsplitter in das weiche menschliche Gewebe, zerfetzen Organe, Lunge, Herz.

Das konvulsivische Atmen im Sterbeprozess, das aussieht wie Schluchzen, ist schauderhaft anzusehen.

Ich frage mich außerdem, wie man in künftigen Konflikten, die zwangsläufig kommen werden, den Drohnen beikommen will. Es scheint kein Mittel gegen sie zu geben. Und ich sehe auch voraus, dass Terroristen diese billigen, einfach zu bedienenden Waffen einsetzen werden.

Das ist überhaupt das Schlimmste: die Drohne, die lauernd, wie ein bösartiges Insekt über einem schwebt. Die Todesangst, die man in so einem Augenblick empfinden muss, ist unvorstellbar.

Auf Twitter habe ich ein Video aus der Perspektive von Soldaten entdeckt, die sich in einem kleinen Hain verstecken, während die Drohne mit jaulendem Sirren über ihnen schwebt. Ein Alptraum.

ACHTUNG: DARSTELLUNG VON GEWALT UND TOD

via @TheDeadDistrict

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Filmmusik

Wenn man noch sehr jung ist, dann wirken Eindrücke sehr viel stärker auf uns als später, wenn wir – mal früher, mal später – in der Welt der Erwachsenen angekommen sind.

Die Gefühlregungen fallen sehr viel heftiger aus. Es gibt keine Mäßigung. Man liebt oder man hasst.

Wenn wir verknallt sind, trägt uns die Liebe in stratosphärische Höhen; Schriftsteller, die mit ein paar klugen Sätzen das Gefühl erzeugen, endlich Worte für das eigenen Empfinden gefunden zu haben, werden zu geistigen Vorbildern; Bands deren Texte und Musik nur für uns geschrieben zu sein scheinen, werden zu Aposteln und Schutzengeln, die wir in allen Lebenslagen und Situationen zitieren.

Manchmal sind es auch Filme, die auf eine unerklärliche Weise in uns nachwirken. Und bisweilen kommt es auch vor, dass einen wie aus heiterem Himmel eine Melodie anfällt, bei der man sich verflixt nochmal fragt, woher sie kommt.

Und dann erinnert man sich: aus einem Film, den man vor langer Zeit gesehen hat und der über die seltsamen Wege der Synapsen und Hirnwindungen des Hippocampus wieder den Weg ins Hier und Jetzt gefunden hat.

Es geht in diesem Text nicht um olle Kamellen wie den abgelutschten Soundtrack von „Pulp Fiction“, der in den 90er Jahren auf Partys von Leuten ohne Musikgeschmack lief.

Es geht um Filmmusik aus den 70er und 80er, teilweise auch aus den 90er Jahren, bei denen die Komponisten mit viel Liebe und Exzentrizität versucht haben, die spezielle Stimmung eines Films zu untermalen und nicht dem Publikum zu gefallen oder mit ihrer Musik noch als Nebenprodukt Geld zu verdienen.

Ich habe früher unwahrscheinlich viele Filme gesehen. Die meisten von ihnen liefen tatsächlich im Abend- und Nachtprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. Ja, tatsächlich. Heute sehe ich überhaupt kein Fernsehen mehr (tut das heute überhaupt noch jemand? In meinem Bekanntenkreis jedenfalls niemand). Ich besitze seit fast 20 Jahren kein „Fernsehendgerät“ mehr, ist beim vor-vor-letzten Umzug auf dem Sperrmüll gelandet (ich weiß, Leute, die das von sich geben, rufen eine Genervtheit hervor, wie Veganer, die einem ihre Ernährungsweise bei erstbester Gelegenheit unter die Nase reiben, aber so ist das nunmal). Henryk Broder hat es mal treffend auf den Punkt gebracht: „Drei Viertel dessen, was Tagesschau und ZDF Heute senden ist Regierungspropaganda – der Rest Schrott“.

Ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal im Kino war. Wahrscheinlich irgendwas mit den Kids? Kung Fu Panda?

Die hier vorgestellten Stücke folgen keiner besonderen Reihenfolge, sondern nur der ungeordneten Folge meiner Notizen

  1. Der Mieter

Ein sehr mysteriöser Film von und mit Roman Polanski (der Verfemte) nach einer Geschichte von Roland Topor. Ein einsamer Mann zieht in eine düstere Wohnung, die Nachbarn sind feindselig. Als er im Zimmer herumstöbert, findet er einen Zahn in einer Aushöhlung der Wand.

Eine bizarre, kafkaeske Geschichte, die in keinem größeren Kontrast zur Persönlichkeit des Autors der Vorlage stehen.

Roland Topor, der 1997 viel zu früh an den Folgen eines Sturzes gestorben ist, stammte von polnischen Juden ab. Während der Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg war sein Vater im französischen KZ Pithiviers interniert. Topor selbst überlebte versteckt bei einer Familie in Savoyen.

Wie schon Marcel Gotlib hat er es nicht zugelassen, dass ihn diese Ereignisse definieren. Er hat sich eine überbordende Phantasie und eine gigantische Schaffenskraft bewahrt: er war Zeichner, Schriftsteller, Entwickler von Fernsehsendungen, u.a. Téléchat (in einer Epoche, in der das Fernsehen in Frankreich ein Reich der Anarchie mit unglaublichen Freiheiten war).

Bekannt war er vor allem für sein unnachahmliches Lachen. Er nahm gern Journalisten auf die Schippe. Dieses Exemplar macht das Spiel mit einer gespielten Ernsthaftigkeit mit:

https://www.facebook.com/watch/?v=2916661908610938

Manchmal denke ich an diese fremdartige Musik zurück die mit den Rändern von Wassergläsern erzeugt wurde. Ein schräger aber guter Film.

  • Angel Heart

Einer meiner Lieblingsfilme und meiner Meinung nach der beste mit Mickey Rourke. Dem coolsten Schauspieler seiner Generation, bevor er es sich durch seinen schwierigen Charakter bei den Studiobossen in Hollywood verscherzt hatte (angeblich hat er Angebote für „Platoon“ und „Top Gun“ ausgeschlagen, um sich auf irgendeinen drittklassigen Boxkampf vorzubereiten) und durch seine verhunzten Schönheitsoperationen jede Rückkehr ins Filmgeschäft verbaut hat.

Tragisch. Er war einer der Besten und hatte ein Riesenpotential.

Ein Neo-Noir-Krimi um den Detektiv Harry Angel, der auf der Suche nach einem verschollenen Soldaten, die ihn von New York nach New Orleans verschlägt: düstere Hinterhöfe, Voodoo, Sex.

  • Freitag der 13.

Der Klassiker der Slasher-Filme.

Ich muss oft an diesen Film und seine Musik denken. Vor allem an das charakteristische, von dem Komponisten Harry Manfredini höchstselbst bedrohlich geflüsterte „Ki-ki-ki, Ma-ma-ma“.

Das ist bei uns ein Running Gag: wenn ich am Mittagstisch leise „ki-ki-ki-ma-ma-ma“ flüstere, verdrehen meine Töchter die Augen und sagen: Oh, Papa, du nervst.

Nur mein Sohn findet es lustig und lacht mit.

  • Akira von Katsuhiro Otomo

Weniger die Musik hat einen Eindruck bei mir hinterlassen als die allererste Szene mit der explodierenden Atombombe, die die ganze Leinwand ausfüllt.

Ein Thema das bis heute in Japan im öffentlichen Diskurs vollständig tabuisiert ist und nur in künstlerischer Form angegangen werden kann.

Ich erinnere mich, wie ich den Film leicht bekifft im alten Filmforum Höchst gesehen habe und vollkommen überwältigt, um nicht zu sagen überfordert von den visuellen Eindrücken war.

  • Southern Comfort

Eine wirklich geile Filmeröffnung: die Sümpfe Louisianas mit der entspannten Musik von Ry Cooder.

Noch besser, wenn die Geschichte gut ist: Soldaten der Nationalgarde müssen eine Reservistenübung in den Sümpfen Louisianas absolvieren. Eine Patrouille verirrt sich in den Wäldern, verärgert die einheimischen Cajuns, die einen Soldaten nach dem anderen brutal ermorden. Ein harter, spannender Gewalt-Thriller, wie es die Spezialität des Regisseurs Walter Hill ist.

Solche Filme liefen früher, d.h. in den 1990er Jahren im Spätprogramm der ARD und ZDF, später dann in (für die Zwecke der Werbung) gekürzten Versionen auf SAT1 oder Pro7.

Was haben wir heute? Nutzlose Talkshows und lahmarschige Krimis. Das ganze durch die Ansprüche des Wokismus völlig ungenießbar. Ein kleines Detail nur, aber vielleicht nicht mal das unwesentlichste: dass auf Bedürfnisse von Männern keine Rücksicht genommen wird.

Innerhalb des Film auch eine sehr schöne Szene mit der Cajun-Musik, das Stück „Parlez-nous à boire“ gespielt von Dewey Balfa und seiner Band und vorgetragen in dem amerikanisch verschliffenen französischen Kauderwelsch der Cajuns.

Viele Betrachter fasziniert von der fremdartigen Cajun Musik, die mit den traditionellen Instrumenten Geige, Gitarre, Akkordeon, Triangel und Löffel vorgetragen wird. Die Bezeichnung Cajuns ist eine Verballhornung des Wortes Acadiens, Französische Siedler, die während des Great Upheaval aus Neuschottland im heutigen Kanada in die Sümpfe Louisianas vertrieben worden waren.

In dem Film werden die Cajuns für die Zwecke der Dramaturgie als zurückgebliebene, opossumfressende, – siehe hier Steve-O von Jackass bei den Cajuns –

 – inzuchtgezeichnete Hinterwäldler mit Flanellhemden und Wollmützen auf dem Kopf dargestellt, die ein unverständliches französisches Kauderwelsch sprechen und alle dieselbe Handvoll an Nachnamen trägt: Broussard, Thibodeaux, Landry, Leblanc, Fontenot, Boudreaux.

Die Balfa Brothers haben auch ein altes französisches Kinderlied in ihrem Repertoire, das meine Mutter mir und meinen Kindern oft vorgesungen hat: „J’ai vu le loup, le renard et la belette.“ Es ist irgendwie strange dieses Lied in einer Cajun-Version mit dieser verschliffenen Grammatik zu hören.

  • Les Valseuses (deutscher Titel: „Die Ausgebufften“)

Einer meiner Lieblingsfilme, an den ich sehr oft denken muss (die zugehörige Szene wurde von Youtube gelöscht, zeigt sie doch einen Dreier zweier erwachsener Männer mit einer Minderjährigen).

Einer der emblematischen französischen Kultfilme mit den beiden besten ihrer Generation: Gérard Depardieu und Patrick Dewaere als zwei Tunichtgute, die sich durch ein Post-68er Frankreich treiben lassen, stehlen, Unsinn anstellen, Frauen betatschen und dabei Gedichte rezitieren einer anderen im Zug an den Brüsten saugen. Damals ein Skandal-, heute ein Kultfilm.

Von meiner Seite eine absolute Sehempfehlung.

Für beide, Depardieu und Dewaere, ist es leider nicht gut ausgegangen: Gérard Depardieu stand damals ganz am Anfang seiner Karriere, jung und mit urwüchsiger Kraft und Spielwut. Der ehemalige Superstar ist heute ein grotesk verfetteter Ochse. Teils auch wegen der fehlenden Anerkennung hat er sich von Frankreich abgewandt, die russische Staatsbürgerschaft angenommen und spielt den Hofnarr für Putin und Kadyrow.

Patrick Dewaere hat sich ein einem heißen Sommertag im Juli 1982 mitten in einer häßlichen Scheidung steckend mit einem Gewehr das Gehirn rausgepustet.

Zwei traurige Fälle von verpfuschten glänzend begonnenen Karrieren.

  • The Hateful Eight

Quentin Tarantino war zu Beginn seiner Karriere als Regisseur dafür bekannt, nicht nur mit seinen Filmen, sondern auch der zugehörigen Musikauswahl Erfolg zu haben.

Nicht umsonst werden die Soundtracks von „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“ oder „Jackie Brown“ immer noch gern gespielt.

Diese Manie hatte sich irgendwann totgelaufen, so dass er es irgendwann hat bleiben lassen.

Nur das Sample von Quincy Jones in „Kill Bill“ wird heute gern im ironischen Kontext genutzt:

In „The Hateful Eight“ hat Tarantino den bewährten Fahrensmann der Italo-Westernmusik, Ennio Morricone, engagiert. Und die Eröffnungsszene mit der Musik ist meiner Meinung nach phänomenal und führt schon auf die düster-brutale Geschichte hin:

Nachdem ich von „Inglorious Basterds“ und „Django Unchained“ persönlich enttäuscht war (kann schwer erklären warum, die typischen Dialoge harmonierten irgendwie nicht mit der Geschichte, die mich nicht gefesselt hat), war „The Hateful Eight“ wieder ein geiler Tarantino-esker Film.

Man sieht wieder die bekannten Gesichter, die man in den Filmen von Tarantino seit „Pulp Fiction“ und „Reservoir Dogs“ kennt: Samuel L. Jackson, Tim Roth, Michael Madsen, Kurt Russel. Was mir an Tarantino gefällt ist, dass er gerne vergessene Schauspieler wieder ins Rampenlicht stellt, deren Karriere ins Stocken geraten ist, wie Pam Grier in „Jackie Brown“ und auch Samuel L. Jackson wäre heute eins der zahllosen Crack-Opfer, hätte ihm Tarantino 1994 keine Rolle in „Pulp Fiction“ gegeben.

Anyways: Eine sehr blutige, brutale und dabei wirklich lustige Geschichte.

Bei „Kill Bill Vol. 1“ gibt es aber noch diesen sehr artistischen Schwertkampf in dem schneebedeckten japanischen Garten zwischen „der Braut“ (Uma Thurman) und O-Ren Ishii (wirklich sehr hübsch: Lucy Liu), bei dem Tarantino wirklich an jedes Detail gedacht hat, wie den in regelmäßigen Abständen klappernden Shishi-odoshi-Brunnen. Seltsamerweise ist der Kampf mit „Don’t let me be misunderstood“ unterlegt, warum auch immer.

  • Marathon Man

Ein Film, der vor ewigen Zeiten oft im Nachtprogramm lief. Ein wirklich spannender Thriller mit den Stars der damaligen Zeit: Dustin Hoffmann, Roy Scheider, bekannt als Polizeichef Martin Brody aus „Der weiße Hai“ und Laurence Olivier als KZ-Arzt Dr. Szell.

Eine Geschichte, die ich gar nicht mal unbedingt für sehr fiktional halte: Dustin Hoffman ist der verträumte und verpeilte Geschichtsstudent Babe Levy, dessen Vater fälschlicherweise während der McCarthy-Ära des Kommunismus verdächtigt wurde und Selbstmord begangen hat. Sein Bruder Doc (Roy Scheider) arbeitet offiziell für ein Erdölunternehmen. Was Babe nicht weiß, ist das Doc für eine Abteilung der CIA arbeitet, die für die ganz schmutzigen Geschäfte zuständig ist. Er hat mit dem ehemaligen KZ-Arzt Dr. Szell, der inkognito im südamerikanischen Dschungel lebt, einen Deal: er lässt ihn in Ruhe sein Rentnerdasein genießen, wenn er ihm ein paar andere Nazis ans Messer liefert.

Das geht so lange gut, bis der Bruder des KZ-Arztes, der für ihn seine Geschäfte und das Finanzielle geregelt hatte, nämlich Geld schickt, das er aus dem Zahngold der KZ-Häftlinge in Diamanten umgewandelt hat, bei einem Unfall stirbt.

Szell muss sich nun selbst um die Diamanten kümmern und das wird blutig und mörderisch.

Diese seltsame, typisch 70er-Jahre-mäßige Musik kommt mir immer wieder in den Sinn.

Sehr stark auch die Szene in der Dr.Szell, Beiname „der weiße Engel“, der natürlich die fiktionalisierte Person von Josef Mengele ist, im Diamantendistrikt von New York von ehemaligen Häftlingen erkannt wird.

Ein typischer Film des „New Hollywood“, einer Ära, in der die Regisseure mit dem damals üblichen Storytelling brachen (einen Helden aufbauen, auf jeden Fall ein Happy End). Die Geschichten waren jetzt düster und beleuchteten die dunklen Seiten der amerikanischen Politik.

Es war eine Zeit der Paranoia, in der die die Amerikaner ihren Exekutivorganen so ziemlich alles zutrauten. (typische Filme dieser Zeit „Die drei Tage des Condor“, „Der Dialog“).

Das Eingeständnis der Niederlage im Vietnamkrieg, die Missetaten von Richard Nixon und schließlich das Aufdecken der zahlreichen Verwicklungen der CIA in Verbrechen und Staatsstreiche, waren für die für US-Amerikaner, die sich so viel auf ihre demokratischen Werte einbildeten, ein regelrechter Schock, der das Vertrauen in die Institutionen nachhaltig erschütterte.

Stück für Stück kamen die Beteiligung am Sturz von Mossadegh im Iran und von Allende in Chile zu Tage oder die Ausbildung der übelsten Schlächter und Folterknechte der südamerikanischen antikommunistischen Todesschwadronen an der School of the Americas. Wie beispielsweise Efraín Ríos Montt, Ex-Präsident von Guatemala, der Menschen bei lebendigem Leib häuten und zur Warnung an Bäumen aufhängen ließ (die Iran-Contra-Affaire war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt). Übrigens wurde Ríos Montt wegen Völkermordes an seinem eigenen Volk verurteilt.

Ich halte es für gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass Altnazis, die auf den Rattenlinien nach Südamerika geflohen waren, als eingefleischte Antibolschewisten dort weiter wirkten und die CIA Kontakt zu ihnen hatte.

Selbst die Prominentesten lebten dort ungestört wie Fische im Wasser: der erwähnte Josef Mengele in Brasilien.

Klaus Barbie alias „der Schlächter von Lyon“ alias Klaus Altmann lebte in Bolivien, wo er den Autokraten Hugo Banzer unterstützte. Oder Walter Rauff, Erfinder der mobilen Gaskammern. Er lebte unbehelligt in Chile. KZ-Arzt Aribert Heim lebte in Ägypten und Judenjäger Alois Brunner brachte den syrischen Geheimdienstlern die Tricks und Kniffe der Folter bei (bis ihn Stasi-Leute dabei ablösten).

Ich glaube, dass es mit dem Teufel zugehen müsste, wenn die CIA in ihrem antikommunistischen Kampf nicht ab und zu bei einem netten Glas Hochprozentigem gelegentlich nach dem Sachstand fragte.

Das Buch mit der Romanvorlage ist ebenfalls wirklich lesenswert. Ich habe es damals im Libanon im „Orange House“ in Mansourieh mitgehen lassen. Ich hatte es mir aus der Bibliothek der Hausherrin ausgeborgt, in einer der Nächte, in denen der Strom ausgefallen war und sich die Ventilatoren nicht mehr drehten und es so unerträglich heiß war, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Weil ich es bei der Abreise noch nicht fertiggelesen hatte, habe ich es eingesteckt (sorry, Mona!).

  • Warriors

Kein spektakulärer Film. Hier geht es eher um Stimmungen und Erinnerung an meine Jugend. Der Film steht wegen der Schlägereien heute noch auf dem Index der Bundesprüfstelle (ein Witz!). Korrektur laut Wikipedia: „Die Warriors erhielt bei der Kinoerstaufführung eine FSK-Freigabe „nicht unter 18 Jahren“. Im Jahr 1983 stellte die Bundesprüfstelle eine Jugendgefährdung fest und indizierte den Film. Im Juni 2001 wurde der Film vorzeitig vom Index gestrichen und erhielt bei einer Neuprüfung 2013 eine FSK-Freigabe „ab 12“. 🤡

Wenn ich die Anfangsszene sehe, in der die nächtliche U-Bahn am Riesenrad von Coney Island vorbeifährt, erscheint die Schulzeit vor meinem Auge.

Die vertrödelten Nachmittage bei Freunden, der Reiz des verbotenen Films und die zigfach kopierte Videokassette, das Basketballtraining.

  1. O Brother where art thou

Ein netter Film von den Coen-Brüdern mit dieser sehr schönen Szene von den drei Hobos, die aus dem Gefängnis ausgebrochen sind und nun am Lagerfeuer zusammensitzen, mit dem Lied „Hard Time Killin‘ Floor Blues“ von Chris Thomas King.

Ich mag diese Hobo-Romantik. Vielleicht bin ich aber auch zu sehr von Romanen von Jack London beeinflusst.

  1. Leben und Sterben in L.A.

Auch einer meiner Lieblingsfilme mit der Musik der britischen Synth-Band Wang Chung. Ein actiongeladener, aber auch ziemlich brutaler Film mit einer der geilsten Autoverfolgungsjagden der Filmgeschichte.

Bonus: ein sehr junger und damals noch gutaussehender Willem Dafoe und wahrscheinlich der erste Auftritt von William L. Peterson, noch eine ganze Weile vor seinem Durchbruch als Dr. Grissom in C.S.I. Vegas.

  1. Permanent Vacation

Stimmungen. Stimmungen.

Jugend. Schule. Nachtprogramm im „Dritten“. Jim Jarmusch.

  1. From Dusk till dawn

Ein wirklich saugeiler, lustiger Film. Meiner Meinung nach der beste Film mit George Clooney.

Er fängt als Gangster-Roadmovie and und endet als Vampir-Slasher-Film. Großartige Unterhaltung. Da darf natürlich die Szene mit Salma Hayek nicht fehlen.

Bonus: Harvey Keitel, Quentin Tarantino, Juliette Lewis und vor allem Cheech Marin als Ansager vor dem „Titty Twister“.

Cheech, der wie ein perfekter Doppelgänger meines ehemaligen bulgarischen Karatetrainers Vladimir J. aussieht, hat mehrere kleinere Szenen in dem Film.

Und wo wir gerade bei Cheech Marin sind: bei dieser Szene aus „Noch mehr Rauch um überhaupt nichts“ kann ich mich nur wegschmeißen:

  1. Wild at heart

Ein seltsamer Film, aber wenn man davon ausgeht, dass David Lynch Regie geführt hat, ist er noch einer zugänglicheren.

Ein nettes Road-Movie mit Laura Dern und einem jungen gutaussehenden Nicolas Cage, der bizarrerweise in der deutschen Version von Rolf Zacher synchronisiert wird (wtf?).

Nicolas Cage ist auch selbst mit einigen Stücken, unter anderem „Love me tender“ auf dem Soundtrack zu hören (hier gibt es, glaube ich, geteilte Meinungen über das Niveau).

Eine der geilsten Szenen für Willem Dafoe als Gangster Bobby Peru mit ekelhaften, verfaulten Zähnen. Krass, aber auch zugleich lustig:

  1. Borat

Natürlich darf die kasachische Hymne von Borat nicht fehlen.

Chad!

  1. Die üblichen Verdächtigen

Wieder ein Knüller aus den 90er mit den Stars der damaligen Zeit: Gabriel Byrne, Benicio del Toro und natürlich eine der großen Rollen für den in Ungnade gefallenen Kevin Spacey.

Ein netter, witziger Thriller mit guten Schauspielern und einer überraschenden Geschichte (Kayzer Söze!)

Um Kevin Spacey tut es mir wirklich leid. Nachdem er die höchsten Ehren als Präsident Francis Underwood wurde er mit Vorwürfen von sexuellen Mißbrauchs konfrontiert. Er wurde von allen Vorwürfen freigesprochen, musste jedoch mit den Tränen kämpfen, als der zugeben musste, dass er sein Haus verkaufen und ausziehen muss, um die Anwaltsrechnungen bezahlen zu können.

Ein wirklich schwer anzusehenden Interview, das nur durch die britische Zurückhaltung und Selbstbeherrschung von Piers Morgen erträglich bleibt.

  1. Delicatessen

Dieser Film soll den Reigen beschließen.

Ein mit viel Witz und Liebe zum Detail gedrehter französischer Film, dessen Ästhetik man anmerkt, dass der Regisseur Jean-Pierre Jeunet zu Beginn seiner Karriere Musikvideos und Werbespots gedreht hat.

  • Fear and Loathing in Las Vegas

Einen habe ich noch vergessen. Die großartige Drogen-Epopöe mit Johnny Depp als Hunter S. Thompson und Benicio del Toro als Dr. Gonzo.

Der Banger „Down on the Streets“ von den Stooges geht auch heute noch hart auf jeder Party:

Die Kommentare meines Bloggerkollegen Andreas Moser und insbesondere der Hinweis auf South Park haben mir noch ein paar gute Songs aus Cartoons in Erinnerung gerufen.

Wie die einsame Riesenschnecke Schnarchlock aus einer Folge von „Adventure Time, der es mit einer Kombination aus Beatboxen und Schwertkampf gelingt, für weibliche Schnecken attraktiv zu werden.

Eine wirklich super lustige, erstaunliche, nie vorhersehbare, psychedelische Serie.

Auch noch vergessen: der Narcocorrido aus der Serie Breaking Bad:

Noch ein paar Nachzügler:

Taxi Driver mit der schönen Filmmusik von Bernard Herrmann mit Robert De Niro als Taxifahrer und späterer verhinderter Präsidentenattentäter Travis Bickle. Hier mit seinem Monolog während er durch das komplett heruntergekommene New York der 1970er Jahre fährt. In meinen Top-Ten-Filmen.

Rumble Fish

Der zweitbeste Film mit Mickey Rourke und anderen aufstrebenden Talenten wie Matt Dillon und Nicoas Cage und sogar Tom Waits, wobei der schon damals eine Legende war. Ein schöner Film, der untypischerweise von Francis Ford Coppola gedreht wurde. Music von Stewart Copeland von The Police. Sehempfehlung.

Good Fellas

Das große Mafia-Epos gleich nach der „Paten“-Trilogie mit so illustren Schauspielern wie Robert DeNiro, Joe Pesci („Wie bin ich komisch?“) und Ray Liotta in seiner leider einzigen großen Rolle unter der wie gewohnt versierten Regie von Martin Scorsese. Hier eine schöne Szene mit Eric Claptons „Layla“:

Deliverance (deutscher Titel: Beim Sterben ist jeder der erste)

Ein Film, der den Natur-Hype der 2000er Jahre vorwegnimmt: drei Städter wollen in einer abgelegenen Gegend eine Kanutour auf einem Fluss machen. Die Einheimischen begegnen ihnen mit Feindseligkeit. Legendär ist der Film für eine unerwartete, sehr brutale Vergewaltigungsszene an einem der Naturenthusiasten durch einen Hillbilly. Ansonsten ist auch dieses Banjo-Duell sehr berühmt:

Es muss an geistiger Umnachtung liegen, dass ich diese Szene bis jetzt nicht hier aufgenommen habe. Die berühmte Szene aus „Apocalypse Now“ mit dem Hubschrauberangriff auf ein vietnamesisches Dorf, während dessen Lt. Col Kilgore den „Walkürenritt“ von Richard Wagner abspielen lässt.

Noch ein Nachzügler: Die Tiefseetaucher. Ein unheimlich lustiger Film von Wes Craven um den exzentrischen Meeresforscher Steve Zissou (Bill Muray), der mit einer wild zusammengewürfelten Crew, die alle blaue Trainingsanzüge und rote Mützen tragen müssen, auf eine Expedition fährt, um den Jaguar-Hai zu finden. Darunter auch Seu Jorge, der alle Hits von David Bowie auf portugiesisch singt:

Noch drei unbegreifliche Unterlassungen (wie konnte ich nur!). „Bad Lieutenant“ von Abel Ferrara. Die beste und härteste Rolle für Harvey Keitel (nach „Taxi Driver“) als korrupter, drogensüchtiger Bulle in New York, dem der Zuschauer bei seinem Abstieg in den Abgrund und die Hölle zusieht. Auch hier wieder die christliche Symbolik, die Abel Ferrara am Herzen liegt. Hier allerdings ohne Erlösung. Ein unglaublicher krasser Film. Sehempfehlung!

Dann die ikonische Anfangsszene aus „Full Metal Jacket“, als den Marines-Rekruten die Haare abrasiert werden untermalt mit dem Countrysong „Hello Vietnam“ von Johnny Wright.

Und schließlich „Traffic“ eine Drogenfahnder-Sage mit Benicio del Toro. Sowohl der Film als auch der ätherische Ambient-Soundtrack sind gut.

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Linker Feminismus am Ende?

“’Maybe there is a beast…. maybe it’s only us. ‚”

William Golding – Lord of the flies

Vor kurzem wurde viel über ein Diagramm der Financial Times diskutiert, wonach in jüngster Zeit ein interessantes Phänomen in allen westlichen Gesellschaften zu beobachten sei: der sogenannte „gender ideology gap“.

In westlichen Gesellschaften, so lautet die Erkenntnis, werden junge Frauen immer progressiver und linker und junge Männer immer konservativer.

Das interessante an dieser Erkenntnis ist, dass es zum ersten Mal seit der Erforschung generationeller Ansichten eine Teilung innerhalb der Geschlechter einer gegebenen Alterskohorte gibt. Zuvor gab es Erfahrungen, die eine Generation als Ganzes gemacht und geprägt hat: Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit, `68, Mauerfall usw. Dies ist, so scheint es, nicht mehr so.

Die Definitionen sind hier nicht ganz klar und vor allem werden sie häufig durch eigene Voreingenommenheit des jeweiligen Betrachters stark verzerrt, deswegen gebe ich die Charakterisierungen unter einem deutlichen „caveat“ wieder:

Als progressiv wird u.a. das Engagement für linke und woke Politik, das Eintreten für die Rechte von Minderheiten, Veganismus und eine feministische Einstellung bezeichnet.

Die Position, die als gegensätzlich hierzu, also als konservativ bezeichnet wird, ist deutlich diffuser. Hierunter fallen, das Ablehnen von Immigration, das Festhalten an hergebrachten Geschlechterrollen, Fleischkonsum und der Vorwurf sich verschiedener Vergehen schuldig zu machen, die wandelbar und nicht immer scharf definiert sind: Homophobie, Transphobie, Islamophobie, Misogynie usw. usf.

Ich halte diese Dichotomie und die Begriffe „progressiv“ und „rechts“ für falsch, weil diese Begriffe ungenau und häufig auch auf unehrliche Weise verwendet werden. In vielen Fällen halte ich persönlich das, was als links und progressiv bezeichnet wird, für zutiefst reaktionär. Hierauf werde ich noch im Verlauf dieses Textes zurückkommen.

Die These, die ich mit diesem Beitrag zu verdeutlichen versuche ist die: der Befund, dass es innerhalb der Geschlechter (und hierbei muss man zwangsläufig unterstellen, dass es zwei sind) eine Trennung weiblich: links / männlich: rechts gibt, ist nur eine Momentaufnahme. Der konservative, oder besser: anti-progressive Backlash ist in vollem Gang. Der Backlash wird maßgeblich von Frauen getragen.

Letzter Punkt meiner Vorrede ist meine politische Selbstpositionierung. Zum einen damit der Leser meinen Standpunkt besser nachvollziehen kann und zweitens, weil ich glaube, dass es sehr viele Menschen gibt, die auch so denken wie ich.

Ich stamme aus einem linken Elternhaus und bin auch durch das Umfeld meiner Eltern in einem linken Setting aufgewachsen. Meine Eltern sind das, was man ´68er nennt, weil die Revolte von 1968 und die nachfolgenden gesellschaftlichen Umwälzungen für sie das entscheidende Ereignis ihrer Jugend war und sie auf ihre Weise von den Veränderungen profitiert und sie auch größtenteils befürwortet haben.

Dabei war es nicht so, dass meine Eltern im Batikhemd und mit einem Joint zwischen den Lippen herumgelaufen sind (auch wenn mir meine Mutter mal was von LSD-Experimenten erzählt hat). Sie hatten normale bürgerliche Berufe, haben sich aber „traditionellen“ linken Werten verbunden gefühlt, die ich so skizzieren würde: eine größtmögliche individuelle und kollektive Freiheit, die auch sexuelle Befreiung einschließt und voraussetzt, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, Verbundenheit mit der Werten der Aufklärung, ein sehr großer Skeptizismus gegenüber Dogmen, insbesondere religiösen, eine Offenheit gegenüber andern und eine Einstellung, dem anderen erstmal keine bösen Absichten zu unterstellen, eine Gleichbehandlung aller Menschen gleich welchen Geschlechts oder Herkunft.

Meine Mutter hat es mir in einfachen Worten einmal so erklärt: 1968 hat die Dinge geändert durch die Idee, dass man glücklich sein kann und sollte, dass man sich frei entfalten und einen Sinn im Leben finden kann.

Trotz aller Kämpfe, die ich mit meinen Eltern ausgefochten habe, würde ich heute sagen, dass ich die beschriebenen und auch vorgelebten Werte teile und mich selbst als in diesem Sinne links bezeichnen würde.

Andererseits verlasse ich den Rahmen des traditionellen Linken, weil ich der Meinung bin, dass das Gemeinwohl nicht durch den Staat kommt, sondern der von Natur aus freie und selbstbestimmte Mensch selbst sehr genau weiß, was gut und richtig für ihn ist und sich der Leviathan auf seine absoluten Kernkompetenzen zurückziehen muss und sich ansonsten aus den Leben der Menschen herauszuhalten hat.

In diesem Sinne fühle ich mich dem argentinischen Präsidenten und „Anarcho-Kapitalisten“ Javier Milei am nächsten.

In den Jahren seit dem Mauerfall haben viele Bewegungen, Parteien und Begriffe kuriose Wandlungen vollzogen.

Ich für meinen Teil finde mich in den Parteien oder in den Institutionen, die sich selbst als links bezeichnen nicht wieder. So gut wie alles, was sie vertreten, läuft meinen Überzeugungen zuwider.

Manchmal frage ich mich: habe ich mich weiterentwickelt und linke/progressive Überzeugungen hinter mir gelassen oder sind es vielmehr die linken Bewegungen, die Entwicklungen durchgemacht haben, bei denen ich nicht mehr mitgehen kann? Wahrscheinlich ein wenig von beidem. Trotzdem denke ich, dass ich von dem Zeitpunkt, an dem ich mir eine eigene Meinung bilden konnte, grob an den oben dargelegten Überzeugungen festgehalten habe und meine Meinung nur mit fortschreitender Lebenserfahrung verfeinert aber keine grundsätzliche Abkehr vorgenommen habe.

Nun zum Eingemachten: wie komme ich zu der Aussage, dass ein anti-progressiver Backlash ansteht und dass er von Frauen getragen wird?

Von dem primitiven Debattenniveau in Deutschland genervt und angeekelt, beschäftige ich mich zurzeit sehr viel mit Frankreich.

Dort ist die Situation nicht viel anders als hier. Auch dort sind die Medien und der Mainstream linksliberal, aber ich merke dort eine Veränderung, die über kurz oder lang auch in Deutschland ankommen wird, das Konflikte kraft seiner (noch vorhandenen) Wirtschaftsmacht mit Geld noch lange Zeit abmildern kann.

In Frankreich werden Debatten traditionell auch härter und damit ehrlicher geführt.

Mehrere Beispiele einer Entwicklung, die sich aus meiner Sicht zu einer deutlichen Tendenz verfestigen:

Im Jahr 2020 kommt zu einem auch in Deutschland wahrgenommenen Vorfall, der „Affäre Mila“. Mila Orriols, ein damals 16-jähriges Mädchen, weist einen maghrebinischen Jungen zurück. Sie selbst bezeichnet sich als lesbisch. Nach der Zurückweisung wird sie von ihrem verhinderten Don Juan und seinen Freunden auf den sozialen Netzwerken in der üblichen Weise beleidigt („Schlampe, Hündin, Scheiß-Lesbe, Rassistin“ usw.). In ihrem Zorn nimmt sie ein Video auf, in dem sie folgendes von sich gibt:

« Je déteste la religion. […] Le Coran il n’y a que de la haine là-dedans, l’islam c’est de la merde. […] J’ai dit ce que j’en pensais, vous n’allez pas me le faire regretter. Il y a encore des gens qui vont s’exciter, j’en ai clairement rien à foutre, je dis ce que je veux, ce que je pense. Votre religion, c’est de la merde, votre Dieu, je lui mets un doigt dans le trou du cul. Merci, au revoir. »

Übersetzung: „Ich hasse die Religion (…) Im Koran ist nur Hass, Islam ist Scheiße (..) ich habe gesagt, was ich denke, und ihr werdet es nicht schaffen, dass ich es zurücknehme. Es werden sich Leute aufregen, ist mir komplett scheißegal, ich sage was ich will und was ich denke. Eure Religion ist Scheiße, Eurem Gott stecke ich einen Finger ins Arschloch, Danke, auf Wiedersehen“.

Was dann folgte waren keine Beleidigungen mehr, sondern konkrete Morddrohungen. Mila musste ihre Schule verlassen und lebt bis zum heutigen Tag an einem geheimen Ort unter Polizeischutz (die Erfahrungen von Charlie Hebdo, Samuel Paty und Dominique Bernard haben die Behörden dazu veranlasst, diese Drohungen ernst zu nehmen).

Der entscheidende und vor allem exemplarische Punkt ist der folgende: keine der zahlreichen, einflussreichen feministischen Organisationen kam Mila in dieser Situation zu Hilfe. Bis heute nicht. Wenn man sich orthodoxe feministische Positionen vergegenwärtigt, dann müsste die erwartete Reaktion klar sein: junge, linke, lesbische Frau mit bunten Haaren wird von einem gewaltbereiten, patriarchalischen Mob, noch dazu Anhänger einer rückständige und obskurantistische Religion misogyn beleidigt und mit dem Tod bedroht.

Zu erwarten wäre an sich das Resultat, dass die feministischen Bewegungen weibliche Solidarität zeigen und das vulnerable Opfer, das sich einem gewaltbereiten Mob gegenübersieht, schützen.

Allein: das komplette Gegenteil ist eingetreten. Linke Feministinnen stellten sich auf die Seite der Beleidiger, weil Mila angeblich „islamophob“ und „rassistisch“ sei.

Wer Mila hingegen öffentlich unterstützte und damit den angestammten Job der Linken erledigte, waren rechte oder als „rechtsextrem“ bezeichnete Politiker und Bewegungen. Eine komplette Umkehrung der klassischen Verhältnisse.

Dies ist eine der Entwicklungen, die ich meine, als ich oben schrieb, dass ich mich linken Bewegungen heute nicht mehr verbunden fühle.

Mila hat sich nach dieser Erfahrung in einem längeren persönlichen Prozess von der linken Bewegung gelöst und ist nun Mitglied im rechten feministischen Kollektiv „Collectif Némésis“. Deren Mitglieder bevorzugen allerdings den Begriff „féminisme identitaire“.

Die Mitglieder des Kollektivs bezeichnen sich als Feministinnen und vertreten auch klassische feministische Positionen, allerdings lehnen die die Dogmen und die linken Denkverbote ab. Sie sprechen klar und deutlich aus, dass es eine eindeutige Korrelation zwischen Immigration und Angriffen auf Frauen gibt.

Interessant ist, dass alle zu einer früheren Zeit links waren, aber nach negativen Erfahrungen und dem oben beschriebenen typischen Leugnen der Realitäten, nämlich dass die erdrückende Mehrheit ihrer Vergewaltiger und Belästiger auf der Straße einen arabisch-muslimischen Hintergrund haben.

Zwar werden auch Männer zu Opfern von Migrantengewalt, aber von denen ist nichts zu erwarten, denn der exemplarische Mann im Jahr 2024 sieht so aus:

Ihre Erfahrungen als linke Feministinnen, die von Migranten vergewaltigt worden sind, waren durchgängig die, dass sie von linken Feministinnen keinerlei Unterstützung erhalten haben. Teilweise wurden sie direkt zum Schweigen aufgefordert, um keinen Rassismus oder Islamophobie zu schüren.

Dies führte dazu, dass sie die traditionellen linken, antirassistischen, feministischen Bewegungen verlassen haben. Als direkt Betroffene, sprechen sie sich klar und eindeutig gegen eine weitere Einwanderung von Menschen aus afrikanischen oder islamischen Kulturen aus.

Die meisten Interviews können automatisch auf Englisch übersetzt werden, sie sind ziemlich interessant. Die automatische Übersetzung ist etwas holprig, soweit ich es gesehen habe, aber man versteht es recht gut.

Was mir auffällt: die Generation der heute um die 30-jährigen ist in so vielen Dingen verpeilt, verloren und orientierungslos. Es gibt keinen Konsens oder Vorbilder, an denen sie sich orientieren könnten. Sie sind widersprüchlichen Zwängen und Diktaten unterworfen.

In den vergangenen Jahren ist immer wieder in verschiedenen Abwandlungen dieser Satz aufgetaucht, wonach die Männer genau wie die Frauen unter dem Patriarchat leiden oder in der Variante: Das Patriarchat schadet nicht nur Frauen, sondern allen Geschlechtern – auch Männern.

Forschungen zeigen allerdings, dass gerade junge, linke Frauen von allen Bevölkerungsschichten am häufigsten unter Depressionen leiden.

Untersuchungen in Frankreich haben festgestellt, dass es in den vergangenen drei Jahren eine „brutale Steigerung“ an ärztlichen Behandlungen wegen Selbstverletzungen und stationären psychiatrischen Aufnahmen bei jungen Mädchen gab. Stationäre psychiatrische Behandlungen bei Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren sind seit 2021 um 246% (!) gestiegen.

Die Wahrheit ist: es gibt in den westlichen Demokratien schon lange kein Patriarchat mehr. Was es allerdings gibt ist ein dominanter woke-linker Zeitgeist, der junge Frauen krank, traurig und depressiv macht.

Auch das lange Interview mit der Gründerin des Kollektivs, Alice Cordier, ist sehenswert.

Wie um das oben beschriebene Reaktionsschema zu bestätigen, kam es gerade vor einigen Wochen zu einer Aktion des Kollektivs in Besançon mit interessantem Ausgang.

Zwei Mitglieder des Kollektivs, Alice Cordier und die 18-jährige Studentin Yona Faedda, hatten sich in den Karnevalsumzug eingereiht, aus dem sie vor laufenden Kameras zwei Schilder hochhielten. Auf dem einen stand: „Violeurs étrangers dehors“ (Ausländische Vergewaltiger raus) und auf dem anderen „Libérez-nous de l’immigration“ (Befreit uns von der Immigration).

Die grüne Bürgermeisterin von Besançon, Anne Vignot, erstattete daraufhin Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Beide Aktivistinnen wurden festgenommen, mehrere Stunden auf dem Polizeirevier festgehalten, verhört und der Laptop von Yona Faedda wurde beschlagnahmt. Erstaunlich, welchen Eifer der Staat an den Tag legen kann, wo er sich an anderer Stelle doch bemerkenswert viel Zeit lässt.

 Und das schlägt wiederum den Bogen nach Deutschland, wo sich grüne oder allgemein linke Politiker durch Strafanzeigen gegen Bürger hervortun, was ich als Bürger doch sehr befremdlich finde.

Unsere trampolinspringende Völkerrechtskoryphäe und Außenministerin ist ja gerade unlängst in einem Verfahren um ein albernes Plakat, das ein Landwirt an seinem Gartenzaun aufgehängt hatte, auf den Bauch gefallen. Das Ermittlungsverfahren gegen einen Twitter-User, der sie als „dümmste Außenministerin der Welt“ bezeichnet hatte, läuft noch. Ich bin gespannt und befremdet zugleich.

Sehr befremdlich finde ich in diesem Zusammenhang, dass es tatsächlich Staatsanwaltschaften gibt, die solche Verfahren nicht direkt nach Eingang einstellen. Und Richter, die Durchsuchungsbeschlüsse und Strafbefehle in solchen Fällen erlassen.

Da die zeitgenössische Linke, die Menschen mit ihren Themen und Argumenten nicht mehr erreicht und nicht überzeugen kann, hat sie sich erst aufs Moralisieren verlegt, dann auf Zwang und Repression.

Das ist für mich eine neue Lektion der vergangenen 10 Jahre ungefähr: die weltoffenen, toleranten Grünen, die aus ihrer Sicht die Demokratie zu schützen vorgeben, gerieren sich demokratie- und verfassungsfeindlich. Unter der Maske des vorgeblich Guten lauert der Tyrann.

Es gibt hier ein die abendländische Welt durchziehendes Muster (wie es in Asien aussieht, weiß ich ehrlichgesagt nicht).

Im Fall Yona Faedda ist selbst mir als Linksliberalem nicht ganz klar, wie es einen Dissens darüber geben kann, ausländische Vergewaltiger abzuschieben.

Was heute als rechtsextrem gebrandmarkt wird, nämlich ausländische Straftäter abzuschieben, war noch vor 20 bis 30 Jahren ein parteiübergreifender sozial- und christdemokratischer Konsens.

Natürlich ist es legitim, einen früheren Konsens zu hinterfragen und sich auf den Standpunkt zu stellen, dass ein bestimmter Topos, der vor 20 Jahren einen Konsens dargestellt hat, es heute nicht mehr sein muss.

Ich bin aber der Meinung, dass sich das bewährt, denn mir erschließt sich nicht der tiefere Sinn, warum man ausländische Straftäter, die unserem Gemeinwesen schaden, weiter bei uns behalten sollten.

Ich habe da auch als Linker eine eher utilitaristische Sicht auf Migration: wer als Ausländer hierherkommt, sich integriert und sich in das Gemeinwesen einbringt, ist herzlich willkommen und darf bleiben; wer das Gemeinwesen jedoch belastet, muss es wieder verlassen. Klar und einfach.

Was ich in dem Zusammenhang auch sehr interessant finde ist, dass es eine größere Anzahl von Männern gibt, die diese Art von Feminismus zu unterstützen bereit sind, und zwar weil sie das Gefühl haben, dass sich dieser Feminismus nicht gegen sie als Männer als Gesamtheit richtet, sondern differenziert.

Die identitären Feministinnen sind nicht wie die blauhaarigen Irren mit Nasenring, für sie ist nicht „jeder Mann ein potentieller Vergewaltiger“ und sie haben sich klar gemacht, dass es nicht „die“ Männer sind, mit denen sie nachts auf dem Heimweg oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln Probleme bekommen, sondern in erdrückender Mehrheit Männer aus dem arabisch-muslimischen Kulturkreis.

Umgekehrt gibt es auch Unterstützung von Némésis für männliche Mitstreiter, wie etwa für Stanislas Rigault, Kandidat für die Europawahl für die rechte Partei Reconquête!, der vor einigen Tagen in Paris von einer Gruppe von acht Personen aus dem linken Spektrum angegriffen und von einer Frau angespuckt wurde.

Die jüngere Generation der 20 bis 30-jährigen in Europa werden von den kognitiven Dissonanzen, der Realitätsverleugnung, der Lügen, der Einschüchterung, der verbalen und physischen Gewalt der Linken abgestoßen.

Der linke Feminismus hat sich in unauflösliche Widersprüche verstrickt und in geistig-ideologische Sackgassen hineinmanövriert. Feministinnen regen sich über den „male gaze“, den „gender pay gap“, oder die „mental load“ auf, verteidigen aber Kopftuch und Abaya als feministisch. In orthodoxen feministischen Kreisen gilt es als antifeministisch, Frauen zum Ablegen des Kopftuchs aufzufordern.

Ebenso ist es bei der überwältigenden Mehrheit der Feministinnen ein No-go Transfrauen als Männer zu bezeichnen oder überhaupt zu postulieren, es gebe zwei Geschlechter.

Auch hier gibt es jedoch mittlerweile ideologische Schlachten, bei denen Feministinnen, die sich in Frankreich „femellistes“ nennen, von linken Feministinnen abgrenzen wollen.

Marguerite Stern war bis vor 1-2 Jahren noch Teil der radikalen Feministinnen. Das ehemalige Femen-Mitglied, war gerade noch bis vor Kurzen so eine aggressive Irre mit blauen Haaren, die zu der Bewegung der „colleuses de nuit“ gehörte, die mit Leim an Hauswänden aufgeklebten Slogans auf Femizide aufmerksam machte.

Über ihren Kampf gegen die Transideologie hat sie sich mit ihren Gesinnungsgenossinnen überworfen und tritt nun in rechten Fernsehsendern auf.

Auch hier zeigt sich wieder das Muster, dass Kritiker der Transideologie genau wie Opfer von Vergewaltigungen durch Migranten ausschließlich Unterstützung von rechten Publizisten und Politikern bekommen.

Ich nehme mich immer vor Leuten in Acht, die von einem Extrem ins andere fallen, aber interessant finde ich dieses lange Interview, in dem sie den schmerzhaften Abnabelungsprozess beschreibt und wie sie bitter darunter gelitten hat, dass langjährige, enge Freundschaften zu Bruch gegangen sind.

Gemeinsam mit einer anderen Feministin, Dora Moutot, hat sie das Buch „Transmania“ geschrieben, das die Transideologie kritisiert. Die Werbung hierfür wurde in Paris untersagt und Stern und Moutot werden auf offener Straße angegriffen und angespuckt.

Auch hier sind Frauen die Rädelsführerinnen.

Denn eins ist auch klar: Dieser Trans-Wahn ist nicht als Meteorit vom Mars gefallen; es waren Feministinnen, die in ihrer Dekonstruktions-Manie ein Frankenstein-Monster erschaffen haben, das ihnen jetzt entkommen ist und ihnen Schaden zufügt.

Erst hieß es, typisch weibliche und männliche Verhaltensweisen seien nicht biologisch begründbar , sondern seien soziale Konstrukte, die durch eine andere Erziehung verändert werden könnten (was falsch ist). Daraus wurde dann im Lauf der Zeit: es gibt keine zwei Geschlechter, sondern ein Spektrum.

Jetzt sind wir bei Männern in Frauensportarten und Frauensaunen und –fitnesstudios und wer eine Transfrau als Mann anspricht, bekommt nach dem nun auch vom Bundesrat gebilligten Selbstbestimmungsgesetz in Zukunft ein saftiges Bußgeld.

Siehe hier die für NIUS produzierte Doku von Judith Sevinc Basad und Jan Karon: Trans ist Trend.

Das beunruhigende zugrundeliegende Problem liegt aus meiner Sicht in einer Aufgabe der Werte der Aufklärung, d.h. der beweisbaren Fakten.

All das, was Menschen wie Kant und Hegel, Kopernikus, Euklid, Galileo Galilei, Pythagoras, Voltaire, Newton, Alexander von Humboldt und Charles Darwin, Marie Curie und Albert Einstein und noch viele andere teils gegen große Widerstände durchgesetzt haben und deren Erkenntnisse man mit Fug und Recht als Fortschritt bezeichnen kann, werden nun zur Disposition gestellt, wenn nicht gar geleugnet. Ein Rückfall in die Voraufklärung

Ich glaube, es ist dieser immer weiter erodierende Konsens darüber, was Beweisbar ist, die immer unschärfer werdende Übereinkunft für das, was Faktizität ist, der die Jugend krank und alle anderen verrückt macht.

Es ist mir außerdem völlig unbegreiflich, wie Frauen Immigration von überwiegend jungen Männern aus den rückständigsten und frauenverachtendsten Kulturen unterstützen oder wie transunterstützende Feministinnen an ihrer eigenen Demontage mitwirken können.

Der Wokismus und die politische correctness hat den Leuten so sehr das Gehirn gefickt, dass er sie dazu bringt, gegen ihre eigenen Instinkte zu handeln.

All das sind viele Mosaiksteine aus Gründen, weshalb ich als Linker die Bewegungen, die sich selbst als „links“ und „progressiv“ bezeichnen nicht unterstützen kann. Aus meiner Sicht sind sie gegenaufklärerisch und damit reaktionär.

Eine sehr interessante Entdeckung waren die Recherchen der Journalistin Pauline Condomines. Sie hat für die rechte Publikation „Livre Noir“ in bester wallraff’scher Manier incognito linke Milieus infiltriert. Dies war zu Beginn relativ einfach, wie sie berichtet, da viele dieser Bewegungen offen für jeden sind, die grassierende Paranoia, die die Aktivisten dazu bringt, ihre wahre Identität zu verschleiern und sich nur mit Spitz- und Codenamen anzusprechen, erleichterte ihr die Arbeit. Mit der Zeit gelang es ihr auch, in geschlossene Zirkel vorzudringen, in denen gewalttätige Aktionen geplant wurden und in denen die Beteiligten gegenüber Andersdenkenden aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen.

Man könnte glauben, dass es alles sehr unterschiedliche Milieus sind, aber das Gegenteil ist der Fall. Es gibt große personelle Überschneidungen bei Umweltschützern, Trans- und Palästina-Aktivisten, Feministinnen, Dekolonialen und Islamisten. Man trifft dieselben Akteure immer wieder auch in anderen Zirkeln an, wie sie am Mikro des Journalisten André Bercoff mit ruhiger, angenehmer Stimme erklärt (auch er ein ehemals linker Journalist, der Mitterand nahestand, bevor er sich von dieser Strömung gelöst hat; ich glaube, der Leser entdeckt jetzt so langsam ein Muster).

Sie berichtet von skandalösen und zynischen Praktiken der Migrationsaktivisten, die illegale Migranten nur dann bei dem Verfahren für ihre Aufenthaltserlaubnis unterstützen, wenn diese regelmäßig an linken Demos teilnehmen und die Anwesenheit in Excel-Tabellen festhelten. Die meisten Hilfesuchenden haben keine Ahnung, wofür oder wogegen sie protestieren. Einige Migranten sind auch klar gegen die linken Slogans, sie wollen einfach nur einen legalen Aufenthaltsstatus und arbeiten, nicht aber an ideologischen Kämpfen teilnehmen.

Hier auch der Bericht für „Livre Noir“:

Die Recherche hat hier ganz deutlich das Risiko einer Querfront aus Transaktivisten, Klimaschützern, Feministinnen und Islamisten bloßgelegt, denen Islam, Feminismus und Wokismus komplett das Hirn zerfickt haben.

Einen anderen Ansatz wählte Nora Bussigny. Sie unterwanderte ebenfalls Trans- und dekoloniale Milieus, um darüber ein Buch zu schreiben, entschied sich aber nicht dazu, im Hintergrund zu bleiben und zu beobachten, sondern mit rosa Perücke aktiv teilzunehmen. Jede hat ihre eigene Taktik.

Sehr interessant auch die Schriftstellerin Véra Nikolski, nebenbei eine passionierte Boxerin, die in ihrem Buch „Féminicène“ die These aufstellt, dass nicht die Kämpfe der Frauenbewegung zur Emanzipation der Frau beigetragen haben, sondern der technische und medizinische Fortschritt und ganz banale Verbesserungen wie fließendes Wasser und technische Haushaltsgeräte, die der Frau die lästigen Haushaltspflichten erleichtert und abgenommen haben und sie somit Zeit für sich hatte.

Ich sehe immer öfter einen typischen Werdegang von der linken Feministin zum rechten Spektrum als Hort der Vernunft, Mäßigung und Verstand.

In Deutschland ist die vollkommen entkoppelte Medienbubble aus allen Wolken gefallen über eine Befragung, wonach Schwule zu nicht unerheblichen Teilen AfD-affin sind und gar nicht links, wie man das von einer angeblich unterdrückten Minderheit erwarten sollte (müsste). Und auch die Jugend ist gar nicht so grün und links, wie das Fridays for Future gerne glauben machen möchte.

Das ist auch in Frankreich so, wo sich Jordan Bardella, die junge Nachwuchshoffnung des Rassemblement National Hoffnungen auf 30% der Wählerstimmen der Unter-30-jährigen machen kann.

Wer glaubt, es in Frankreich mit so einem AfD-Verschnitt vom Typ schmerbäuchiger Blut-und-Boden-Schwadroneur mit Deutschland-Bucket-hat („hör’n se äuf misch ins Gesischt zu filmen“) zu tun zu haben, täuscht sich ganz gewaltig.

Mittlerweile sind allerdings selbst dem Rassemblement National die fetten, alten, verhaltensauffälligen Männer der AfD zu eklig, so dass sie nach der Europawahl nicht mehr mit ihnen in einer Gruppe arbeiten wollen.

Der neue Typus des französischen rechten Politnachwuchses ist jung, schlank, smart, energisch und eloquent.

In einem ähnlichen politischen Spektrum bewegt sich die Enkelin des Gründers des Front National, Jean-Marie Le Pen, Marion Maréchal.

Sie hat vor mehreren Jahren den Rassemblement National verlassen und sich der Partei Reconquête! des ehemaligen Journalisten Éric Zemmour angeschlossen und ist Kandidatin für das Europaparlament.

Der Legende nach ist Marion Maréchal die Lieblingsenkelin des Parteipatriarchen Jean-Marie Le Pen. Der alte Fuchs hat mit dem unfehlbaren Gespür des „political animal“ auf Anhieb gesehen, dass sie von all seinen Abkömmlingen das größte politische Talent hat.

Warum sie den RN verlassen hat, darüber kann man nur spekulieren. Vielleicht wollte sie aus dem Schatten der erdrückenden Familiendynastie treten, vielleicht wollte sie auch nicht unter der Fuchtel ihrer dominanten Tante Marine Le Pen arbeiten.

Zemmour, der bei den letzten Präsidentschaftswahlen als Kandidat angetreten ist und mit 5% der Stimmen abgeschmiert ist, hat Marion Maréchal nun für das Europaparlament ins Rennen geschickt. Wahrscheinlich ist ihm auch selbst klar, dass er mit 66 Jahren schon recht alt ist, mit seiner immensen Bildung einen tiefen Graben zwischen sich und der Normalbevölkerung schafft aber vor allem – und es wäre töricht das zu leugnen – einfach nicht ansprechend aussieht: er ist klein, schmächtig, hat eine große Nase, schütteres Haar und hängende Augen. Im Clownland Deutschland braucht es nicht viel, um von den speichelleckenden Zeilenschindern als „kennedyesk“ zu gelten. Aber in der Welt der Erwachsenen gelten nun mal die brutalen, realen Maßstäbe.

In den links-woken Medien gilt Éric Zemmour als Rechtsextremer und Neonazi, obwohl er Jude ist. Daran sieht man, in was für einen heillosen geistig-politischen Brainfuck sich die Linke hineinmanövriert hat.

Marion Maréchals Programm setzt auf Ablehnung von Migration und Bekämpfung des Islam und ein ultraliberales Wirtschaftsprogramm, das dem von Milei ähnelt und dem ich in vielen Punkten beipflichten kann. Ihr Ziel im EU-Parlament ist es, das „System von der Leyen“ zu stürzen und der EU-Politik eine neue Richtung zu geben. Was sich die meisten Menschen nämlich nicht klar machen ist, dass an die 80% der Gesetze, die in Deutschland (und den anderen Mitgliedsstaaten) verabschiedet werden, der Umsetzung von EU-Vorgaben dienen.

Ich muss sagen, dass ich von ihrer Persönlichkeit wirklich beeindruckt bin. Sie geht keiner Diskussion aus dem Weg und ist immer ruhig und kontrolliert, sehr gut vorbereitet und hat alle Zahlen parat. Sie ist rhetorisch sehr stark und lässt sich niemals provozieren oder zu einem Ausfall hinreißen, wie man an diesem sehr interessanten Rededuell mit der Abgeordneten Mathilde Panot von der linksextremem Partei LFI sieht, die sie konsequent als Madame Maréchal – Le Pen anspricht:

Der Einzug in das Europäische Parlament wird für sie eine Zeit der Bewährung und Reifung sein. Natürlich wird man sehen, wenn sich die Zwänge der Realität einstellen und die ersten Kompromisse geschlossen werden müssen, was von ihrem Programm noch übrigbleibt.

Marion Maréchal ist allerdings noch sehr jung und ich prophezeie ihr noch eine große politische Karriere. Mark my words.

Wenn Macron seine zweite und letzte Amtszeit beendet hat, werden die Karten neu gemischt. Dann wird sich zeigen, welche Substanz seine Partei „Renaissance“ wirklich hat. Im Grunde ist sie ja eine von ihm geschaffene und auf ihn zugeschnittene Bewegung und ich sehe niemanden, der das Format hat, seine Persönlichkeit zu ersetzen.

Macron wird sicherlich nicht mehr weiter in dieser Partei tätig sein. Wenn man Präsident war, tritt man nicht mehr ins Glied zurück. Ich schätze, er wird für eine der zahllosen Beratungsfirmen tätig werden, die jetzt schon mit den Füßen scharren und ein paar Vorträge für ein nettes, komfortables Honorar halten.

Das bringt mich zur Europawahl, bei der ich qua meiner doppelten Staatsbürgerschaft insofern privilegiert bin, als ich Kandidaten aus zwei verschiedenen Mitgliedsstaaten wählen kann.

Und wenn ich mir die Sachlage so anschaue, dann gerade ich ins Grübeln. Als Linker kann es nicht über mich bringen, RN zu wählen, ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, bei der Europawahl Marion Maréchal zu wählen, weil ich sie für klüger und schlagkräftiger halte als meine Parteifreundin Isabel Schnitzler von der FDP, die ich persönlich übrigens sehr schätze.

Ja, so. Jetzt ist es raus. Ich bin FDP-Mitglied. Eine Mitgliedschaft, die einem Spott und verbale Prügel einbringt und mit der man nicht flexen kann. Aber so ist es.

Von meiner politischen Herkunft und Erziehung her, bin ich eher Sozialdemokrat, aber die SPD hat sich in den letzten Jahren nicht nur wokisiert, ihr Spitzenpersonal wendet seit den vergangenen 20 Jahren nicht unerhebliche Zeit auf, um russischen, chinesischen, iranischen und türkischen Diktatoren den Schwanz zu lutschen. Nichts für mich.

Als grundsätzlich liberaler Mensch verabscheue ich die Grünen. Angefangen bei ihrem Menschenbild, das Bürger als Störenfriede, wenn nicht gar als Feinde betrachtet.

Es ist aus meiner Sicht auch keine Linke Partei, sondern eine Ansammlung von beinharten, machgetriebenen autoritären Zwangscharakteren und nebenbei auch noch die bourgeoisesten Spießer, denen ich je begegnet bin.

Meine eigenen Eltern habe die FDP als Schnösel- und Porsche-Partei verachtet und ja, es ist nicht einfach, Mitglied dieser Partei zu sein. Aber ich habe sie vor Jahren als das letzte liberale Bollwerk angesehen, das noch die Grundrechte verteidigt und Freiheitsakzente setzt. Ich selbst würde lügen, wenn ich behaupten würde, nicht von Zeit zu Zeit darüber nachzudenken, meinen Mitgliedsausweis zurückzugeben. Aber noch bin ich Mitglied und bleibe es auch.

Und das liegt nicht zuletzt an Mitgliedern, vor denen ich meinen Hut ziehe, wie meine basierte Parteifreundin, die sich allein auf eine Palästinenserdemo gestellt hat und Schilder hochgehalten hat, ein Bild der ermordeten Shani Louk  und ein anderes, auf dem nur eine Offensichtlichkeit festgestellt wird, nämlich „Rape is not Resistance“.

Auch hier der Befund: eine Frau, kein Mann.

Es kostet verdammt großen Mut, so was zu machen und in solchen Augenblicken ist man trotz Polizeischutz sehr, sehr einsam. Und dafür vergebe ich auch ihr Corona-Tagebuch.

Sie verdient allein Respekt für das Verdienst verdeutlich zu haben, was für wildgewordene Tiere unter uns leben.

Wie heißt es so schön: Gott hat die Frauen ohne Hoden erschaffen, weil er wusste, dass sie Eier haben.

Und das gilt nicht nur für Karoline Preisler, sondern für alle oben vorgestellten Frauen.

Trotz allem hat die FDP kein exklusives Abo auf meine Stimme, auch wenn ich Parteimitglied bin, denn ich denke gerne noch selbst.

Dies führt mich zum Ende meines Artikels und einem deprimierenden Fazit:

Es scheint so, als gebe es innerhalb unserer Gesellschaft(en) keinen Konsens mehr. Die Schnittmenge von Überzeugungen, auf die sich eine Gesellschaft einigen kann, wird immer kleiner, die Kreise driften immer weiter auseinander.

Das hat zwar die Meriten klarer Fronten, aber ist eine solche Polarisierung für eine Gesellschaft wirklich wünschenswert? Ich glaube nicht.

Aus meiner Sicht haben Linke alle Werte, die ich oben beschrieben habe, verraten.

Heute haben wir ein autoritäres Feminat aus Paus, Faeser, Baerbock und Konsorten, für die Grundrechte wie die Meinungsfreiheit als etwas Unappetitliches gelten, das man betrachtet, wie so einen krepierten Vogel auf der Straße.

Allenthalben liest man, dass die Zukunft ist weiblich sei.

Vor meinem inneren Auge erscheinen dann übergewichtige Kryptolesben mit grauen Kurzhaarfrisuren und bunten Schals oder Witzfiguren wie Emilia Fester und Luisa Neubauer.

Aber ich glaube tatsächlich, dass die Zukunft weiblich ist, aber nicht so, wie es diese Leute heute denken. Und ich glaube, dass das Erwachen für viele äußerst schmerzhaft sein wird.

Meine Prognose ist, dass diese Horrorclowns in sehr naher Zukunft von der Bildfläche verschwinden und in Vergessenheit geraten werden. Das, was ich oben beschrieben hat, wird nicht auf Frankreich begrenzt bleiben. Von ähnlichen Entwicklungen liest man in Italien und Spanien.

Ich prophezeie weiterhin, dass es noch sehr viele andere Frauen geben wird, die dem linken Feminismus den Rücken kehren und sich identitären und rechten Bewegungen anschließen werden.

Die Debatten werden an Heftigkeit und Härte zunehmen und sowohl die Debatten als auch die Heftigkeit werden von den Frauen geführt werden.

Ich hoffe nur, dass das Pendel nicht zu stark in die andere Richtung ausschlagen wird.

Denn, wie gesagt, ich bin immer noch links.

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Maschinist – 75 Jahre Grundgesetz

Da geh ich zu großen Teilen mit:

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Unter den Straßen von Paris

Besucher der Stadt Paris, die alle bekannten Sehenswürdigkeiten abgehakt haben, kenne vielleicht die Katakomben im 14. Arrondissement.

Man kann dort einen kleinen Teil eines hunderte Kilometer langen Stollennetzes besichtigten. Es handelt sich um die ehemaligen Steinbrüche der Stadt, aus denen das Material für charakteristischen Pariser Häuser gewonnen wurde.

Aufgrund von Einsturzgefahr und Bodenabsenkungen wurden die Steinbrüche im 17. Jahrhundert aufgegeben und später mit den Gebeinen der Verstorbenen aus dem Cimetière des Innocents und weiterer Friedhöfe aufgefüllt, um Platz für Bebauung und vor allem für die in den 1960er Jahren abgerissenen gigantischen Markthallen zu schaffen.

Die Arbeiter haben die Oberschenkelknochen und Schädel teilweise zu interessanten Mustern angeordnet.

Ab den 1970er/1980er Jahren wurde die Katakomben zum Terrain für Künstler, Punks und Partypeople, die dort Happenings, Konzerte und Dinner veranstalteten mit dem zusätzlichen Nervenkitzel von der Polizei aufgescheucht und nach draußen (oben) komplimentiert zu werden. Die Fans der unterirdischen Welt nennen sich selbst „Cataphiles“, sie haben ihre eigenen Codes und Gebräuche. Es ist üblich, nicht seine Identität zu nennen, sondern sich einen Spitznamen zu geben, der idealerweise einen Bezug zu den Katakomben hat.

Aber mittlerweile haben auch Travel- und Lost-Places-Vlogger den Ort für sich entdeckt.

Es gibt mittlerweile auch dort unten Sehenswürdigkeiten, wie die Höhle mit der Hokudai-Welle.

Ich habe mehrere dieser Insider angeschrieben und gefragt, ob sie mich mit nach unten nehmen, aber die verschworene Gemeinschaft nimmt keine Außenstehenden mit, für die nicht durch einen Eingeweihten gebürgt wird.

Irgendwann werde ich es schaffen. In der Zwischenzeit ein paar interessante Videos:

Hier bei Youtube neu hinzugekommen. Ab Minute 10:37 ein überraschender Wiedergänger aus fernen Zeiten: der Anführer der Pariser Skinheads Serge Ayoub.

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Bücher

Eine kleine Auswahl kürzlich gelesener Bücher.

Morbidität in Tibet – „Der Schneeleopard“

Ich bin wirklich ein großer Fan von Sylvain Tesson, mit dem ich mich hier schon ein paar Mal beschäftigt habe.

In seinem neuesten Buch schildert Tesson wie er den französischen Tierfotografen Vincent Munier in den Himalaya begleitete, genauer auf das Changtang-Plateau, weil dieser dort den vom Aussterben bedrohten Schneeleoparden fotografieren wollte. Ein Buch, mit dem er den renommierten „Prix Renaudot“ erhalten hat.

Seine älteren Bücher waren für mich die reinsten „page-tuner“, mir gefielen der Freiheitsdrang, seine Wildheit. Ich sah in ihm fast schon einen neuen Jack London.

Wenn ich seine Bücher in eine Reihenfolge bringen sollte, dann würde ich sie so aufstellen: „L’axe du loup“ (soweit ich weiß immer noch nicht übersetzt) über seinen Marsch von Sibirien nach Indien; „Napoleon und ich“ (über eine Motorradreise von Moskau nach Paris mit der er Napoleons Rückmarsch von seinem gescheiterten Russlandfeldzug nachspürt, „Auf versunkenen Wegen“, eine Wanderung durch Frankreich nach seinem schweren Sturz, bei dem er nur knapp dem Tod entronnen ist (unlängst mit Jean Dujardin verfilmt), und schließlich „In den Wäldern Sibiriens“, einer Reportage, bei der nicht die Bewegung und das Vorwärtsdrängen das Thema ist, sondern das Verweilen in einer Hütte am Baikalsee.

In dem Bericht ist trotz der verschiedenen Schauplätze verhältnismäßig wenig los.

Das Buch beschreibt Fahrten durch die eisigen, stillen, menschenleeren Höhenzüge des Himalaya (eine Gegend, die Tesson magisch anzieht; nach dem Bericht könnten mich nichtmal zehn Pferde dorthin bringen) und das langwierige Warten auf den seltenen Panther, dem er allerdings ein schönes Kapitel in Form einer Erinnerung an eine verflossene Liebe widmet.

Ich fand das Buch ziemlich zäh und mühsam zu lesen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass eisige Kälte von -35 ˚ Celsius und sauerstoffarme Höhen jenseits der 5000 Meter nicht gerade zu großem Tatendrang animieren.

So muss er den Mangel an Aktivität mit langatmigen Assoziationen und poetisch verschnörkelten Todesmetaphern füllen.

Interessant fand ich seine Erkenntnis, dass die Natur, auch wenn sie unbewohnt erscheint, von einer unerschöpflichen Anzahl von Tieren angefüllt ist, die sich vor dem Menschen verbergen, ihn aber aus der Unsichtbarkeit heraus beobachten.

Eine Tatsache, die schon der frühe psychedelische Maler Hieronymus Bosch erkannt und in einer Tuschezeichnung mit dem „Das Feld hat Augen, der Wald hat Ohren“ dargestellt hat.

Faszinierend auch das Bild, das Vincent Munier bei einer seiner Reisen von einem Falken geschossen hat und erst zwei Monate später, beim Entwickeln, registriert hat, dass sich ein Schneeleopard, den er zuvor vergeblich vor sein Objektiv bekommen wollte, aufs Bild gemogelt hatte und seine Augen direkt in sein Objektiv starren (Tip: oben links hinter dem Felsvorsprung).

Die Reise wurde auch filmisch dokumentiert, und im Gegensatz zum Buch finde ich den Film wirklich schön.

Alberto Moravia – „Die Verachtung“

Eine tragische, unglückliche Liebesgeschichte, die von Alberto Moravia (einem Autor, den ich erst kürzlich entdeckt habe), meisterhaft erzählt. Und in meiner Rowohlt-Übersetzung von 1969 sehr schön übersetzt.

Ein Drehbuchautor wird von seiner Ehefrau eines Tages verachtet, ohne dass er den Grund hierfür kennt oder dass seine Frau ihn ihm nennt.

Das Buch wurde von Jean-Luc Godard 1963 mit Michel Piccoli (einem meiner Lieblingsschauspieler) und Brigitte Bardot verfilmt. Leider wird dort die Geschichte, wie in der „nouvelle vague“ damals stilprägend in endlosen Dialogen zerlabert.

Eine tieftraurige, aber elegant und sehr schön geschriebene Geschichte.

Tragische Liebesgeschichte, die Zweite: „Es ist immer so schön mit dir“ von Heinz Strunk.

Ich bin auch ein Fan von Heinz Strunk, aber diese deprimierende Geschichte hat mich heruntergezogen. Bis auf die Episode, als der Protagonist betrunken auf dem Geburtstag seiner neuen Freundin deren Schwester rhetorisch zerstört, gibt es nicht den typischen brachial-brutalen urkomischen Humor, den Heinz Strunk zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Strunk ist meiner Meinung nach einer der besten zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstelle und „Fleisch ist mein Gemüse“ wird immer der Maßstab bleiben und „Der goldene Handschuh“ war auch herrlich, aber nach „Junge rettet Freund aus Teich“ war das ein zweiter Griff ins Klo.

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Interview mit Andi Rögner

Ein sehr interessantes Interview mit meinem Thaibox-Trainer Andi Rögner.

Die Podcaster labern bißchen viel, aber das Interview ist recht lang und interessant mit vielen Anekdoten, die ich selbst gar nicht kannte.

Die Zeiten werden rauher und ich bin der Meinung, dass sich ein Mann zumindest halbwegs selbst verteidigen muss und nicht gleich beim ersten Schlag niedergehen darf.

Daher zur Einführung zwei kleine Videos, mit denen ich selbst für mich trainiert habe.

Bei dem ersten Video wirken die Techniken etwas „sloppy“, aber vielleicht ist das der Stil dieser Schule. Man braucht auf jeden Fall sehr viel „Core“-Kraft und Körperbeherrschung, um die Techniken kontrolliert und kraftvoll ausführen zu können.

Hier, etwas fortgeschritten, sehr gutes Pratzentraining von Damien Trainor aus England.

Kampfsportgyms sind übrigens auch interessante anthropologische Forschungsstätten. Hier trainieren Kriminelle mit Polizisten, Schläger mit Normalos mit Bürojob. Wann hat man schon mal Gelegenheit, mit einem Hells Angel zu sparren und sich den Rockergossip in der Umkleide anzuhören? Umgehrt ist es auch so, dass Fußballhooligans und Türsteher auch gerne mal jemanden aus einem anderen Milieu kennenlernen.

Wenn ihr also in Frankfurt oder Umgebung wohnt, kommt doch vorbei.

แล้วพบกันใหม่

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